Für Griechenlands Politik nähert sich das Drama der realen Katastrophe. Kommentar von Michael Pohl

In der griechischen Tragödie hat Europas Krisenland inzwischen so viele dramatische Kapitel geschrieben, dass langsam ein Gewöhnungseffekt eintritt und der Schrecken einer fatalistischen Gleichgültigkeit weicht. An den Börsen mag dieser Effekt noch etwas Positives besitzen, wenn sich Kursabsturz und -erholung noch binnen weniger Stunden vor der Schlussglocke ausgleichen.
Für Griechenlands Politik nähert sich das Drama jedoch der realen Katastrophe. Das Erstarken der radikalen Kräfte bei den Wahlen nährt schlimmste Befürchtungen, dass die harten Einschnitte zur Zerreißprobe für die Demokratie werden.
Dem Staatsbankrott folgt nun der politische Bankrott, wenn Sozialisten und Konservative es nicht doch noch schaffen, einen Konsens für eine Regierungskoalition zu finden. Beide Großparteien sind für die Krise verantwortlich, weil sie jahrzehntelang sich den Staat zur Beute gemacht haben. Dabei darf Europa nicht den gleichgültigen Zuschauer spielen, sondern muss nun größtmöglichen Druck auf alle demokratischen Parteien ausüben.
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