Montag, 20. Mai 2013

01. August 2012 13:10 Uhr

Kommentar

Ein Amerikaner im Fettnapf

Außenpolitik entscheidet die US-Präsidentschaftswahl wohl nicht. Denn sonst sähe es für Mitt Romney schlecht aus.

Was hat die Welt zu erwarten, falls Mitt Romney am 6. November zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden sollte? Einen Vorgeschmack darauf hat in diesen Tagen die Reise des Kandidaten durch drei Länder auf zwei Kontinenten gegeben. Um es kurz zu machen: Mit Kompetenz hat der Republikaner nicht geglänzt. Souverän geht anders.

Wie wichtig den amerikanischen Wählern außenpolitische Kompetenz ist, steht freilich auf einem anderen Blatt. Für die Wahlentscheidung relevanter sind zweifellos die Wirtschaftspolitik und Aufregerthemen wie die Homo-Ehe, für die sich neuerdings Romneys Gegner, der amtierende Präsident Barack Obama, starkmacht. Aber gute Auftritte im Ausland, die sich mit schönen Bildern verbinden lassen, haben auch in den USA noch keinem Kandidaten geschadet.

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So war es für Obama gewiss nicht von Nachteil, dass er im Vorwahlkampf 2008 in Berlin vor 200000 Menschen eine Rede hielt, die mit frenetischem Jubel aufgenommen wurde. Das Paradebeispiel eines US-Politikers, der fern der Heimat Sympathien gewann, war John F. Kennedy. Er präsentierte sich in Frankreich selbstironisch als „der Mann, der Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet“ – und hatte die Lacher auf seiner Seite.

In solch große Schuhe konnte und wollte Romney nicht steigen, als er jetzt Großbritannien, Israel und Polen besuchte. In erster Linie ging es ihm darum, sich bei den Verbündeten als der bessere Partner im Vergleich zu Obama zu präsentieren. Vor allem in Israel wollte er punkten. Romney erklärte Jerusalem zur Hauptstadt des jüdischen Staates – obwohl nach internationalem Recht Ostjerusalem besetztes Gebiet ist und der endgültige Status erst in einem Friedensvertrag geregelt werden kann. Vollends in den Fettnapf tappte Romney aber, als er die unterschiedliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Israelis und Palästinensern auf „kulturelle“ Unterschiede zurückführte. Die Tatsache, dass die Palästinensergebiete seit Jahrzehnten von Israel besetzt beziehungsweise abgeriegelt sind, ignorierte er geflissentlich. Das Echo in der arabischen Welt fiel entsprechend verheerend aus.

Der Mormone Romney hatte bei seinen Anbiederungsversuchen in Israel wohl das amerikanische Publikum im Auge. Bei Juden und evangelikalen Christen kommt bedingungslose Treue zu Israel gut an. Aber mit solchen Positionen, sollte Romney eines Tages Präsident sein, ließe sich der Friedensprozess im Nahen Osten nicht wiederbeleben. Dazu müsste auch Israel Zugeständnisse machen und wenigstens auf die Fortführung des Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten verzichten.

Obama hat immerhin versucht, den störrischen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dazu zu bringen. Aber geschafft hat er es nicht. Von einem Präsidenten Romney wären Friedensimpulse wohl gar nicht erst zu erwarten. Er zeigt sogar Verständnis für einen militärischen Präventivschlag Israels gegen den nach Atomwaffen strebenden Iran – wovor Obama eindringlich warnt.

In London hatte Romney die Fähigkeit Großbritanniens angezweifelt, die Olympischen Spiele zu einem Erfolg zu machen, was den britischen Premier David Cameron tief verärgerte. In Warschau kam Romneys Freiheitsrhetorik zunächst gut an – bis ein Ausraster seines Pressemanns gegenüber Reportern auch dort das Bild trübte. Mitt Romneys Weltreise wurde so zum Fettnäpfchen-Trip. Die Pannen haben seine Wahlaussichten wohl nicht zunichtegemacht. Aber außerhalb Amerikas weiß man jetzt, dass man von einem Präsidenten Romney nicht viel erwarten darf.

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