Montag, 22. Dezember 2014

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12. Juni 2013 00:08 Uhr

Lernen für die Zukunft

Schulen müssen Fachkräfte für zukunftsfeste Branchen ausbilden.

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Diese Meinung kann sich heute kein Lehrer mehr leisten. Und schon gar nicht, wenn er Präsident des Deutschen Lehrerverbandes wie Josef Kraus ist. Und doch hat er erst unlängst getönt: „Die Schüler müssen ja auch nicht wissen, wie eine Schreibmaschine funktioniert. Hauptsache, sie können sie bedienen.“ Der Pädagogen-Chef aus Niederbayern spricht aber nicht vom Autofahren. Für ihn ist der Informatikunterricht nicht so wichtig. Das ist eine krasse Fehleinschätzung.

Den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, in ihrer Gesamtheit „MINT“ genannt, gehört die Gegenwart und die Zukunft. Unsere Lebensverhältnisse hängen damit zusammen und davon ab. In einem Land wie unserem kann sich kein junger Mensch mehr auf den oben zitierten Lehrerstandpunkt zurückziehen.

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Tatsächlich zeichnet diese Meinung die mangelnde Wertschätzung der Gesellschaft gegenüber den „MINT“-Fächern nach. So, als seien sie nur etwas für Nerds, Freaks und „Jugend forscht“. Immer noch gilt es als gesellschaftlich akzeptabel, sich mit seinen miesen Leistungen in Mathe oder Physik zu brüsten.

In der Realität sieht es aber anders aus. Autos stecken voller Computertechnik, Aufzüge werden von Computern gesteuert, städtische Infrastruktur mit U-Bahnen, Straßenbahnen, Ampelschaltungen könnte ohne Computer nicht aufeinander abgestimmt werden, schnell mal was bei Google suchen oder online einkaufen, die Medizintechnik – die Aufzählung könnte man endlos weiterführen.

Es scheint sich was zu bewegen

Doch es scheint etwas in Bewegung zu geraten. Nicht nur über das erste nationale Spitzentreffen „MINT“ jetzt in Berlin, mit dem Ziel, die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik besser zu fördern. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt haben das Treffen medienwirksam eröffnet. Im zurückliegenden Jahr entstanden deutschlandweit sogenannte „MINT“-Regionen, in denen Schulen, Hochschulen, Elterninitiativen, Städte und Unternehmen gemeinsam die Fächer in die Mitte der Gesellschaft zu bringen versuchen. In Bayern sind das beispielsweise die Stadt Freising und das Berchtesgadener Land.

Mathematik, die Naturwissenschaften und Technik gehören zum traditionellen Fächerkanon an den Schulen in Deutschland. Informatik jedoch ist eine relativ junge Disziplin. Im Jahr 2011 hatten sich bundesweit 48400 Studenten für ein Fach im Bereich Informatik an den Hochschulen eingeschrieben. Dies waren 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Ganz nebenbei: Weit über 90 Prozent der Studenten sind männlich. Dabei steht in Bayern Informatik seit Jahren verpflichtend auf dem Stundenplan der Gymnasiasten. Aber es geht voran. Wenn auch langsam. Die Wirtschaft boomt: Die Zahl der Arbeitsplätze in der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche stieg 2012 auf einen Rekordwert von 895000. Nach Branchenprognosen wird der Wirtschaftszweig zur Jahresmitte 2013 erstmals mehr als 900000 Jobs anbieten, bis zum Jahresende werden es 907000 sein.

Das größte Problem der Firmen ist der Fachkräftemangel: Etwa jedes zweite IT-Unternehmen (53 Prozent) bezeichnet unverändert die Fachkräftesituation als behindernd für das eigene Geschäft. Dieser Fachkräftemangel ist ein Grund dafür, warum sich die Wirtschaft so sehr für die Arbeit an den Schulen interessiert. Doch es muss auch im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegen, Talente im Land zu fördern und sie zu Fachkräften in zukunftssicheren Branchen heranzubilden.

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