Keiner mag sie. Die Praxisgebühr ist für Patienten wie Ärzte gleichermaßen ein Ärgernis. Der, der sie zahlt, fragt sich aus gutem Grund, ob er mit Beiträgen und Zusatzbeiträgen nicht schon genug an seine Krankenkasse abführt. Der, der sie erheben muss, stöhnt über den Aufwand, den er mit ihr hat.
Mit zwei Milliarden Euro im Jahr ist die Gebühr ein fester Bestandteil in der Kalkulation der Krankenkassen – oder, besser gesagt: war es. Im Moment kämen die meisten Versicherungen auch ohne sie aus. Schwächelt die Wirtschaft wieder, sieht die Sache anders aus: Wenn dann Jahr für Jahr zwei Milliarden Euro im Gesundheitswesen fehlen, sind Beitragserhöhungen so sicher wie das Amen in der Kirche.
Die Idee hinter der Gebühr ist so falsch nicht: Nicht jeder Schnupfen ist ein Fall für den Arzt - umgekehrt lässt niemand, der sich wirklich krank fühlt, einen Arztbesuch an zehn Euro scheitern. So gesehen ist die Praxisgebühr vor allem eines: ein Appell an die Eigeninitiative der Patienten. Der gewünschte Effekt, die Kassen zu entlasten, lässt sich allerdings auch durch intelligentere Alternativen erreichen: Warum, zum Beispiel, sollen nicht auch Versicherte der Gesetzlichen Kassen einen Teil ihrer Beiträge erstattet bekommen, wenn sie kleinere Rechnungen selbst bezahlen?