Das ist das Paradoxe an der gegenwärtigen Situation: Je bunter und vielfältiger die Parteienlandschaft wird, desto beschränkter werden die Koalitionsmöglichkeiten. Kommentar von Martin Ferber

Wolfgang Kubicki hat allen gezeigt, wie es geht, allen voran seinem glücklosen Parteichef Philipp Rösler, dessen Tage an der Spitze der FDP gezählt sind. Der liberale Freigeist in Kiel hat die FDP wieder in den Landtag geführt und damit den Beweis erbracht, dass die längst totgesagte FDP noch lebt, wenn auch zunächst nur im nördlichsten Bundesland.
Nur, der persönliche Triumph des Wolfgang Kubicki nützt der schwarz-gelben Koalition an der Kieler Förde nichts. Die Regierung ist abgewählt, Schwarz-Gelb zieht nicht mehr. Doch das hilft Rot-Grün auch nichts. Der alte Automatismus, dass das eine Lager an die Macht kommt, wenn das andere abgewählt wird, ist durch den phänomenalen Aufstieg der Piratenpartei außer Kraft gesetzt worden. Sie bündelt den Protest, während die Linkspartei, die nur noch mit sich selbst beschäftigt ist, die Quittung für ihre Unfähigkeit erhält und aus dem Landtag fällt. Schwarz-Gelb mag am Ende sein, für Rot-Grün langt es deswegen noch lange nicht.
So ist es offen, wie es in Kiel weitergeht. Eine fragile „Dänen-Ampel“ oder Große Koalition? Denn das ist das Paradoxe an der gegenwärtigen Situation: Je bunter und vielfältiger die Parteienlandschaft wird, desto beschränkter werden die Koalitionsmöglichkeiten.
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