Humor, Komik, Lachen: Das ist ein Dreiklang, der auch Misstöne erzeugt. Von Rupert Huber

In der inzwischen verblichenen englischen Satire-Zeitschrift Punch gab es mal eine Zeichnung, die zwei Mäuse zeigte, die an einer Laborwand mit allen vier Füßchen festgepinnt waren. Sagt die eine zur anderen: „Keiner hat jemals behauptet, das Leben sei fair.“
Ist es fair, einen solchen sehr britisch-schwarzen Witz an den Beginn eines Leitartikels zu stellen? So mancher Tierschützer wird sich voller Abscheu schütteln, Zyniker werden an diesem bitteren, leicht philosophischen Cartoon ihre Freude haben. Womit wir bei der elementaren Bedeutung des Humors wären. Er gehört zur Grundausstattung menschlicher Kommunikation. Humor kann schiere Lebensfreude ausdrücken, ist aber auch Transportmittel für satirische Botschaften, deren politische Wirkung etwa im Kabarett wirkungsvoller sein kann als eine flammende programmatische Rede.
Lachen entspannt. Und ist es nicht so, dass wir die Absurditäten einer immer komplizierter werdenden Welt gerne in Witzen auflösen? Was wir nicht begreifen, darüber lässt sich leicht witzeln. Wo uns doch angesichts der in Medien allgegenwärtigen Schreckensbilder das Lachen vergehen müsste.
Humor und befreiendes Lachen sind auch Ausdruck des menschlichen Überlebenswillens. Zum Glück. Das eindrucksvollste Beispiel sind die Juden, die sich seit Jahrtausenden auf ihren Verfolgungen immer wieder in anderen Kulturen behauptet haben. Ihr wunderbarer Humor überlebte den schrecklichen Holocaust.
Humorforscher haben sich oft die Frage gestellt, warum denn Scherze mit ethnischem Hintergrund über Generationen hinweg funktionieren. Abgrenzung, nationales Denken oder Stammesdünkel mögen noch bis ins 20. Jahrhundert mit seinen Weltkriegen nachvollziehbar gewesen sein. Aber Lacher bringen die Witze immer noch bei Stammtischtreffen. Bayer und Preiß, Ösi und Piefke, zurückgebliebene Ostfriesen, schließlich Wessis und Ossis. Da bricht sich das Unbehagen an „Andersartigen“ Bahn, an Bevölkerungsgruppen, die das gewohnte Gesellschaftsgefüge bedrohen.
Das ist eine Sichtweise. Wer aber je erlebt hat, wie sich Österreicher und Bayern – beim Heurigen oder im Bierzelt – augenzwinkernd gegenseitig hochgeschossen haben, hat eine Lehrstunde in Sachen Humor-Demokratie erfahren. Auch der „Kleine“ darf austeilen. Das Pech des so schwer fassbaren Humors ist allerdings, dass er oft in ein Korsett traditioneller Rituale eingespannt ist. Das gilt für das „Derblecken“ der Politprominenz auf dem Münchner Nockherberg wie für die Fastnacht in Veitshöchheim.
Das ist eben der Unterschied. Humor hat der Mensch oder auch nicht. Komik kommt von seismografischer Beobachtung des Lebens – wenn sie gut ist. Humor, Komik, Lachen: Das ist ein Dreiklang, der auch Misstöne erzeugt. Unsere mediale Vermarktungsmaschinerie hat uns eine Vielzahl von TV-Comedians beschert, mit Scherzen, die so viele Sex-Klischees bedienen, dass man gar nicht mehr weiß, wo die Gürtellinie des Menschen anfängt und wo sie aufhört.
Man muss kein Nostalgiker sein, um das allzu Menschliche in den humorvollen Worten von Erich Kästner schön zu finden: „Mit Pauline schliefst du gestern. Denn mitunter muss es sein. Morgen kommen gar zwei Schwestern! Heute schläfst du ganz allein.“
Dass die Deutschen zum Lachen in den Keller gehen, ist ein alter Hut wie die Melone von Oliver Hardy. Und so tragen wir mit Humor, was Georg Christoph Lichtenberg einst geschrieben hat: „Von dem Einfalle, den ein Witziger hat, gehört mehr als die Hälfte dem Dummkopfe zu, den er traf.“
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