Eine aufgeklärte Gesellschaft verträgt kein paralleles Rechtssystem, zumal die Scharia auf einem über 1200 Jahre alten, festgefahrenen Menschenbild beruht. Kommentar von Joachim Bomhard

Man kann es sich einfach machen: Die Scharia ist von vorgestern, brutal und frauenverachtend; das islamische Recht ist deshalb in seiner Gänze schärfstens abzulehnen und hat hierzulande erst recht keinen Platz. Das ist klar und versteht jeder. Eine tiefer gehende Auseinandersetzung würde das klare Nein nur verwässern – also Ende der Debatte.
Die Tendenz ist richtig, die Argumentation darf gerne differenzierter sein: Eine aufgeklärte Gesellschaft verträgt kein paralleles Rechtssystem, zumal die Scharia auf einem über 1200 Jahre alten, festgefahrenen Menschenbild beruht. Radikale Verfechter muslimischer Justiz missbrauchen sie zur Wahrung überkommener Machtstrukturen in Familie und Gesellschaft. Wer dies zulässt, setzt den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz außer Kraft, wo es unter anderem heißt, dass keiner wegen seiner religiösen Anschauungen bevorzugt oder benachteiligt werden darf.
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