Samstag, 19. August 2017

22. Juli 2016 10:10 Uhr

Medizin

Ärzte und das Geld der Pharma-Riesen

Erstmals kann jeder nachprüfen, wie viel Geld sein Arzt von Großunternehmen erhalten hat. Auf der Liste stehen auch hiesige Mediziner. Einer von ihnen erklärt das System.

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Erstmals wird klar, welche Zahlungen hiesige Ärzte von Pharmaunternehmen erhalten haben.
Foto: Stache/dpa

Die Beziehungen zwischen Ärzten und Pharmafirmen blieben lange im Dunkeln. In diesem Jahr nun veröffentlichten erstmals die 54 größten Pharma-Unternehmen des Landes ihre Geldzahlungen an Ärzte und Krankenhäuser. Das Recherchezentrum Correctiv und Spiegel Online haben nun eine Datenbank daraus gemacht.

Darin kann jedermann nachprüfen, wie viel Geld sein Hausarzt von Pharmaunternehmen erhalten hat – eigentlich, denn von 71000 Ärzten, die Zahlungen erhielten, haben nur etwa 21000 der Veröffentlichung zugestimmt. Einer von ihnen ist Bad Wörishofens Ärztesprecher Dr. Peter Schneiderbanger. Sein Name steht nun ebenfalls auf der Liste der Empfänger, einer von vier Eintragungen für die Kneippstadt. 889,55 Euro habe er demnach erhalten. Ein geradezu winziger Betrag, wenn man auf die größten Zahlen in der Datenbank schaut. 575 Millionen Euro sind 2015 insgesamt an Ärzte und Fachorganisationen geflossen. Einzelne Ärzte stehen mit 100000 bis 200000 Euro in der Empfängerliste. Schneiderbanger gibt Einblick in das System, das hinter diesen Zahlungen steht. In seinem Fall geht es um eine mehrtägige, hochkarätige Fortbildungsveranstaltung in Berlin, die Schneiderbanger besucht hat. Gezahlt wurde der Flug, alle weiteren Ausgaben habe er selbst bestritten, sagt der Mediziner.

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Einst seien solche Veranstaltungen gleich komplett bezahlt worden, eine Stadtführung hätte es vermutlich noch obendrauf gegeben. Schneiderbanger sieht das rückblickend kritisch und sagt, die Pharmafirmen hätten sich aber mittlerweile stark zurückgenommen.

Ärzte haben die Verpflichtung, sich fortzubilden, betont der Ärztesprecher. Wie sie das machen, bleibt aber ihnen selbst überlassen. Schneiderbanger sagt, die Veranstaltung in Berlin etwa sei „produktneutral“ gewesen, Namen von Präparaten seien erst gar nicht genannt worden. Dass es auch andere Veranstaltungen gibt, sagt Schneiderbanger aber auch. „Wo Geld verteilt wird, wird versucht Einfluss zu nehmen“, sagt er. Das sei in jeder Branche so. Was früher auch ganz normal – und lukrativ – war: Anwendungsbeobachtungen. Diese seien ihm ebenfalls schon angeboten worden, berichtet der Mediziner. Er habe immer abgelehnt. Vor allem lohne sich das im Klinikbereich.

„Es ist schon ein Unterschied, ob ein Chefarzt von Produkt A auf B umsteigt oder ob ich das tue“, sagt Schneiderbanger. Als Dankeschön habe es da zu früheren Zeiten durchaus einen Mercedes oder – damals – einen Flug mit der Concorde nach New York gegeben. Das sei in der Branche bekannt gewesen. Mittlerweile hätten die Pharmafirmen sich aber stark gezügelt.

„Eigentlich ist es der Schwenk von einem Extrem ins andere“, berichtet Schneiderbanger. So bekomme er teilweise nicht einmal mehr Kugelschreiber. Die aktuelle Debatte hält er deshalb auch für stark übertrieben. Auch Medikamentenmuster würden nur noch sehr restriktiv vergeben. Pharmareferenten dürften da nur noch zwei Stück pro Jahr abgeben. Unmoralische Angebote habe er in seiner langen Berufslaufbahn aber keine erhalten, sagt Schneiderbanger. „Geld für Verordnungen wurde mir noch nie angeboten“, berichtet er. Allerdings gebe es auch weitaus lukrativere Bereiche als die Allgemeinmedizin. In der Krebstherapie, wo Medikamente leicht mehrere tausend Euro kosten, sei ein Wechsel des Präparates zum Beispiel ungleich lohnender, verdeutlicht er.

Die Bad Wörishofer Ärzteschaft hat bislang keine Empfehlung zur Unterstützung durch Pharmafirmen ausgesprochen, sagt Schneiderbanger. „Es wäre aber wohl sinnvoll, das neu zu regeln.“ Grundsätzlich sollte man bei jährlichen Beträgen von mehreren tausend Euro hinterfragen, was genau dahintersteckt, sagt der Mediziner. Solche Beträge gibt es auch im Unterallgäu. Fast 10000 Euro für einen Arzt in Mindelheim sind verzeichnet, 28000 Euro für eine Organisation in Kammlach. Und natürlich stehe es jedem Arzt frei, ganz ohne diese Beiträge auszukommen. Es gebe zum Beispiel die Initiative „Mein Essen zahl ich selbst“, der sich schon zahlreiche Ärzte angeschlossen hätten.

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Ein Artikel von
Markus Heinrich

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Bad Wörishofen Rundschau, K!ar.Text

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