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26. November 2009 04:53 Uhr

Alkohol, die erlaubte Droge

Mindelheim/Unterallgäu Volltrunkene Jugendliche beherrschen die Schlagzeilen der Zeitungen. Fallen sie dabei "nur" ins Koma, dann schädigen sie sich selbst. Fallen sie in der Umnachtung auch noch andere Menschen an, dann wirft das ein noch schlechteres Licht auf die Jugend. Mit dem Problem "Jugend und Alkohol" beschäftigte sich nun die Fraktion der Ausschussgemeinschaft Grüne/ödp im Kreistag. Dazu kamen die Politiker im Jugendcafé Frox mit Leuten zusammen, die mit dem Problem täglich konfrontiert sind: Polizisten, Mitarbeiter des Kreisjugendringes und Menschen, die in der Jugendarbeit tätig sind. Von wilhelm unfried

Eine Lanze für die Heranwachsenden brach Fraktionssprecherin Doris Kienle. Sie widersprach dem Eindruck, dass unsere Jugend dem Alkoholismus verfallen sei. Leider würden die negativen Schlagzeilen von Wenigen einen falschen Eindruck erzeugen.

Der Vorsitzende des Kreisjugendringes, Hans-Reinhard Jungblut, stellte zunächst fest, dass Alkohol "gesellschaftskonform" sei, und die Droge Nummer 1 ist. Der Staat verdiene daran über Steuern jährlich 3,4 Milliarden Euro. Noch verrückter sei es, wenn im Fernsehen zwischen Sportveranstaltungen für Bier geworben werde.

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Vonseiten der Sozialpädagogen wurden auch gesellschaftliche Probleme, wie Angst um den Arbeitsplatz oder beim Studium zu versagen, genannt. Und so sinke das Alter, in dem begonnen wird, Alkohol zu konsumieren. Hinzu komme der Verfall des Familienverbundes und der entsprechenden Vorbilder.

Dies bestätigte auch Jugendpolizist Kohler von der PI Mindelheim, der es nun schon mit elfjährigen betrunkenen Kindern zu tun hat.

Doch lamentieren alleine hilft nicht. Die Erkenntnisse des Abends fasste dann Doris Kienle wie folgt zusammen:

Verkürzung der Sperrzeiten bei öffentlichen Festen, um es nicht zu Alkoholexzessen kommen zu lassen.

Mehr Feste ohne Alkohol im öffentlichen Raum.

Förderung der Vereine, damit sie keine "Sauffeste" organisieren müssen, um Geld für die Jugendarbeit in die Kasse zu bekommen. Hier sah die Fraktionsvorsitzende die Bürgermeister in der Pflicht, denn die "Reparaturarbeit" komme wesentlich teurer.

Verbot von Alkoholverkauf an Tankstellen nach 20 Uhr.

Durchsetzen der bestehenden Gesetze. Es gebe bereits genügend Satzungen, die Alkoholgenuss zum Beispiel in Grünanlagen untersagen.

Mehr Polizei auf die Straßen. Trotz anderer Aussagen gebe es immer weniger Polizisten vor Ort.

Prävention: Elternarbeit in Schule und Familie, Unterstützung gefährdeter Familien. Dazu gehöre auch die Bereitstellung von Räumlichkeiten für die Jugend, die sich mit Gleichaltrigen treffen möchte.

Grenzen, auch für Jugendliche, sichtbar machen.

Wie es sich gehörte, kredenzte Hans-Reinhard Jungblut seinen Gästen Café und alkoholfreie Mixgetränke um zu zeigen, dass es auch ohne Alkohol geht.

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