Mindelheim "Uns wurde sehr schnell klar, dass Bauer werden mehr bedeutet als Kühe melken und Schlepper fahren", bekannten elf Studierende aus dem Beratungsbezirk des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Mindelheim. Mit Eltern, Lehrern und Ausbildern feierten die frischgebackenen "Staatlich geprüften Wirtschafter für Landbau", wie sie sich jetzt nennen dürfen, den erfolgreichen Abschluss ihrer Schulzeit. Drei Semester hatten die aus den Kreisen Unterallgäu, Günzburg und Neu-Ulm stammenden Absolventen nach abgeschlossener Berufsausbildung und einem Praxisjahr noch mal die Schulbank gedrückt und sich das Rüstzeug für einen Platz auf der obersten Sprosse der Berufsleiter ergattert.
Die große Zahl der Ehrengäste unterstrich die Bedeutung der Feierstunde, wurde aber auch als Verbeugung vor der heimischen Landwirtschaft gewertet. "Stellen Sie sich den ständig wachsenden Herausforderungen", ermunterte Landwirtschaftsdirektor Dr. Ludwig Merk die Absolventen und verwies hier auf den hohen Stellenwert von praxisnaher Ausbildung. Mit dem bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner wusste der Behördenleiter sich einig: "Aus- und Fortbildung sind der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg. Sie sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe". Wie der Minister machte Merk zudem deutlich: "Qualifikation, Unternehmergeist und Geschick zählen heute mehr als Hofgröße und Produktionsmenge."
In Krisenzeiten ist eine gute Ausbildung nötiger denn je
Der frühere Landwirtschaftsminister Josef Miller verband seine Glückwünsche mit der eindringlichen Bitte an die Studenten, sich neben dem Beruf auch für Staat und Gesellschaft sowie in berufsständischen Organisationen einzusetzen und Ehrenämter zu übernehmen. Nicht zu überhören seine Forderung: "Wissen und Forschungsergebnisse müssen schneller in die Beratung der Landwirte einfließen."
Als die Stunde der Gratulanten schlug, meldete sich auch die stellvertretende Landrätin Heidi Zacher zu Wort. Wie Mindelheims Vizebürgermeister Herbert Kugler äußerte sie die Ansicht: "In Krisenzeiten, in Zeiten des Umbruchs und rasanten Höfesterbens ist eine gute Ausbildung nötiger denn je". Dazu biete die Landwirtschaftsschule Mindelheim alle Voraussetzungen.
Umweltfreundliche Produkte und Qualität seien in Deutschland noch immer Fremdwörter, kritisierte die Vizelandrätin. Es zähle nur, was billig sei, bedauerte sie und meinte, es sei höchste Zeit zum Umdenken. Zacher wörtlich: "Mit einem Wirtschaftssystem stimmt etwas nicht, wenn ein Bauer vier Liter Milch verkaufen muss, um sich vom Erlös im Gasthaus ein Glas Mineralwasser kaufen zu können."
Das Leben sei ein ständiges Lernen und Arbeit nicht alles, gab BBV-Kreisobmann Gerhard Miller zu bedenken. Seine jungen Kollegen forderte er auf, auch mal über den Tellerrand zu schauen, fremde Länder zu bereisen und zu schauen, "wie es woanders zugeht". Wie Landwirte ihr Einkommen als "kommunale Dienstleister" aufbessern können, wusste Student Josef Winter. Er empfahl seinen Kollegen als einträgliches, zweites Standbein die Landschaftspflege, konkret die Pflege von Hecken und Feldgehölzen.
Bevor die Absolventen vom Vorsitzenden Hans Karrer in den Verein für landwirtschaftliche Fortbildung (VLF) aufgenommen wurden, nahmen sie ihre Zeugnisse in Empfang. Am besten schnitten ab: Daniel Kornes (Ronsberg), Robert Krug (Legau) und Thomas Veit (Lauben). Sie wurden mit Sachpreisen und einem staatlichen Stipendium in Höhe von 1200 Euro belohnt. Keine Schulschlussfeier ohne Musik. Kostproben ihres Könnens servierte zwischen Reden und Feiern die Ehemaligen-Kapelle.
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