Montag, 25. September 2017

30. Dezember 2009 05:16 Uhr

Ausgefahren wird das, was gerade Saison hat

Unggenried Bio allein reicht nicht mehr. In Zeiten von Gammelfleisch und Gen-Mais werden die Verbraucher immer anspruchsvoller und verlangen mehr Sicherheit. Sie wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Regionale Produkte sind gefragt. Von Jana Tashina

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Kopfsalat und Pflaumen, Kohl und Äpfel, aber auch Bananen, Orangen, Käse und Kräutertee stehen auf den Bestelllisten von Hans-Georg Stümpfl aus Mindelheim-Unggenried. Stümpfl ist Biobauer und beliefert seine 1400 Kunden jede Woche mit der sogenannten Ökokiste.

"Immer mehr Verbraucher achten beim Einkauf auf die regionale Herkunft der Lebensmittel", meldet das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf seinem Internetportal ökolandbau.de. Für den Konsumenten würde ein Öko-Etikett auf einem Produkt durch die Kombination mit "aus Ihrer Nähe" noch attraktiver, sagen die Experten des Ministeriums.

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Ein Weg, Produkte aus der eigenen Region zu bekommen, ist der Einkauf direkt beim Erzeuger oder auf dem Wochenmarkt. Eine andere Möglichkeit bieten regionale Vermarktungsinitiativen. In ganz Deutschland gibt es bereits 430 solcher Bündnisse. Verschiedene regionale Lebensmittelanbieter schließen sich hierbei zusammen, um ihre Waren gemeinsam zu vertreiben.

Der Stümpfl-Hof in Mindelheim-Unggenried ist Mitglied im Verband bäuerlicher Gemüselieferbetriebe. 42 Biobauernhöfe in Deutschland gehören heute dem Verband an. Seit 15 Jahren ist der Stümpfl-Hof bei den "Kistlern" dabei. Die Ökokisten gibt es in verschiedenen Varian-ten - selbst zusammengestellt oder als fertiges Paket. 70 Prozent seines Umsatzes macht Stümpfl mit der "regionalen Ökokiste", also mit Produkten hauptsächlich aus eigenem Anbau. "Die Kunden bekommen hier das, was gerade Saison hat."

Nur 2,5 Kilometer pro Kunde

Ein Grund, der deutlich für den Kauf regionaler Produkte spricht, ist der Umweltschutz. Lange Transportwege verbrauchen sehr viel Energie. Bei regionalen Waren fällt dieser Energiebedarf deutlich geringer aus. Doch Vorsicht: Laut einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung kommen die Vorteile der regionalen Erzeugnisse nur dann zum Tragen, wenn der Verbraucher sein eigenes Einkaufsverhalten daran anpasst und nicht für jedes Produkt eine weite Strecke mit dem Auto zurücklegt. Diesen Aspekt bedenken auch die Anbieter der Ökokisten. Pro Kunde legen die Stümpfl-Hof-Lieferanten etwa 2,5 Kilometer zurück. Für dieselbe Menge an Lebensmitteln fährt der Durchschnittsverbraucher etwa 15 bis 18 Kilometer, erklärt Hans-Georg Stümpfl.

Der Begriff der Regionalität im Verbrauchermarkt ist unscharf, meint Helmut Hübsch von der GfK. "Die Nürnberger Bratwurst gibt es auch bei Aldi." Der Begriff "regional" sei in der Marktforschung kaum greifbar, da für diese Produkte noch keine einheitliche Kennzeichnung existiere. Bislang könnten deshalb nur Einstellungen und Stimmungen abgefragt werden. Zudem lässt sich auch räumlich schwer eingrenzen, was "regional" wirklich bedeutet. Die Marken der großen Handelsketten, wie "Unsere Heimat" (Edeka Südwest), umfassen manchmal riesige Gebiete und unterscheiden sich somit nicht unbedingt vom Großhandel. Feneberg hingegen garantiert, dass Produkte, die unter der Marke "Von hier" vertrieben werden, aus einem Umkreis von 100 Kilometern kommen.

Hans-Georg Stümpfl gelingt es heute nicht mehr, die Kisten nur mit den eigenen Produkten füllen. Er hat Partnerbetriebe in der Umgebung, die ihm zusätzliche Waren liefern, manches bestellt er beim Biogroßhändler "Ökoring". "Die Kunden sind verwöhnt, es muss immer alles verfügbar sein", sagt Mitarbeiterin Monika Müller. Im Sortiment haben die Kistler deshalb auch Bananen und Orangen. Eigentlich ein Widerspruch zum Vertrieb regionaler Produkte. Hans-Georg Stümpfl verteidigt das breite Angebot: "Ohne Bananen können wir nicht liefern, die Nachfrage nach Südfrüchten ist enorm. Der Kunde verlangt dies heute."

Die Umsatzzahlen der Biowaren haben im ersten Halbjahr 2009 etwas nachgelassen, die Verbraucher werden trotzdem gerade in Krisenzeiten mehr auf "Bio" und "Regional" setzen, meint Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. "Wissen, wo die Produkte herkommen, wissen, wie sie hergestellt werden, und sich nicht den weltweiten anonymen Strukturen zu unterwerfen, das ist den Konsumenten heute immer wichtiger", sagt er.

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