Ettringen/Bad Wörishofen "Auch Bad Wörishofen demonstriert": So war es am Wochenende bei der Großdemonstration gegen das geplante Heizkraftwerk in Ettringen auf einem Plakat zu lesen. Das Wort "Auch" bezog sich dabei auf Vorwürfe, dass die Kneippstadt sich in Sachen Heizkraftwerk bislang sehr zurückhalte.
Gudrun Kissinger-Schneider (Türkheim) von der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal" brachte es mit markten Worten bei der Großdemo auf den Punkt: "Man wirbt hier mit dem Slogan 'gesundes Kneippland Unterallgäu'. Man versucht mit viel Engagement, Kreativität und Geld noch mehr Urlauber und Kurgäste herzubringen. Und das ist auch gut so. Wir brauchen neben der Landwirtschaft eine weitere Möglichkeit, Arbeitsplätze aufzubauen. Arbeitsplätze, die umwelt- und sozialverträglich sind."
Gute Projekte und Ansätze in dieser Richtung seien also vorhanden, wie zum Beispiel auch die angestrebte Zusammenarbeit zwischen dem Kneippland und der Staudenregion. All diese Bemühungen stünden, so Kissinger-Schneider, durch das "Müllkraftwerk" auf dem Spiel: "Was ist mit Bad Wörishofen. Warum schläft es? Die Übernachtungszahlen in der Kurstadt sinken sowieso von Jahr zu Jahr. Herr Bürgermeister Holetschek und Herr Kurdirektor von Hohenegg: Wenn Sie sich weiterhin aus der Diskussion heraushalten und nicht endlich klar Stellung beziehen gegen dieses Projekt, dann sind Sie nicht wirklich besorgt um die Entwicklung ihrer Stadt und das Kurwesen. Mit so einer Haltung schaden Sie nicht nur dem Image des Kneipplandes und der Kurstadt, sondern Sie gefährden auch sehr viele Arbeitsplätze."
Kissinger-Schneider ist sich sicher, Pfarrer Kneipp hätte Stellung bezogen und deutliche Worte gefunden gegen diesen "Verrat an Mensch und Natur".
Diese Vorwürfe will Bürgermeister Holetschek nicht hinnehmen: "Wir können nichts dafür, dass wir nicht im maßgeblichen Einwirkungsbereich des geplanten Heizkraftwerkes liegen. Diesen Bereich hat das Landratsamt Unterallgäu festgelegt." Dennoch habe der Stadtrat klar und einstimmig einen Beschluss gefasst, weil "die Belange der Bürger sowie die Funktion als anerkanntes Heilbad durch die Dimension des geplanten Kraftwerkes und die vorgesehenen Ersatzbrennstoffe durchaus berührt sein könnten". Demnach unterstützt Bad Wörishofen die Bemühungen der Gemeinden und betroffenen Bürger, im Genehmigungsverfahren auf eine geringstmögliche zusätzliche Belastung der Umwelt hinzuwirken. Der Kernsatz: "Insbesondere ist es im Interesse der Luft- und Bodenreinhaltung wünschenswert, auf das Einbringen von externen Ersatzbrennstoffen in Form von Abfällen und Klärschlamm so weit wie möglich zu verzichten, zumal hierfür genügend Kapazitäten in vorhandenen Müllverbrennungsanlagen zur Verfügung stehen."
Er, Holetschek, habe im Gespräch mit der Firma Lang betont, dass Wörishofen gegen alles sei, was das Prädikat Kurort gefährde: "Ich habe auf bestmöglichen Schutz der Bürger und unserer Stadt als Gesundheitsstadt hingewiesen. Letztlich geht es um Gesundheitsschutz." Deshalb verstehe er die Kritik nicht: "Aber ich gehe mit unserer Meinung auch nicht jeden Tag vor Ort und halte ein Schild hoch."
Gestern erst habe er Ettringens Bürgermeister Robert Sturm gebeten, das vor dem Ettringer Gemeinderat verlesene Gutachten zum geplanten Kraftwerk allen betroffenen Gemeinden zur Kenntnis zu geben. Holetschek: "Wir werden uns aus dieser Diskussion nicht ausklinken."
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: