Vor elf Jahren haben Anna und Albert Scharnagl am Ortsrand von Siebnach, nur einige hundert Meter entfernt von der Ettringer Papierfabrik Gebrüder Lang, ihre Großgärtnerei mit Bio-Laden angesiedelt. "Seit wir befürchten müssen, dass uns eine Müllverbrennung vor die Nase gesetzt wird, ist die Stimmung gedrückt."

Siebnach (emf) - Vor elf Jahren haben Anna und Albert Scharnagl am Ortsrand von Siebnach, nur einige hundert Meter entfernt von der Ettringer Papierfabrik Gebrüder Lang, ihre Großgärtnerei mit Bio-Laden angesiedelt. "Wir haben unsere ganze Kraft und Liebe in den Betrieb gesteckt", sagt Anna Scharnagl, "haben ihn aus dem Nichts aufgebaut und sind stolz darauf. Seit wir befürchten müssen, dass uns eine Müllverbrennung vor die Nase gesetzt wird, ist die Stimmung gedrückt."
Kein Wunder, denn die Zukunft der ganzen Familie hängt an dem Betrieb. Beide Kinder arbeiten mit. Sohn Christoph (21) ist gelernter Gärtner, Tochter Martina (19) hat eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau. Die Scharnagls vermarkten ihre ungewöhnlich breit gefächerte Produktpalette auch im regionalen Großhandel. Auf insgesamt 20 Hektar bauen sie Obst, Gemüse und Getreide an. 13 Hektar gehören ihnen, den Rest haben sie gepachtet.
Bis die Fläche ökologisch umgestaltet war, hat es einige Jahre gedauert. Albert Scharnagl sagt: "Wir werden streng kontrolliert. In der Branche haben wir nur dann eine Zukunft, wenn sich die Kunden auf unbelastete Ware verlassen können." Er macht sich bereits heute Gedanken über eine Verlagerung seiner Gärtnerei, sagt aber: "Die Chance, in 20, 30 Kilometern Entfernung ökologische Flächen zu pachten, wird schwierig sein. Wir müssen dann wieder ganz von vorn anfangen. Und wer zahlt uns das?!"
Wenn Lang Papier das Kraftwerksprojekt wie geplant verwirklicht, dann, so sagt Scharnagl, könne er den Anbau von Biogemüse in Siebnach nicht mehr verantworten: "Das verträgt sich nicht mit meiner eigenen Philosophie".
Absolut nicht einverstanden mit dem Projekt ist auch Agrarfachmann Dr. Reiner Bäßler aus Amberg. Er ist Geschäftsführer des Maschinenrings und bewirtschaftet im Nebenerwerb 75 Hektar Ackerfläche, ein Teil davon im engeren Einzugsgebiet der Papierfabrik.
Er legt Wert darauf, in seiner Eigenschaft als Privatmann und Landwirt zu sprechen, wenn er sagt: "Ich habe die Antragsunterlagen sehr genau studiert und kann das Vorhaben, das einen Mix von acht verschiedenen Fraktionen mit unterschiedlichen Heizwerten vorsieht, nicht akzeptieren. Allein an Staub würden dabei pro Tag durchschnittlich 45 Kilogramm emittiert, 0,144 Kilo Quecksilber, 0,216 Kilo Cadmium und Titan, und an Dioxinen 0,456 Milligramm pro Tag. Das muss ja irgendwohin. Und es reichert sich auf Dauer im Boden an."
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