Mittwoch, 13. Dezember 2017

17. November 2017 16:47 Uhr

Biogas-Fackel brennt noch immer

Gewerbeaufsicht Die Ettringer Firma Aviretta hat das Problem mit Biogas bislang nicht gelöst. Das Landratsamt hat nach den Störfällen im April kontrolliert und Auflagen erlassen. Dagegen hat das Unternehmen geklagt

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Über diese Fackel auf dem Aviretta-Firmengelände wird nach wie vor Biogas nutzlos verbrannt wird, statt wie vorgesehen eine Turbine zu betreiben. Nach mehreren Störfällen muss das Unternehmen mehrere Auflagen des Landratsamtes erfüllen. Dagegen hat die Firma aber geklagt.

Ettringen Im April machte das Ettringer Unternehmen Aviretta Negativ-Schlagzeilen mit Störfällen bei der Verbrennung und Verarbeitung von Biogas, das nutzlos über eine Fackel verbrannt, statt wie vorgesehen zur Energiegewinnung genutzt wurde. Auch unverbrannt war damals Biogas in die Luft geblasen worden.

Die zuständigen Behörden versicherten damals, dass der Betrieb des Unternehmens künftig genau unter die Lupe genommen werde. Wie die MZ jetzt erfuhr, gibt es inzwischen einen Rechtsstreit zwischen dem Unternehmen und dem Landratsamt: Aviretta hat gegen die Auflagen der Behörde geklagt.

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Auf Nachfrage der MZ teilte das Landratsamt mit, dass die Firma Aviretta „einen Teil unserer Forderungen“ erfüllt habe. Nach derzeitigem Kenntnisstand des Landratsamts sei es „auch nicht mehr zum Austritt von unverbranntem Biogas“ gekommen.

Die damals beanstandete Situation habe sich zwar verbessert, das anfallende Biogas werde aber immer noch lediglich „zeitweise für den Betrieb des Heizkessels“ verwendet. Stattdessen müsse das Biogas nach wie vor über die Fackel verbrannt werden, was laut Landratsamt „allerdings nur in Ausnahmefällen zulässig ist“.

Zudem werde die vorgeschriebene Zusammensetzung des Biogases nach wie vor nicht immer erreicht, so das Landratsamt. „Um sicherzustellen, dass die Anlage richtig arbeitet, haben wir verschiedene Maßnahmen angeordnet. Diese sind allerdings noch nicht rechtskräftig, da die Firma dagegen klagt. Das Verwaltungsgericht hat dazu noch keine Entscheidung getroffen“, so Pressesprecherin Sylvia Rustler auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung.

Seit Mai habe das Landratsamt drei weitere Vor-Ort-Kontrollen bei Aviretta durchgeführt: „Zusätzlich fordern wir von der Firma regelmäßig Prozessdaten an“, betont Rustler mit Blick auf die laufende juristische Auseinandersetzung. Bis wann mit einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts zu rechnen sei, ist derzeit noch unklar.

Die Firmenleitung von Aviretta wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Firmenchef Dr. Carl Pawlowsky reagierte auf entsprechende schriftliche Anfragen zunächst nicht. Auch telefonisch war er gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Das Kernproblem war und ist die Verwertung des bei der Klärung des Abwassers anfallenden Biogases, das eigentlich zur Befeuerung eines Heizkessels bei UPM verwendet werden sollte. Dieser Heizkessel liefert dann wieder Dampf an Aviretta zurück, das dort zur Produktion von hochwertigem Verpackungspapier verwendet wird. Stimmen aber die vorgeschriebenen Grenzwerte des Biogases nicht, dann kann das Biogas nicht wie geplant in dem empfindlichen Heizkessel verbrannt werden, der sonst Schaden nehmen würde.

Anstatt das Biogas also zu verwerten, wird das Gas nutzlos durch den Schornstein gejagt – und noch im April machte Aviretta-Chef Pawlowsky deutlich, dass er damit ganz und gar nicht zufrieden sei, schließlich müsse sein Unternehmen „sauberes“ Gas zukaufen und bezahlen, wenn es das vor Ort anfallende Biogas nicht verwerten kann.

Das Unternehmen ist vor vier Jahren von Dr. Carl Pawlowsky gegründet worden und hat die Papiermaschine 4 gekauft, die von UPM stillgelegt worden war. Diese Papiermaschine füllt eine riesige Maschinenhalle, hier werden pro Jahr rund 150000 Tonnen sogenanntes Wellpappen-Rohpapier produziert, das in Deutschland und dem benachbarten Ausland zur Herstellung von Verpackungen und Kartonagen verwendet wird.

Im Jahr macht das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt aktuell rund 80 Mitarbeiter – viele davon verloren einst ihren Arbeitsplatz, als UPM diese Papiermaschine stilllegte. Mit hohen Investitionen sorgte Aviretta dafür, dass an dieser Maschine jetzt das „braune Papier“ produziert werden kann, mit dem der boomende Verpackungsmittelmarkt beliefert wird.

Um eine maximale Belastbarkeit zu garantieren, wird das ausschließlich aus Altpapier recycelte Verpackungspapier mit einer hachdünnen Stärke-Schicht überzogen.

Um dann jedoch wieder den geforderten Trocknungsgrad zu erreichen, ist hoher Dampfdruck nötig, der im Heizkessel der UPM hergestellt und wieder an Aviretta geliefert wird.

Dieser Heizkessel sollte eigentlich auch mit dem Biogas befeuert werden, das als „Nebenprodukt“ bei der aufwendigen und modernen Abwasserreinigung bei Aviretta abfällt. Allein in diese Abwasseranlage hat das junge Unternehmen mehrere Millionen Euro investiert.

Zur Verbrennung im UPM-Heizkessel darf das Biogas aber nur geringe Mengen von Schwefel aufweisen, sonst wird der Brenner des Kessels beschädigt.

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Ein Artikel von
Alf Geiger

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Bad Wörishofen


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