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28. Mai 2009 17:05 Uhr

Bürgermeister fühlt sich verunglimpft

Ettringen/Mindelheim (jsto) - Psychologen würden wohl vom Phänomen des Lagerkollers sprechen, der sich allmählich breitmacht. Seit vier Tagen bereits verhandeln weitgehend dieselben Protagonisten in der Schulturnhalle des Maristenkollegs in Mindelheim - allerdings mit abnehmender Zahl - von morgens bis abends über das geplante Heizkraftwerk der Firma Lang Ettringen.

Gestern nun kam es zu einer Eruption, die allenfalls mit einem Vulkanausbruch vergleichbar war. Bürgermeister Robert Sturm schritt geschwinden Laufs zum Mikrofon. Er fühle sich in hohem Maße verunglimpft von Wilhelm März, einem der Einwender. Dieser hatte am Vortag kurz vor Ende den Eindruck erweckt, es gebe geheime Absprachen zwischen der Gemeinde Ettringen und der Firma Lang. Mit anderen Worten: Das Spiel sei abgekartet, die Bürger die Leidtragenden.

Anstatt sich zu freuen, dass die Gemeinde sich bemühe, von der Firma Lang Zugeständnisse bei den Abgaswerten zu erhalten, "wirft man mit Dreck", wetterte Sturm. Im Juni 2007 sei er von der Firma Lang über das Vorhaben unterrichtet worden. Rechtlich habe er aber keine Befugnis gehabt, den Inhalt dieser Besprechung zu veröffentlichen, sagte Sturm am Rande der Erörterung gegenüber der MZ. Allerdings hatte die Firma Lang das geplante Vorhaben unmittelbar danach von sich aus per Pressemitteilung bekannt gemacht.

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Mehrere unmittelbare Nachbarn beklagen Gestank

März sagte darauf, es gehe "in keiner Weise darum zu diffamieren". Er habe aber den Eindruck gewonnen, als ob ein abgekartetes Spiel zwischen der Firma Lang und der Gemeinde vorliege. Norbert Suritsch, Planer des Projekts, sagte, er weise die Unterstellung strikt zurück. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Dr. Joachim Herbold, hielt Sturm gleichwohl vor, dieser habe es über ein halbes Jahr hinweg nicht für notwendig gehalten, die Bürger über die Pläne zu informieren.

Über weite Passagen ging es gestern am Vormittag um Geruchsbelästigung, die vom Gelände der Firma Lang ausgehe. Mehrere Nachbarn beklagten dies. Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf räumte ein, dass es hin und wieder zu solch unliebsamen Vorkommnissen gekommen sei. In Zukunft sei aber eine deutliche Verbesserung zu erwarten, weil Bioschlämme zeitnah verbrannt werden sollen. "Die entscheidende Quelle der Geruchsbelästigung wird wegfallen", sagte Norbert Suritsch vom Planungsbüro Müller-BBM. Verbindlich erklärte Suritsch für die Firma Lang, dass keine Bioschlämme mehr im Freien abgelagert würden.

Ein Gutachten zur Geruchsbelastung gefordert

Vertreter der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal" forderten gleichwohl ein Gutachten zur Geruchsimmission, um die Gesamtbelastung abschätzen zu können. Ob es dazu kommt, ließ Oberregierungsrätin Doris Back nicht erkennen.

Noch einmal kochte die Stimmung zur Mittagszeit hoch, als Hartmut Scheller von der Bürgerinitiative "Schadstofffreies Umland" ans Mikrofon trat. Dem Landratsamt hielt er die Unterdrückung einer Straftat vor. Die Firma Lang habe einen 200-fachen Cyanid-Eintrag in die Wertach zu verantworten. Rechtsanwalt Wolf-Friedrich Spieth (Lang) verwahrte sich dagegen, dass es sich um eine Straftat handele. Scheller hat offenbar die Staatsanwaltschaft in Memmingen zur Prüfung der Vorgänge eingeschaltet.

Für das Wasserwirtschaftsamt in Kempten nahm Patrick Hübner Stellung. Es gebe leicht lösliches Cyanid und komplex gebundenes. Letzteres werde auch in der Lebensmittelproduktion eingesetzt und sei nicht wasserlöslich. Nur solches Zyanid sei in die Wertach gelangt. Wie dies aus gesundheitlicher Sicht zu werten ist, blieb offen, weil kein Mediziner als Fachmann im Saal war. Rechtsanwalt Wolfgang Baumann sagte, dies sei hochgiftig, Hübner dagegen versicherte diese Art Cyanid sei ungefährlich. Das Cyanid entstehe bei der Altpapieraufbereitung und werde beim Lösen von Berliner Blau freigesetzt. Das Wasserwirtschaftsamt will den Abwasserbereich der Anlage separat genau unter die Lupe nehmen.

Die Firma Lang erklärte, im Bescheid seien keine Grenzwerte für die Einleitung von Cyanid festgelegt. Also können sie auch nicht um den 200-fachen Wert überschritten worden sein. Einen Zusammenhang mit der Deponie gebe es nicht.

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