Sonntag, 21. Januar 2018

31. Dezember 2017 11:57 Uhr

Tradition in Weiler

Das Gesicht ist der schwierigste Teil

Erich Briegels Leidenschaft sind Madonnafiguren, aber auch Krippen sind bei ihm in guten Händen. Von Manuela Frieß

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Ganz genau kann sich Erich Briegel noch an den Tag erinnern, an dem er als 14-Jähriger mit dem Schnitz-Virus infiziert wurde. „Ich durfte als Ministrant in Biberachzell mit dem Stadtpfarrer von Weißenhorn zu einer Krippenausstellung fahren. Das hat mich dann so fasziniert, dass ich am gleichen Tag noch nach einem Fichtenbrett gesucht habe und daraus meine erste Figur ausgesägt und geschnitzt habe“, erzählt der mittlerweile in Weiler wohnende Briegel. Mit seiner Leidenschaft für die Schnitzerei habe er damals sogar den Vater angesteckt, gibt er zu und lacht. Aber Fichtenholz nimmt der gelernte Schlosser mittlerweile zum Schnitzen nicht mehr. Ganz klassisch fertigt er seine Figuren aus Lindenholz. „Denn das ist weich und hat die richtige Festigkeit.“ Bei einem Schnitzkurs habe er auch mit anderen Holzarten wie Zirbenholz gearbeitet, aber trotz des angenehmen Geruchs, mag er dessen gelbliche Farbe, die sich nach ein paar Jahren einstellt, nicht, erzählt er.

Aber nicht nur beim Holz lächelt der 52-Jährige mittlerweile über seine Anfänge. Auch das Werkzeug, das er heute benutzt, ist ein ganzes Stück professioneller geworden. Die Zahlen auf den Griffen der über 70 Messer zeigen die verschiedenen Krümmungen und Breiten der Klingen an. Die Anordnung mit genügend Abstand zueinander ist eine Vorsichtsmaßnahme. „Wenn die Klingen auch nur einmal aneinanderstoßen, kann es sein, dass eine Scharte drin ist und das sieht man auf dem Holz dann sofort.“ Deshalb ist die Maschine für das Schleifen und Abziehen der Messer eigentlich genauso wichtig für sein Hobby, wie der eigens für ihn angefertigte – nach allen Seiten schwenkbare – Arbeitsplatz.

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Jede Linie muss sitzen

„Die schwierigste Stelle an jeder Figur ist das Gesicht“, meint der Schnitzer. Damit es wirklich aussagekräftig sei, müssen nicht nur die Proportionen stimmen, ebenso müsse jede Linie perfekt sitzen. Und wenn der Käufer es wünscht, wird die Figur auch angemalt – gefasst, wie der Fachmann dazu sagt. Hierzu übergibt Briegel die Verantwortung jedoch an einen Fassmaler. Dafür habe er kein Händchen, erklärt er freimütig. Doch bis so eine Madonna soweit sei, vergehen locker 300 Stunden, die er daran arbeite.

An Astrid Lindgrens Michel erinnert sich Erich Briegel immer, wenn er zu seiner Schnitzwerkstatt gegenüber dem Wohnhaus geht. Doch anders als beim schwedischen Lausbub, für den die Werkstatt beliebtes Versteck ist, ist Briegels umgebaute Garage mit einem Holzofen versehen, und neben dem Arbeitsplatz und der Schleifmaschine gibt es auch eine Hobelbank und eine elektrische Laubsäge. Diese braucht er aber mehr für seine Basteleien rund um die detaillierten und aufwendigen Krippengebäude, denen seine Leidenschaft ebenfalls gilt. „Die großen Marienstatuen schnitze ich zum Großteil aus 45 Zentimeter großen Rohlingen, die ich beim Großhandel kaufe. Die Sachen für die Krippen, die sammle ich im Wald oder mach ich mir aus dem Holz von hier.“ Für die alpenländischen Ställe der Heiligen Familie zum Beispiel hat er vergrautes Altholz vorrätig, das er extra ein oder zwei Jahre draußen lagert, damit es von der Verwitterung und der Oberfläche auch zu einem alten Stadel passt. Aber auch Hartschaumplatten und Verputz aus Sägemehl und Gips kommt beim Krippenbau zum Einsatz. Ein lustiges Detail: Auch die Krippengebäude sind Moden unterworfen. Wie zum Beispiel sichtbares Mauerwerk, dass an einigen Stellen zwischen dem Putz hervorlugt. Doch bis diese Stellen den richtigen Farbton der gebrannten Ziegel hatten, habe er jahrelang experimentiert.

Die Arbeit ist kaum zu bezahlen

Die Vorweihnachtszeit ist im Hause Briegel arbeitsintensiv. Auf drei Weihnachtsmärkten ist er mit seinen Schnitzereien, Krippen und Figuren vertreten. Was bei manchen Wetterlagen nicht immer angenehm ist, vor allem, wenn es zu sehr schneit und windet. Denn schließlich darf das unbehandelte Holz ja nicht nass werden, sonst hinterlässt die Feuchtigkeit unschöne Flecken. Aber auch bei sich zu Hause hat er eine große Auswahl an Zubehör vorrätig: Tonkrüge für orientalisches Flair, winzige Mistgabeln oder Rechen für die alpenländischen Varianten. Und auch wenn seine Frau Maria ihn wegen seines zeitintensiven Hobbys manchmal wenig zu Gesicht bekommt, helfen sie und seine Tochter doch bei allen Aktivitäten des Papas nach Möglichkeit tatkräftig mit.

Der Preis einer von Briegel per Hand geschnitzten Statue liegt bei gut 300 Euro. Eigentlich viel zu wenig, wenn man die Arbeitszeit betrachte, meint er. Leider sei bei den traditionellen Schnitzern, im Allgäu genauso wie in Südtirol, die Technik immer weiter auf dem Vormarsch. Viele der Holzstatuetten seien dann aber gefräst und nicht geschnitzt. Ein deutlicher Unterschied in Briegels Augen. „Eine solche handgeschnitzte Figur hat einfach was“, ist Erich Briegels Meinung. Und auch vielen Kunden ist es immer noch wichtig: Schließlich sei es dann ein Unikat und keine Massenware.

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