Mittwoch, 17. September 2014

02. Oktober 2013 09:00 Uhr

Festival der Nationen

David Garrett inszeniert Musik

Der Weltstar versteht es, für Klassik zu begeistern. Das Festivalorchester überzeugt mit einer souveränen und ausgefeilten Interpretation Von Bernhard Ledermann

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Bad Wörishofen Ein Weltstar zum Anfassen: Gleich drei Mal betrat David Garrett beim „Festival der Nationen“ in Bad Wörishofen die Bühne des Kursaals. Andernorts wäre man vielleicht schon froh, wenn der berühmte Geiger wenigstens einmal auftreten würde. Garrett teilt allerdings ein zentrales Anliegen der Festival-Veranstalter in Bad Wörishofen: Musik, gerade in ihrer klassischen Ausprägung, einem breiten Publikum zu vermitteln.

Ja, Garrett schafft es, wie wenige andere, Musik zu inszenieren, sie erlebbar zu machen. Beim letzten der drei Konzerte mit dem Orchester des Verbands der Bayerischen Wirtschaft („vbw-Festivalorchester“) stand zunächst die Ouvertüre der bekanntesten Oper Otto Nicolais, „Die lustigen Weiber von Windsor“, auf dem Programm. Christoph Adt dirigierte einen soliden Konzertauftakt. Abrupte Wechsel von gewaltigen und lyrischen Passagen gelangen dem Orchester unter seinem Dirigat mühelos. Der Ouvertüre folgte das Brahms-Violinkonzert und damit der von vielen Garrett-Fans erwartete Auftritt des Geigen-Virtuosen: Der Klassik-Star lässt sich einen Barhocker auf die Bühne bringen, betritt rasch den Saal, hält einen kurzen Small-Talk mit dem Dirigenten. Dann darf das Orchester beginnen. Um es vorweg zu sagen: Die Interpretation des Konzertes von Johannes Brahms für Violine und Orchester in D-Dur (Opus 77) war eine reife Leistung, ein Gesamtkunstwerk auf hohem Niveau. Dabei schien es fast, als ob David Garrett und das Orchester alleine agierten. Christoph Adt hielt sich nobel-vornehm zurück, behielt jedoch souverän den Überblick und bot mit seiner kontrollierten und zielgerichteten Führung den Rahmen, den Garrett und die jungen Orchestermusiker glanzvoll füllten.

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David Garrett initiierte immer wieder Dialoge mit dem Orchester, motivierte die unterschiedlichen Instrumentengruppen, nahm Blickkontakt mit den jungen Musikern auf. Dabei blieb es nicht bei äußerlichen Gesten; echoartig imitierten die Orchestermusiker nicht selten die gestalterischen Vorgaben Garretts.

Was macht den Pop-Star der deutschen Klassik-Szene aus? Es dürfte sein Grenzgang zwischen den vielfach immer noch unversöhnten Welten von Klassik und Pop sein. Dabei gelang ihm beispielsweise in einer langen Solokadenz eine differenzierte Mehrstimmigkeit, inklusive zielführender Sequenzen und spannungsreicher Chromatik. Doch der Grenzgang kann auch seinen Tribut fordern. Manche Abstriche wirkten zu platt-effektvoll hart.

Was Garrett jedoch erreicht, ist die Außerkraftsetzung manch biederer Gepflogenheiten des Klassik-Betriebs. Sein Auftritt, sein Spiel erlauben einen unverkrampften Musik-Genuss, der dem Kneippstädter Festival-Publikum entgegenkommt. Spontan verleiht es mit Zwischenapplaus seiner Begeisterung Ausdruck. Bei Garrett passt das.

Manchmal lieber keine Applaus-Pausen

Dass manche Gepflogenheit andernorts aber auch sinnvoll sein kann, konnte bei der Aufführung der ersten Sinfonie von Brahms in c-moll erfahren werden. Nun agierte das vbw-Festivalorchester alleine. Mancher hätte die dramatisch angelegte Sinfonie lieber ohne Applaus-Pausen gehört. Denn Christoph Adt arbeitete die Kontraste eindrucksvoll heraus: Einem zupackenden ersten Satz folgte ein ruhiger, leicht bewegter zweiter Satz. Die Spielfreude und das drangvolle, jugendlich-kraftvolle Musizieren kamen besonders im Finalsatz zum Tragen.

Was Adt und seinen Mitstreitern in den stundenlangen Proben zusammen mit den Musikerinnen und Musikern im Alter von 11 bis 17 Jahren gelang, war einmal mehr äußerst beachtenswert, ja geradezu grandios! Der Orchesterklang war ausgewogen, satt, beherzt zupackend, aber auch warm und samten. Die Intonation war fast immer sicher; Schlussakkorde waren angenehm austariert.

Ein Genuss waren das Zusammenspiel der Hörner, der kernige Klang des Paukisten in der Schluss-Coda des Finalsatzes oder Solopassagen von Flöten oder Oboen. Es ist ein Glücksfall, dass dieses Orchester mittlerweile fest etabliert zum „Festival der Nationen“ gehört.

So geht es weiter Tölzer Knabenchor mit Verleihung „Prix Young Artist of the Year“ am heutigen Mittwoch um 20 Uhr in St. Justina; Senta Berger am Donnerstag, 3. Oktober, um 20 Uhr im Kurtheater.

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