"Müllverbrennung nein danke, es stinkt jetzt schon zum Himmel", "Gesunde Milch ade", "Schwermetalle für schwere Gewinne" - solche und ähnliche, schnell gemalte Plakate und Transparente trugen die Teilnehmer der Demonstration gegen die Müllverbrennung durch Lang Papier mit sich.
Das Wetter war kalt und sonnig, die Stimmung lebhaft bis ausgelassen, aber friedlich. Auf einem Hügel vor der Fabrik hatte sich eine Gruppe von Kindern installiert, die - in Mülltüten und Mundschutz verpackt - auf Tonnen trommelten und Sprechchöre intonierten. Die Kundgebungen der Bürgerinitiative wurden nach jedem Satz mit Trillerpfeifen, Tröten und lauten Beifallsrufen unterbrochen.
Die Gennacher, die zuerst das Wort hatten, scheuten nicht vor starken bis polemischen Statements zurück. "Wenn sich das Kraftwerk nach acht Jahren amortisiert hat", fragten sie, "wird dann Myllykoski, so wie jetzt Nokia, seine Mitarbeiter einfach im Regen stehen lassen?" Sie fürchten "ein Riesengeschäft auf unsere Kosten" und stellten fest: "Wir wollen nicht den Müll aus ganz Europa, wir wollen eine Zukunft für unsere Kinder."
Danach formierte sich ein kilometerlanger Zug durch den Ort. Die Polizei, die die Demonstration begleitete, hatte eine Fahrspur gesperrt. Im Zug fielen Transparente auf wie "Stoppt Müllikosky", "Gift + Gier = Lang Papier" oder "Herr Landrat, wie können Sie das verantworten".
Kraftwerksprojekt nicht generell, aber in dieser Form verhindern
Auf dem Platz neben dem Gasthof Krone sprach dann Armin Weh von der Bürgerinitiative Ettringen vor den aufmerksam lauschenden und immer wieder Beifall spendenden Demonstranten. Weh betonte: "Wir demonstrieren nicht gegen die Papierfabrik, die hier Beschäftigten oder die Verantwortlichen in Ettringen. Wir waren immer bereit, auch Nachteile, die sich aus einem großen Industriebetrieb ergeben, in Kauf zu nehmen. Jetzt aber auch noch eine riesige Müllverbrennung vor die Nase gesetzt zu bekommen, das ist zuviel für uns."
Man wolle das Kraftwerksprojekt, das zur Hälfte mit Gas betrieben werde, nicht in seiner Gesamtheit verhindern, könne aber nicht akzeptieren, "dass hier in riesigen Ausmaßen fremder Klärschlamm und Kunststoffabfälle verbrannt werden sollen." Die Papierfabrik argumentiere mit Wirtschaftlichkeit: "Wer aber fragt, wie es damit bei uns aussieht? Was ist mit einem Betrieb wie dem Bio-Gemüse-Anbau der Familie Scharnagl, wenige 100 Meter von hier?" Ihnen werde niemand die Verluste ersetzen, die ihnen durch eine Müllverbrennungsanlage direkt vor ihrer Tür entstünden.
Weh appellierte eindringlich an seine Zuhörer, das von der Firma angebotene Gespräch auf allen Ebenen zu suchen. Gefragt seien nun aber vor allem die gewählten Volksvertreter. Die Gemeinde Ettringen sei mit gutem Beispiel voran gegangen, die umliegenden Gemeinden sollten nachziehen. Öffentliche Stellungnahmen forderte der Redner von Kreistags- und Landtagsabgeordneten ein und forderte sie auf, "mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Firma Lang einzuwirken." Er sei zuversichtlich, dass dann die Firma das Projekt auch nicht um jeden Preis und gegen jeden Widerstand durchzusetzen bereit sei.
Eine Bildergalerie von der Demonstration am vergangenen Samstag in Ettringen finden Sie bei uns im Netz unter www.mindelheimer-zeitung.de/bilder. Außerdem bieten wir Ihnen im Internet eine Plattform, um sich über dieses Thema auszutauschen und Ihre Meinung zu sagen. Dieses Forum findet man unter www.mindelheimer-zeitung.de/ettringen
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