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02. Januar 2008 18:30 Uhr

Den Ausweis bitte! Häuser brauchen ab Juli einen Energiepass

Ob sie von Autos, Flugzeugen oder Fabriken stammen, sie belasten unsere Umwelt - die CO2-Emissionen. Das Ziel der Bundesregierung ist deshalb, die Ausstöße bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken. Dazu soll auch der Energieausweis für Häuser seinen Teil beitragen, der ab Juli Pflicht sein wird, wenn Immobilien verkauft oder neu vermietet werden sollen. Von Carina Cebulj,

Für den Laien ist die Materie jedoch recht komplex, wir fragten die Mindelheimer Architektin Andrea Epple, welche Art von Ausweis für welches Haus benötigt wird.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Varianten von Ausweisen. Für den Aussteller mit weit mehr Aufwand verbunden, ist der Ausweis, der auf Grundlage des Energiebedarfs errechnet wird. Zahlreiche Gebäudedaten muss der Hauseigentümer in einem vierseitigen Formular offenlegen, die dann auf Plausibilität geprüft werden. "Unter anderem spielt zur Berechnung die Wohnfläche, das Volumen, die Außenfläche, das Baujahr und technische Angaben des Hauses eine Rolle. Grundvoraussetzung ist auch immer eine Besichtigung der Immobilie. Das alles ist sehr umfangreich", so Andrea Epple.

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Einfacher dagegen ist das verbrauchsorientierte Exemplar. Anhand der Energieverbrauchsdaten von drei aufeinanderfolgenden Abrechungsperioden des gesamten Gebäudes wird in Bezug auf die Wohnfläche hierbei der Ausweis erstellt. Beeinflusst wird die Berechnung dabei vom Nutzerverhalten. So hat ein Rentnerpaar zum Beispiel einen geringeren Energieverbrauch als eine Familie mit Kleinkindern. Um darüber hinaus realitätsgetreue Werte ermitteln zu können, gilt, dass in den drei Jahren der Gebäudezustand nicht verändert werden darf. Der Einbau von neuen Fenstern würde zum Beispiel zu einer Verfälschung führen.

Je nach Ausweisart unterscheiden sich auch die Kosten für den Hauseigentümer. "Für einen verbrauchsorientierten Ausweis wird man um die 100 Euro zahlen müssen. Bei dem Ausweis, der auf der Grundlage des Bedarfs erstellt wird, liegen die Kosten höher, da der Aufwand einfach größer ist. Der Inhaber eines Einfamilienhauses muss mit mindestens 500 Euro rechnen", so Epple. Vor Angeboten im Internet, wo die Ausweise zu Billigpreisen angepriesen werden, rät sie jedoch ab.

Der aussagekräftigere Ausweis ist laut der Expertin der bedarfsorientierte Ausweis, da rechnerisch nachzuvollziehen sei, wie Sanierungen die Energieeffizienz steigern würden.

Wer dazu berechtigt ist, Ernergieausweise auszustellen, das wird von der Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, geregelt. So dürfen Hochschulabsolventen aus Bereichen wie Architektur, Bauphysik oder Bauingenieurwesen, aber auch Handwerksmeister und staatlich geprüfte Techniker aus den Bereichen Hochbau, Bauingenieurwesen und Gebäudetechnik die Dienstleistung anbieten. Voraussetzung ist hierbei jedoch eine Bauvorlageberechtigung, eine Fortbildung oder ein belegter Ausbildungsschwerpunkt im Bereich des energiesparenden Bauens während des Studiums.

Trotz der leider fehlenden Transparenz für den, der sich im Alltag nicht mit Energiebedarf oder -verbrauch beschäftigt - die Farben auf dem Ausweis machen deutlich, wie es um das Haus steht: Rot steht für verschwenderisch, Grün für energiesparend.

Je nachdem wieviel der Gebäude-Ist-Wert, ausgedrückt in Kilowattstunde pro Quadratmeter Fläche, den Anforderungswert der EnEV übersteigt, kann über Sanierungsmaßnahmen nachgedacht werden. Individuelle Optimierungsvorschläge sind dann ebenfalls auf dem Ausweis zu finden.

Ab dem 1. Juli 2008 müssen Hauseigentümer, die ihr Immobilie verkaufen, verpachten oder vermieten wollen, nun verpflichtend dem neuen Bewohner einen Energieausweis vorlegen. Durch dieses Konzept können Mieter und Käufer künftig verschiedene Immobilien vergleichen.

Die tatsächliche Höhe des Energiebedarfs oder -verbrauchs ist jedoch, wie schon gesagt, nutzerabhängig - denn: Auch nicht jeder Autofahrer verbraucht gleich viel Sprit.

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