Montag, 23. Oktober 2017

13. Oktober 2017 00:36 Uhr

Bürgerentscheid

Der Orden wirbt für seine Pläne

Für den Erhalt des Mutterhauses der Franziskanerinnen und zum Lebensunterhalt der betagten Schwestern werden Einnahmen gebraucht. Deshalb soll die Lautenwirtswiese jetzt vermarktet werden

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Die Stiftung Heilig Kreuz will die Wiese am Lautenwirtsgässchen bebauen lassen. Die Verantwortlichen erläuterten ihre Pläne (von links): Michael Thiede, Geschäftsführer von Real Estate Solutions, Schwester Marianne Rauner, Generalökonomin des Klosters Ursberg und Pfarrer und Stiftungsratsvorsitzender Ulrich Lindl.
Foto: Stoll

Nachdem der Stadtrat grünes Licht für einen Bürgerentscheid sowie ein Ratsbegehren darüber gegeben hat, was mit der Wiese am Lautenwirtsgässchen geschehen wird, hat sich der Eigentümer der Wiese öffentlich zu Wort gemeldet. Gegenüber der Mindelheimer Zeitung bedauerte der Orden Frauenkloster der Franziskanerinnen zum Heiligen Kreuz die „öffentlich sehr emotional und teilweise auch subjektiv-einseitig vertretene Entwicklung zum Projekt Lautenwirtsgässchen“. Der Orden zeigte sich vor allem auch deshalb überrascht, weil der Bebauungsplan zuvor mit großer fraktionsübergreifender Zustimmung im Stadtrat vorangebracht worden war.

An dem Gespräch nahmen die Generalökonomin aus Ursberg, Schwester Marianne Rauner, der Pfarrer und Stiftungsratsvorsitzende des Klosters sowie Ordensreferent im Bistum Augsburg, Dr. Ulrich Lindl sowie Michael Thiele, Geschäftsführer des Projektentwicklers Real Estate Solutions aus Augsburg teil.

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Im Jahr 2010 haben die verbliebenen Ordensschwestern die Stiftung ins Leben gerufen, um die Zukunft des Klosters abzusichern. Heute leben noch drei Schwestern, eine von ihnen in Ursberg. Der Orden ist aus zwei Gründen aktiv geworden, um die Wiese am Lautenwirtsgässchen zu vermarkten. Lindl sagt, für den Erhalt der Klosteranlage, aber auch für die Versorgung der verbliebenen Schwestern würden Mittel benötigt. Dem Orden war auch nicht verborgen geblieben, dass in Mindelheim latenter Mangel an Wohnbauland besteht. Vor zwei Jahren hatte der Orden bereits am nördlichen Stadtrand Flächen für bauwillige Familien bereitgestellt.

Die Wiese am Lautenwirtsgässchen wird nach Ansicht von Schwester Marianne nur wenig genutzt. Sie ist seit mehr als 40 Jahren von der Stadt als Gemeinbedarfsfläche für Sportanlagen ausgewiesen. Derzeit ist die Fläche an die Stadt als Spiel- und Sportfläche vermietet und könnte jährlich von der Stiftung gekündigt werden.

Mit großem Interesse habe der Stadtrat die Anregung und die Bereitschaft des Ordens, dort Fläche für neuen Wohnraum bereitzustellen, aufgenommen und den Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Dieser sieht neben Doppelhaushälften Geschosswohnungsbau, Grün-, Spiel- und Sportflächen vor sowie eine Fläche für eine siebengruppigen Kindertagesstätte. Mit einer Erweiterung von attraktiven, innenstadtnahen Wohnbauflächen könne weiterer Landverbrauch am Stadtrand verringert werden. Auch könne damit innerstädtisches Verkehrsaufkommen reduziert werden, argumentiert Pfarrer Lindl. Dabei werde die soziale Seite nicht vernachlässigt. Thiede sagt, der Quadratmeterpreis für die Mietwohnungen werde einen Euro unter dem Marktpreis liegen.

In zwei Baukörpern am Hohen Weg werden Sozialwohnungen untergebracht. Ein Haus soll in klösterlichem Besitz bleiben. Noch nicht entschieden ist, welches Bauunternehmen mit den Arbeiten betraut wird. Zusätzlich erhält die Stadt Grund für 30 Parkplätze übertragen sowie eine Fläche, um dort einen öffentlich zugänglichen Bolzplatz zu schaffen.

Der Orden ist im Vertrauen auf die breite Zustimmung im Stadtrat bereits mit rund 100 000 Euro in Vorleistung für die Planung gegangen, sagte Thiede. Dass der Orden die Finanzierung von Planung, Entwicklung und Erschließung auf eigenes Risiko übernimmt und zehn Prozent der Wohnfläche dem sozialen Wohnungsbau zuführt, sei Bedingung für die Stadt gewesen. Der Orden habe den Nachbarn weitestgehende Zugeständnisse gemacht. Statt drei Meter Abstand seien fünf zugestanden worden. „Ein solches Entgegenkommen habe ich noch nie zuvor erlebt“, sagte Projektsteuerer Thiede.

Der Orden selbst sei auf den Verkauf der Fläche angewiesen, um den Lebensunterhalt der betagten Schwestern zu sichern und das denkmalgeschützte Mutterhaus der Franziskanerinnen in der Hauberstraße dauerhaft zu erhalten. Daran ist auch der Stadt Mindelheim gelegen. Die Mieteinnahmen aus den Wohnungen sollen diese Zwecke erfüllen.

Das Frauenkloster der Franziskanerinnen wurde bereits im 15. Jahrhundert gegründet und besteht seitdem unverändert. Selbst den Dreißigjährigen Krieg und die Zeit des Nationalsozialismus hat das Kloster überstanden. Der Orden habe in der Vergangenheit mehrfach Wohlwollen für die Interessen der Stadt und seiner Bürger bewiesen, sagte der Vorsitzende der Stiftung, Pfarrer Lindl. An öffentlich nutzbaren Grünflächen besteht nach seiner Ansicht kein Mangel in Mindelheim. Die Obstwiese, der ehemalige Schwesterngarten und weitere Grünflächen an der Lautenwirtswiese stehen den Bürgern der Stadt auch in Zukunft zur Verfügung. Der Orden sieht „keine Veranlassung noch eine rechtliche Verpflichtung, über das kurzfristig kündbare Mietverhältnis mit der Stadt hinaus dort langfristig Flächen für eine öffentliche Grünflächennutzung bereitzustellen“. Mit anderen Worten: Sollte der Bürgerentscheid erfolgreich sein, dürfen die Mindelheimer nicht mehr darauf vertrauen, die Wiese für Spiel und Sport nutzen zu dürfen.

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Mindelheim | Ursberg | Augsburg

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Ein Artikel von
Johann Stoll

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter, Stadt Mindelheim


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