Freitag, 23. Juni 2017

21. April 2015 06:00 Uhr

Vor 70 Jahren in Bad Wörishofen

Der Tag, an dem der Frieden kam

Im April 1945 übergaben die Bürger ihre Stadt an die Amerikaner. August Filser erlebte den Einmarsch hautnah. Einige Bewohner hinterließen Aufzeichnungen. Demnach wäre es beinnahe noch gefährlich geworden Von Helmut Bader

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Bad Wörishofen nach dem Einmarsch der US-Armee: Amerikanische Soldaten marschieren über die Rössle-Kreuzung. Die Bürger hatten die Stadt am 27. April vor 70 Jahren friedlich übergeben.
Foto: Michael Scharpf

Es waren schöne und warme Frühlingstage im Wörishofen des April 1945. Das Ende des Krieges war endlich abzusehen. Doch die Bürger der Stadt trieb die Sorge um, was kommen würde. Am 27. April vor 70 Jahren stellten die Wörishofer dann die Weichen. Sie übergaben die Stadt ohne kriegerische Handlungen an die anrückenden amerikanischen Soldaten. Die vielleicht einzigen zwei noch vorhandenen Dokumente geben das Geschehen dieser Tage wieder – und zeigen auf, dass es keineswegs sicher war, dass alles friedlich ablaufen würde.

Hauptmann Martin Springer, damals als Lazarett- und Disziplinaroffizier und zusammen mit dem Feldarzt Dr. Paul Baumgarten an maßgeblicher Stelle im Einsatz, schildert in seinem Schriftstück nämlich, dass noch am Dienstag, 24. April, eine Gruppe von zwei Dutzend 12- bis 16-jähriger Buben „angeführt von einem älteren Mann auf Befehl Straßensperren errichten sollten, um den Vormarsch der feindlichen Truppen zu stoppen.“ Dies konnte Springer nach seinen eigenen Aussagen aber zum Glück verhindern. Straßensperren hätten wohl Kampfhandlungen nach sich gezogen, obwohl Wörishofen ja als Lazarettort ausgewiesen war – ungeachtet der in der heutigen Gartenstadt stationieren Kampfflugzeuge (wir berichteten). Rote Kreuze waren auf den Dächern aufgemalt worden und auch außerhalb des Ortes war mit Tüchern darauf hingewiesen worden, dass man sich hier um Verwundete kümmert. Immerhin waren in Bad Wörishofen nach Springers Aussagen in zwölf Lazaretten über 4000 Schwerverletzte und Kranke untergebracht. Als Chefarzt war Oberfeldarzt und Führer der Heeressanitätsstaffel Wörishofen Paul Baumgarten dafür zuständig.

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Ebenfalls noch unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner, am 20. April, dem Hitlergeburtstag, brachten sich in einem Vereidigungsakt im Kino von Bad Wörishofen junge Buben „dem Führer zum Geschenk dar“. Dies wusste Michael Scharpf zu berichten.

Am Donnerstag, 26. April, waren die Geschützfeuer und Bombeneinschläge immer deutlicher zu hören, und es wurde in der Kneippstadt bekannt, dass sich in der Nähe von Mindelheim Kampfhandlungen abspielten. Zum Glück für die Wörishofer hatten sich die weiteren deutschen Truppen bereits Richtung Berchtesgaden zurückgezogen. Auch eine neu aufgestellte, überwiegend aus Ukrainern bestehende sogenannte Wlassow-Armee, die sich in den Wäldern um Wörishofen aufgehalten hatte, war im Rückzug begriffen oder hatte sich aufgelöst.

Im Verlauf der Nacht rückten die Amerikaner immer näher auf Wörishofen zu. An den Zufahrtsstraßen waren Tafeln und Posten aufgestellt, die auf die Lazarettfunktion hinwiesen. Baumgarten und Hauptmann Springer kontrollierten die Posten in der Nacht und die Übergabe erfolgte mit Hilfe eines in Englisch verfassten Schreibens.

Am nächsten Morgen, dem 27. April, rückten schließlich die ersten Panzer in Wörishofen ein. Außer dass von den Amerikaner einige Schmucksachen mitgenommen und Fotoapparate beschlagnahmt wurden, lief die Übergabe sehr geordnet ab, wurde berichtet. An diesen Tag erinnert sich auch Alfred Geromiller in seinen später verfassten Aufzeichnungen. Eigentlich wollte er als junger Bub an diesem Morgen mit dem Fahrrad noch einmal zum Feldflugplatz, um nach zurückgelassenen Gerätschaften zu sehen. „Langsam kroch in mir aber die Erkenntnis hoch, dass die Amis schon ganz nah sein müssten und ich fuhr schnell wieder nach Hause“, schreibt er. „Kaum war ich in der Kneippstraße 9 angekommen, hörte man schon das Dröhnen der Motoren und das Rasseln der Panzerketten von der Kathreiner Straße her.“. Was dann geschah, beschreibt Geromiller ebenfalls. „Die Zivilbevölkerung musste sich nicht in Häuser oder Keller zurückziehen, sondern stand am Straßenrand und bestaunte das Geschehen. Vor allem beeindruckten die vielen schwarzen Soldaten, denn viele kannten dunkelhäutige Menschen nur vom Film.“

Dass dies aber doch nicht ganz so ungefährlich war, schildert Alfred Geromiller in einer weiteren Episode: „Auch mein Bruder Willi und ich standen an der Südseite der Kathreiner Straße. Plötzlich sprang ein amerikanischer Soldat von einem Kettenfahrzeug auf Willi zu und wollte ihn gefangen nehmen. Willi trug befehlsgemäß noch seine Fliegeruniform, aber ohne Koppel. Er konnte gerade noch erwidern ’Ich Hospital’. Daraufhin rannte der Soldat zu seinem Fahrzeug zurück und Willi verschwand schnell nach Hause.“

Auch August Filser erlebte als kleiner Junge mit sechs Jahren diesen 27. April hautnah: „Ich erinnere mich noch, dass die Soldaten spektakulär mit ihren Fahrzeugen bei der Rösslekreuzung Runden drehten und dass sie beim Steiner nördlich der Kreuzung ein Essenszelt aufstellten“, berichtet er.

Mit entsprechender Anspannung verbrachte die Bevölkerung die nächsten Stunden. Schließlich wurde um etwa 16 Uhr bekannt, dass die Amerikaner Häuser für Nachtquartiere beschlagnahmten.

Die Bewohner mussten innerhalb einer Stunde das Gebäude verlassen. Geräumt werden musste auch das Lazarett im Parkhotel, wo ein kleines Kommando, sowie eine Sanitätskolonne der Amerikaner Quartier bezog.

Am nächsten Morgen verließ die amerikanische Pioniereinheit Wörishofen in Richtung Landsberg. Zuvor noch wurde, nach den Aufzeichnungen von Hauptmann Springer, von den Amerikanern der frühere sozialdemokratische Bürgermeister Strauß wieder als vorläufiger Bürgermeister eingesetzt. Und Alfred Geromiller berichtet, dass in den folgenden Tagen von allen erwachsenen Bewohnern im Gasthof Krone Fingerabdrücke genommen wurden und Fragebogen zur Mitgliedschaft in der NSDAP oder anderen nationalsozialistischen Vereinigungen ausgegeben wurden. Für die Bad Wörishofer war der Krieg damit beendet. Bis es im ganzen Land soweit sein sollte, mussten noch einige Tage vergehen.

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