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31. Januar 2008 18:45 Uhr

Derzeit über 80 solcher Werke geplant

Die Firma Lang Papier ist nicht das einzige Unternehmen, das derzeit eine Anlage plant, die mittels der Verbrennung von Ersatzbrennstoffen (EBS), unter anderem aufbereiteter Industrie- und Hausmüll sowie Klärschlamm, Energie produzieren soll.

Die Wirtschaft hat in Abfällen längst eine billige Alternative zu den immer teurer werdenden Energielieferanten Öl und Gas gefunden. Bei der jüngsten Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal" in Türkheim erklärte Sprecher Armin Weh, dass derzeit 83 solcher EBS-Werke deutschlandweit in Planung seien. Zusammen mit den bestehenden EBS-Werken würden so Verbrennungskapazitäten von rund 11,8 Millionen Tonnen jährlich entstehen. Damit seien die in Deutschland anfallenden geeigneten Abfallkapazitäten bald ausgeschöpft, Müllimport aus dem Ausland unumgänglich. Derzeit werden nach Bayern bereits jährlich rund 250 000 Tonnen Müll importiert.

Die Firma Lang kann noch keine genauen Angaben darüber machen, wo ihre Abfälle herkommen sollen. "Wir sind noch in Verhandlungen mit verschiedenen Lieferanten", sagt Martin Heinrich, Technischer Leiter bei Lang auf Nachfrage der MZ. Geplant sei, die Brennstoffe aus einem Umkreis von rund 450 Kilometern zu beziehen.

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Um "Mülltourismus" auszuschließen fordern die Vertreter der Bürgerinitiative von den Firmenverantwortlichen, mit erheblich geringeren EBS-Menge zu planen und sich nicht ein derart breites Spektrum genehmigen zu lassen.

Mit dieser Forderung hängt auch die Sorge um die erwarteten Emissionen der Anlage zusammen. Im Vergleich zum jetzigen mit Schweröl betriebenen Kraftwerk würden sich zwar einige Schadstoffe erheblich vermindern (Schwefeldioxid, Staub, Schwermetalle), die jetzt in den Genehmigungsunterlagen veranschlagten Werte sind den Kritikern allerdings dennoch erheblich zu hoch. Die Firma Lang lässt sich die laut Verordnung zulässigen Maximalwerte genehmigen. "Das ist so üblich. Wir werden diese Werte allerdings weit unterschreiten", betont Martin Heinrich. Angesprochen auf die Forderung der Bürgerinitiative, eine bessere Rauchgasreinigung zu integrieren, erklärt Heinrich, man könne die Rauchgasreinigung eines EBS-Werkes nicht mit der einer normalen Müllverbrennung vergleichen, da die Abfälle vorsortiert seien: "In unseren Brennstoffen finden sie beispielsweise keine Quecksilbertermometer mehr drin." Außerdem sei die geplante Filtertechnik energieeffizienter und kostengünstiger.

In der Tat kostet die Rauchgasreinigung in der Augsburger Müllverbrennungsanlage rund 400 Euro pro Tonne, in EBS-Werken normalerweise rund 50 Euro. Die Augsburger Filteranlage ist, obwohl sie bereits Anfang der 90er Jahre gebaut wurde, eine der besten in Deutschland, sagt Professor Dr. Michael Braungart, Experte für Abfallentsorgung an der Universität Lüneburg, gegenüber der MZ. Dass die so genannten EBS-Werke mit einfacheren und billigeren Anlagen planen, ist für ihn ein Rückschritt. Dass solche überhaupt entstehen könnten, liege an den durch den Gesetzgeber festgelegten seiner Meinung nach zu hohen Grenzwerten. "In Skandinavien liegt der Grenzwert für Stickoxide bei 25 Milligramm pro Kubikmeter Luft, in Deutschland bei 200 Milligramm", gibt Braungart ein Beispiel. Stickoxide können Atemwegserkrankungen auslösen.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein geplantes EBS-Werk in Trostberg (Kreis Traunstein) überregionale Aufmerksamkeit erregt. Die Saarbrücker Firma Sotec kündigte an, die Pläne, am Standort Trostberg ein Kraftwerk auf Basis von Ersatzbrennstoffen zu errichten, nicht weiter verfolgen zu wollen. Das rund 85 Millionen Euro teure Werk sollte etwa 150 000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch verwerten. Die dabei entstehende Energie sollte die Papierfabrik Rieger versorgen. Eine Bürgerinitiative hatte gegen das Projekt gekämpft und erreicht, dass die geplante Technik noch einmal geändert wurde. Als Grund für ihren Rückzug gab die Firma jetzt unter anderem an: die von der Politik erwartete aufwändigere Verfahrenstechnik bei der Rauchgasreinigung hätte sich negativ auf die Gesamtkalkulation ausgewirkt.

In Ettringen soll es so weit nicht kommen. Die Kritiker wollen das Werk nicht verhindern, sondern verbessern. Außerdem gab es bereits mehrere Treffen zwischen Vertretern der Bürgerinitiative und Lang. "Wir werden jetzt die Wünsche der Bürger sammeln und prüfen und dann ein Gesamtpaket präsentieren, was wir optimieren können", sagt Martin Heinrich.

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