Türkheim Völlig offen sind die Freien Wähler des Wertachmarktes, wenn es um die Bürgermeisterwahl 2010 geht: Das gilt nicht nur hinsichtlich des Wahltermines, sondern auch des Kandidaten. Man will einen eigenen Bewerber ins Rennen schicken, würde aber auch den Kandidaten einer anderen Gruppierung unterstützen, falls er denn der ideale wäre. Oberste Prämisse für die Freien sei nämlich Türkheim.



Es war der "Stammtisch" der FW, der sich am Dienstabend im "Bäurle" zusammengefunden hatte. Und es war tatsächlich nicht mehr als ein Stammtisch. "Was braucht Türkheim": FW-Ortsvorsitzender Jürgen Guggenmoos gab dieses Thema aus und damit vor, wie die Freien nach dem überraschenden Rückzug von Bürgermeister Silverius Bihler in Sachen Nachfolge verfahren wollen: "Wir zäumen das Pferd von hinten auf. Zunächst erkunden wir, was Türkheim braucht, dann welche Eigenschaften ein Bürgermeister aus unserer Sicht haben muss und dann suchen wir nach möglichen Kandidaten."
"Genügend Auswahl"
Keinen Zweifel ließ Guggenmoos daran, dass die Freien Wähler über genügend Auswahl verfügen. Deshalb sei für ihn die Frage des Termins auch keine wesentliche: "Wenn am 4. Juli gewählt wird, dann ist es so. Wenn es erst im Herbst sein soll, weil die anderen Parteien noch keine Kandidaten haben, ist uns das auch recht."
Doch am Stammtisch ging es erst einmal um Ideen, um den "Türkheimer Weg", den die Freien seit 2008 beschreiten und auf dem man nun mittendrin stecke: Die Ansiedlung des REWE-Marktes in der Ortsmitte sei ein solcher Meilenstein auf diesem Weg, von den Freien angestoßen und konsequent verfolgt.
Was Guggenmoos sauer aufgestoßen ist, das sind die Äußerungen vom CSU-Ortsvorsitzenden Otto Mayer. Der hatte gegenüber der MZ betont, dass die Christsozialen einen FW-Kandidaten nicht unterstützen wollen. Damit spielte er auf die Spannungen des vergangenen Jahres zwischen den Freien und der CSU an, als die FW Bürgermeister Bihler "Führungsstil nach Gutsherrenart" vorgeworfen hatte. "Das Klima hat sich seitdem nicht wirklich verbessert", hatte Mayer kritisiert. Da ist Guggenmoos ganz anderer Ansicht: "Otto Mayer kann es nicht lassen, Galle zu verspeien gegen die Freien Wähler und eine Zusammenarbeit kategorisch auszuschließen. Dabei hat die Zusammenarbeit im Gemeinderat unter den Fraktionen in den letzten Monaten funktioniert." Gerade beim REWE-Projekt habe sich dies gezeigt.
Das war auch der einzige Seitenhieb beim Stammtisch. Denn dort wurde zunächst diskutiert, was der Wertachmarkt so alles braucht und was man bisher aus FW-Sicht vermisst - wobei Guggenmoos ausdrücklich vorgab, dass man diese Betrachtung durchaus auch fantasievoll anstellen solle und sogar "etwas spinnen" dürfe. Schließlich soll aus dem Zusammengetragenen ein Wahlprogramm werden.
Themen waren denn auch der weitere Auftrieb des Handels in der Maximilian-Philipp-Straße, Anreize für den Zuzug junger Familien zu schaffen, Kindergärten und Schulen im Wertachmarkt zu sichern, ein vielfältiges Angebot an Arbeitsplätzen anzupeilen. Die öffentliche Hand solle bei Aufträgen mehr Einheimische berücksichtigen, wie auch die Bürger aufgefordert werden sollten, mehr vor Ort einzukaufen. Es solle sich in Türkheim ein Wir-Gefühl entwickeln. Gewerbegebiete sollten dort ausgewiesen werden, wo sie sinnvoll sind (an der Autobahn), ebenso wie Wohngebiete. Die Wertachauen solle man weiter pflegen, die Ostseite der Wertach naturbelassen lassen. Und man müsse sich die Grundsatzfrage stellen: Wie groß will Türkheim werden? Die Internetseite sollte professioneller werden mit besseren Suchfunktionen.
Weitere Themen waren: öffentlicher Nahverkehr, Städtepartnerschaften mit englisch, französisch, italienisch oder spanisch sprechenden Orten. Eine "vierte aufstrebende" Kraft haben die Freien im Wertachmarkt ausgemacht: die Grünen. Ihre Themen wie Naturschutz, Energiekonzept und Bio-Markt sollte man durchaus unterstützen.
Das Anforderungsprofil für einen Bürgermeister nach FW-Art: Absolut glaubwürdig soll er sein, team-, motivations- sowie kritikfähig; er soll Wege vorgeben, die Fäden in den Händen halten, Transparenz gegenüber den Bürgern pflegen. Kurzum, so am Stammtisch: "Er muss ein vernünftiger Mensch sein, der auf die Leute zugehen kann. Wir brauchen keinen speziellen Fachmann von irgendetwas. Er soll Ideen annehmen, einer sein, der vernetzen kann." Vor allem in Zeiten knapper Kassen müsse er Pflicht und Kür unterscheiden können, bei Investitionen auf Folgekosten achten. Kommentar eines Stammtischlers: "Das wird ein Mammutjob."
Keinen Zweifel ließen die Freien daran, dass sie einen eigenen Kandidaten aufstellen wollen. Guggenmoos: "Sollte jedoch irgendeine Fraktion mit einem Kandidaten (weiblich oder männlich) kommen, der für alle der Beste wäre, spräche nichts dagegen, dass sich die Freien diesem Kandidaten anschließen. Wir wollen schließlich das Beste für Türkheim herausholen." Es solle - auch im Gemeinderat - ein Miteinander sein, weshalb die Freien von keinem "Wahlkampf" sprechen wollen, sondern von einer "Wahlwerbung".
Namen für einen möglichen FW-Kandidaten wurden am Dienstagabend nicht genannt. Nur: Als man noch davon ausging, dass Bürgermeister Bihler heuer wieder antreten werde, hatten die Freien vor genau einem halben Jahr versichert, keinen Gegenkandidaten aufzustellen. Wörtlich hieß es damals: "Weder Otto Rinninger noch Franz Haugg noch Peter Senner werden kandidieren. Und heute? Gilt diese Aussage noch? Fraktionsvorsitzender Franz Haugg gegenüber der MZ: "Heute haben wir eine neue Situation. Alles ist offen."
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: