Die Mutter der heute 15-jährigen Caroline wendet sich ans Jugendamt. Sie hofft auf Hilfe im Umgang mit ihrer Tochter. Dort habe man sie nicht ernst genommen, sagt sie.
Eigentlich, sagt die Mutter, hat es mit ihrer Tochter Caroline (Name geändert) schon immer Probleme gegeben. Schon als sie drei Jahre alt war, sei sie wegen psychischer Auffälligkeiten mit ihr bei verschiedenen Ärzten gewesen, später dann bei der Erziehungsberatungsstelle, beim Schulpsychologen, beim Sozial-pädiatrischen Zentrum in Memmingen, bei der Ergotherapie und bei der Heilpädagogin. Sie habe einfach alles versucht, sogar selbst eine Therapie gemacht, doch gebracht habe das alles nichts: „Es hieß nur immer, dass ich ein Problem hätte.“
Die Mutter ist überzeugt, dass ihre Tochter unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und nicht erziehbar ist: „Sie reagiert weder auf Belohnung noch auf Strafe. Das hat noch nie funktioniert.“
Im Laufe der Jahre wird die Situation nicht besser: Caroline belügt und bestiehlt ihre Mutter, wird handgreiflich und reißt immer wieder von zu Hause aus. „Ich habe gesehen, dass dieser Karren in den Dreck fährt“, so die Mutter. Zumal sich Carolines jüngerer Bruder völlig normal entwickle: Er besuche das Gymnasium und sei sehr verantwortungsbewusst. „Ich kann glaube ich unterscheiden, wo’s Probleme gibt und wo nicht.“
In ihrer Verzweiflung bittet sie 2008 das Jugendamt um Hilfe. Dort allerdings habe man sie nicht ernst genommen, sondern mit dem lapidaren Hinweis abgewiesen: „Da gibt es Schlimmere.“ Später habe es sogar geheißen: „Solange Ihre Tochter nicht straffällig wird, können wir nichts machen.“ Als sie hartnäckig blieb, habe das Jugendamt schließlich veranlasst, dass ihre Tochter regelmäßig eine Heilpädagogin besucht. Doch auch hier sei sie als die „hysterische Alte“ abgestempelt worden, die die Schuld am Verhalten ihrer Tochter trage. „Dabei haben meine Tochter und ich grundsätzlich kein Problem miteinander.“
Um Caroline zu helfen, spricht die Mutter Anfang vergangenen Jahres mit einem Jugendamtsmitarbeiter darüber, sie in einer Klinik unterzubringen, in dem ihre Persönlichkeitsstörung psychiatrisch behandelt werden könnte. Das aber habe das Jugendamt entgegen der Empfehlung von behandelnden Therapeuten so lange abgelehnt, bis ihre Tochter ihr im Februar mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie die Polizei alarmiert habe. Daraufhin wird Caroline in einem Kinderheim untergebracht – wo die Lage aus Sicht der Mutter eskaliert: Caroline schwänzt die Schule, reißt tagelang aus und trifft sich mit einem mehrfach vorbestraften jungen Mann. Die Mutter dringt darauf, dass Caroline zur Verhütung die Drei-Monats-Spritze bekommt. Es sei bekannt gewesen, dass sie die Pille ausspucke. Als das Heim einen Termin beim Gynäkologen vereinbart, ist es bereits zu spät: Die 15-Jährige ist schwanger.
Zwischenzeitlich hat die Mutter ihre Tochter auf die Warteliste einer psychiatrischen Klinik setzen lassen. Als Caroline dort aufgenommen werden kann, ist das Mädchen wieder einmal verschwunden. Eine ganze Woche lang. Als die Polizei sie aufgreift, wird sie ins Heim zurückgebracht, wo sie sechs Tage isoliert in den abgeschlossenen Jugendschutzraum muss. Die Mutter spricht von einem Kellerverlies. Auf richterliche Anordnung hin wurde Caroline mittlerweile in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingewiesen.
„Endlich bekommt meine Tochter die Hilfe, die sie braucht“, sagt die Mutter. Sie betont, dass sie Caroline nicht abschieben, sondern ihr helfen wolle. „Meine Tochter hat Hilfe verdient. Sie hat sich das ja auch nicht selber ausgesucht.“ Dem Jugendamt macht sie schwere Vorwürfe: Es sei seiner erzieherischen Pflicht nicht nachgekommen und hätte ganz anders auf Caroline einwirken müssen, um sie beispielsweise rechtzeitig von der Drei-Monats-Spritze zu überzeugen. „Vielleicht hätte man uns viel Leid ersparen können und dem Steuerzahler Kosten, wenn man präventiv sinnvoll unterstützt hätte.“
So schildert das Jugendamt den Fall
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: