Sorge um Seelsorge auf dem Dorf Von Johann Stoll
Dirlewang Die Katholische Landvolkbewegung KLB im Dekanat Mindelheim ist alles andere als glücklich mit der Entscheidung des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa, künftig Zentralpfarreien zu schaffen. Der Vorsitzende Hans Mayer aus Dirlewang sagte, „wir bedauern, dass das gewachsene dezentrale Modell nicht einmal ernsthaft diskutiert worden ist“. Nur Pfarrer, Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen seien im Vorfeld eingebunden gewesen, „andere nicht“.
Als Katholische Landvolkbewegung von den Deutschen Bischöfen 1953 gegründet „gehören wir voll und ganz zur Kirche“, hatte Mayer bereits in einem Schreiben Mitte April 2011 an den Augsburger Bischof deutlich gemacht.
Mayer sorgt sich vor allem um die Seelsorge auf den Dörfern. Nach seiner Ansicht schwächt der Bischof die Rolle der Laien. Von diesen könnten sich einige enttäuscht abwenden. Gottesdiensthelfer würden nicht mehr benötigt. Kirchenchöre würden leiden. Auch stelle sich die Frage, wie die Gläubigen zu den Gottesdiensten kommen. „Wird es einen Kirchenbus geben?“
Auch auf die Vereine könne es Auswirkungen haben, wenn es kein intaktes religiöses Leben mehr auf den Dörfern gebe, glaubt Mayer. Ein Zentralsystem wie von der Leitung der Diözese angestrebt, lehnt er ab. „Das ist unsere Kirche, nicht nur die Kirche von Bischöfen und des Papstes“, sagt der Vorsitzende des Dekanats Mindelheim der KLB. Der Kurs widerspreche dem Geist der Kirche, wonach das Volk Gottes nicht nur aus Bischöfen und Pfarrern bestehe.
Der KLB-Vertreter erinnert an ein Wort des Philosophen Ernst Jünger. „Verlassene Altäre bleiben nicht leer“, hatte dieser geschrieben. Wenn es keinen Gottesdienst mehr gebe, „verödet ein Dorf mehr und mehr“. Die kulturelle Identität gehe verloren. Sekten könnten die Lücke füllen, fürchtet Hans Mayer.
Wenn nicht mehr genügend Priester die Aufgabe übernehmen können, sollten engagierte Laien mithelfen. Mayer hält es für unabdingbar, dass es in jedem Dorf einen „sichtbaren Ansprechpartner in Glaubensdingen“ geben müsse. Mayer setzt auf Menschen, die sagen, „Kirche ist mir wichtig“. Er stellt sich eine Auffangbewegung vor, die die Dörfer nicht allein lasse.
Anfänge sind bereits gemacht. Im Unterallgäu läuft seit einem Jahr das Modellprojekt „Kommune und Kirche“, das aus Mitteln des Landwirtschaftsministeriums, der Europäischen Union sowie von Pfarreien und politischen Gemeinden gespeist wird. 202 000 Euro stehen dafür zur Verfügung. In 40 Basistreffen sei bereits erarbeitet worden, wie Kirche und Dorf enger zusammenarbeiten können. Konkret soll es in allen beteiligten Gemeinden ein jährlich stattfindendes Sozialgespräch geben. Gemeinderäte und Vertreter der Kirche wollen sich austauschen und zusammenarbeiten. Nach den jüngsten Weichenstellungen aus Augsburg sei dieses Projekt dringlicher denn je. Das sehe nicht nur er so, sondern auch die Zentralstelle für ländliche Entwicklung des Landwirtschaftsministeriums.
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