Bauern aus dem Unterallgäu beklagen, dass immer mehr Gemüse und Blumen gestohlen werden. Die Strafen dafür können hoch sein. Von Manuela Antosch

Supermarkt und Gemüsefeld: Für viele Verbraucher ist da anscheinend ein Unterschied: Im Laden muss man zahlen, auf dem Acker kann man sich einfach so bedienen. Im Geschäft würden die meisten wohl nie auf die Idee kommen, einfach so zuzugreifen. Auf den Äckern und Feldern in der Region ist das dagegen üblich. Bauern und Gärtner beklagen, dass Gemüse- und Blumendiebstähle zunehmen.
„Die Leute sind richtig unverschämt“, sagt Christian Müller aus dem Ettringer Ortsteil Aletshofen. „Die meinen, das ist ein Selbstbedienungsladen und nehmen alles mit.“ Am schlimmsten sei es bei den Kürbissen: „Die liegen auf der Erde, da muss man sich nicht mal die Hände dreckig machen.“
Er hat schon mehrmals Leute auf seinem Feld erwischt. „Aber die lassen das Gemüse dann fallen und tun so, als ob nichts wäre.“ Oft habe er schon gehört: „Ihr Bauern habt doch eh so viel davon.“ Wie viel Arbeit dahinter stecke, das wüssten viele gar nicht. Müller hat sich jetzt vorgenommen: Wenn er jemanden mit seinem Gemüse im Auto oder Fahrrad erwischt, dann geht er zur Polizei.
Das hat die Familie Knaus aus Mussenhausen schon getan. Im vergangenen Jahr hat sie einen Mann gestellt, der auf ihrem Feld drei Krautköpfe, drei Kugelrettiche und fünf Rote Rüben geklaut hat. Sie rief die Polizei. Weil der Mann für seine Ernte ein Messer verwendet hatte, lautete die Anklage vor Gericht „Diebstahl mit Waffen“.
Der Schaden betrug etwa acht Euro, der Täter wurde im Februar in Memmingen zu einer Strafe von 3900 Euro verurteilt. Weil dieser Gerichtsbericht auch in unserer Zeitung stand, glaubt Marianne Knaus, dass der Fall abgeschreckt hat – heuer hat sie nämlich noch keinen Gemüsediebstahl entdeckt. „Dass wir den erwischt haben, war Zufall“, sagt sie. „Dafür müsste man sich ja richtig auf die Lauer legen.“
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