Dienstag, 28. März 2017

05. Dezember 2014 00:34 Uhr

NS-Opfer

Ein Stolperstein für Jakob Grünwald

Neben Familie Liebschütz soll nun auch an das Schicksal des Mindelheimer Kommunisten erinnert werden. Der Arbeiter kam 1943 im Konzentrationslager Neuengamme ums Leben

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Erkennungsdienstliche Fotos von Jakob Grünwald, aufgenommen im Jahr 1938. Der Arbeiter aus Mindelheim war Kommunist und wurde wegen seiner Gesinnung von den Nationalsozialisten in Haft genommen. Die Bilder wurden dem Buch „Mindelheim im 20. Jahrhundert“ von Berndt Michael Linker entnommen.

Kaum saßen im März 1933 die Nationalsozialisten im Sattel, setzte im ganzen Dritten Reich eine Verhaftungswelle ein. In Mindelheim waren am Freitag, 10. März 1933 die beiden Kommunisten Hans Miller und Jakob Grünwald unter den ersten Opfern. Während Miller die Diktatur überlebte und 1946 voll rehabilitiert wurde, starb Grünwald am 6. August 1943 an den unmenschlichen Haftbedingungen im Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg. Die Stadt Mindelheim will nun auch für Grünwald einen sogenannten Stolperstein setzen lassen, der an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Eine Cousine von Jakob Grünwald hatte sich an Berndt Michael Linker gewandt und sich für dessen Beitrag über ihren Onkel bedankt. Linker hatte in seiner umfassenden Chronik Mindelheim im 20. Jahrhundert das Schicksal von Jakob Grünwald beschrieben.

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Im Mai sollen die ersten Steine gesetzt werden

Die Stadt hat das Anliegen, für Grünwald einen Gedenkstein zu setzen, sofort aufgegriffen, wie Bürgermeister Stephan Winter bestätigte. Der Stadtrat hatte sich im Februar auf drei Stolpersteine verständigt, die der Kölner Künstler Gunter Demnig im Mai 2015 in Mindelheim setzen möchte.

Gedacht werden soll der drei jüdischen Mitbürger Jakob, Fanny und Werner Liebschütz. Während die beiden Erstgenannten in einem Konzentrationslager starben, konnte Werner Liebschütz in die USA fliehen.

Diese drei Steine werden vor dem Haus gesetzt, in dem die Opfer zuletzt frei gelebt hatten. Im Fall der Familie Liebschütz ist das der Marienplatz vor dem Geschäft Gonser.

Insgesamt 42 500 solche Stolpersteine erinnern inzwischen schon in 15 europäischen Ländern an die Opfer der Nationalsozialisten.

Das Schicksal von Jakob Grünwald hat Berndt Michael Linker in seiner umfassenden Chronik Mindelheims im 20. Jahrhundert beschrieben, die heuer erschienen ist. Grünwald war 1903 in Mindelheim geboren worden und hat später Sattler und Tapeziermeister gelernt. 18 Mindelheimer waren als Kommunisten bekannt.

Mit Hans Miller gehörte Grünwald zu den Symathisanten der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands. Nachdem Grünwald von März bis Mai 1933 in sogenannte Schutzhaft genommen worden war, kam er wieder frei und fand Arbeit bei der Memminger Firma Hebel im Straßenbau. Grünwald war als Hilfsarbeiter dabei, als die neue Reichsstraße von Mindelheim nach Memmingen gebaut wurde. Sie wurde über den Burgberg geführt.

Am 25. November 1936 wurde Grünwald mit einer Gruppe Gleichgesinnter von der Arbeitsstelle weg verhaftet. Der Vorwurf: Propaganda gegen das NS-Regime. Grünwald und Miller wurden wegen staatsfeindlicher Umtriebe strengstens bestraft.

Wie Berndt Michael Linker schreibt, musste Grünwald im Polizeigefängnis Stadelheim ein Jahr lang auf seinen Prozess warten. Während dieser Zeit durfte ihn seine kleine Tochter nur einmal besuchen. Sie sah ihn dort zum letzten Mal. Am 22. Dezember 1937 verurteilte ihn der 1. Strafsenat des Oberlandgerichts München zu vier Jahren Zuchthaus, wobei das eine Jahr Untersuchungshaft angerechnet wurde.

Im KZ Börgermoor im Emsland war Grünwald bei der Trockenlegung von Mooren eingesetzt. Gnadengesuche waren abgelehnt worden. Eigentlich hätte Grünwald am 22. Dezember 1940 wieder freikommen müssen.

Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, hatte aber längst entschieden, dass Kommunisten in Schutzhaft bleiben sollten. Konkret bedeutete das Einweisung in ein Konzentrationslager der SS auf unbegrenzte Zeit. Im KZ Neuengamme wurde Jakob Grünwald unter der Häftlingsnummer 8922 registriert.

Am 6. August 1943 starb der Mindelheimer geschwächt. Offizielle Todesursache: Lungenentzündung. Der Leichnam wurde im Krematorium des KZ verbrannt.

Grünwald hatte mit dem Großvater in der Gerberstraße 21 eine Wohnung mit drei Zimmern und Küche. Vor diesem Gebäude soll der Stolperstein mit seinem Namen, Todestag und Todesort gesetzt werden. Jakob Grünwald ist nach dem Krieg als Opfer des Nationalsozialismus rehabilitiert worden. Seiner Witwe und seiner Tochter war das nur ein geringer Trost. Aber eine Genugtuung war es gleichwohl.

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Ein Artikel von
Johann Stoll

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter, Stadt Mindelheim

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