Mindelheim Sie wurden bekannt als "Angeli de Fango", Schlammengel. Wenn Werner Doll heute an seinen sechswöchigen Aufenthalt in Florenz denkt, dann fällt ihm als Erstes genau das ein, Schlamm. Der damals 22-Jährige war einer von 1000 Jugendlichen, die freiwillig zu einem Hilfseinsatz nach der Arno-Flut im November 1966 nach Italien fuhren. "Das war eine Wahnsinnszeit damals, in der ich viel gelernt habe", sagt Werner Doll heute schwärmerisch. Zusammen mit zwei Freunden, wie Doll aus Mindelheim stammend, meldete er sich bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD), die den Hilfseinsatz seinerzeit organisierten. Dafür hatten sich Doll und seine beiden Freunde extra Urlaub genommen. Bezahlt wurden sie für den Hilfseinsatz nicht. Von Sebastian Hofmann


"Von München aus fuhren wir mit einem Sonderzug nach Florenz. Der Zug hatte vorher schon in Berlin und Hamburg gehalten und die unterschiedlichsten Leute mitgenommen." Sehr interessant sei für ihn gewesen, Jugendliche aus anderen Ländern zu treffen. "Da waren nämlich auch Polen und Russen. Wir haben uns zwar sprachlich nicht verständigen können, dafür aber mit Händen und Füßen recht lustige Gespräche geführt", scherzt Doll.
Alle Nationen seien damals in Florenz vertreten gewesen. Doll: "Mit den Italienern war das anfangs schon so eine Sache. Es hat rund drei Tage gedauert, bis das Eis gebrochen war." Danach ist für Werner Doll und seine Kameraden alles wunderbar verlaufen. Sie waren in verschiedenen Gastfamilien untergebracht und konnten den ganzen Tag nach eigener Façon arbeiten. "Da gab es niemanden, der uns angetrieben hat. Wir konnten so machen, wie wir wollten." Und das haben die Jugendlichen auch, von früh bis spät, bis sie keine Lust mehr hatten oder nicht mehr konnten. Die Arbeit war freilich hart. "Wir hatten kein Werkzeug außer Schaufeln und Säcken." Die Säcke wurden mit dem Schlamm, den die Überschwemmung zurückgelassen hatte, gefüllt und abtransportiert. "Klar mussten wir auch den ein oder anderen Toten bergen, das war sehr unangenehm." Dazu hatten die Jugendlichen auch Unterstützung von Polizei, Carabinieri und Militär. Auch für die Infrastruktur haben die Jugendlichen geschuftet. Innerhalb weniger Wochen bauten sie viele Fertighäuser auf, die den obdachlos gewordenen Familien als neues Heim dienen sollten.
In diesen sechs Wochen war nicht ausschließlich arbeiten angesagt. "Am Sonntag durften wir gar nichts tun, das war den Italienern sehr wichtig. Dann haben wir uns die Umgebung angesehen und haben Sehenswürdigkeiten besucht", sagt Doll. All das sei für die jugendlichen Helfer umsonst gewesen. "Wir waren auch viel mit unseren Gastgebern zusammen, und obwohl wir uns schlecht verständigen konnten, hatten wir viel Spaß." Noch heute ist Doll, der in Florenz zu einem "Angelo de Fango" wurde, ein Freund Italiens. "Es war ein Abenteuer, das ich nie vergessen werde."
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