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25. Januar 2009 18:20 Uhr

Ein rotes Herz für jeden verschwundenen Papagei

"Wir wollen unsere Vögel zurück! Wir wollen unsere Vögel zurück!" 20 Frauen und Männer stehen an der Durchgangsstraße, die irgendwo in der Nähe von Mindelheim liegt. Teilweise mehrere Hundert Kilometer sind sie angereist zu dieser Demonstration im Unterallgäu, die einem kleinen unscheinbaren Häuschen gilt.

Niemand zeigt sich auf dem Gelände, einige Rollos sind geschlossen. Mindelheims Polizeichef Karl Höß, der die etwa einstündige Kundgebung überwacht, sagt, Hannelore H. habe von der geplanten Demonstration im Vorfeld erfahren. Sie hat es vorgezogen, sich lieber nicht sehen zu lassen.

Ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks filmt das Geschehen, ein Videojournalist der Mindelheimer Zeitung ist vor Ort. Jeder der Demonstranten hat ein Täfelchen dabei, auf denen Papageien abgebildet sind, die Santo, Jonny oder Simmi heißen. Santo und Jonny werden vermisst, Simmi ist in dem Haus gestorben. Auf einem Schild steht "Ich hab¿ das Allgäu überlebt".

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Tränen fließen, einige umarmen sich. Fast scheint es, als wohne man einer Trauerfeier bei, auf der von einem lieben Familienmitglied für immer Abschied genommen wird. Es ist Samstagnachmittag, und soeben haben die 20 Frauen und Männer, die aus der halben Republik angereist sind, 20 rote herzförmige Luftballons in den weißblauen Himmel aufsteigen lassen. Jeder Luftballon steht für einen Papagei - einen verschwundenen Papagei. Der Schmerz, sein eigenes Kind verloren zu haben, könnte kaum größer sein. Was war passiert? Papageienhalter von Nord bis Süd, von West bis Ost, waren übers Internet auf die Papageienauffangstation aufmerksam geworden, die Hannelore H. (Name von der Redaktion geändert) vor ein paar Jahren im Unterallgäu aufgemacht hat. Ihre Idee war bestechend: Papageien, die in Einzelhaltung zu Depressionen neigen, sollten in der Auffangstation ihr privates Glück finden, um dann wieder zu Frauchen und Herrchen zurückzukehren.

Dazu kam es aber in Dutzenden von Fällen nicht. Viele Tiere blieben spurlos verschwunden. Hannelore H. (35) hat die Vögel weitergegeben, sagen die Demonstranten, offenbar ins Ausland. Ob sie die wertvollen Papageien, die 600 Euro und mehr kosten, verkauft hat oder nur vorübergehend in Pension geben wollte, prüft die Polizei. Die Ermittler beziffern den Sachschaden auf 20 000 Euro. Aber darum geht es den Demonstranten nur am Rande. Sie wollen ihre geliebten Vögel wiederhaben, mit denen sie teilweise schon seit mehr als 20 Jahren zusammenleben.

Dabei seien die ersten Eindrücke von Hannelore H. gut gewesen, erzählen die Demonstranten. Vor allem der Internet-Auftritt hat viele schnell Vertrauen fassen lassen. Beim persönlichen Kennenlernen habe sie sehr nett und kompetent gewirkt.

Kai Kriebel aus Gersthofen bei Augsburg sagt, grundsätzlich sei es richtig, was Hannelore H. angeboten hat. Einzelhaltung sei für Papageien falsch, sagt Kriebel, der beim Tierheim Augsburg ehrenamtlich mitarbeitet. "Ich war lange Zeit überzeugt, dass sie das gut macht".

Heute ist er das nicht mehr. Wolfgang Gaßner aus dem Landkreis Pfaffenhofen ist besonders erbost. Seine Simmi starb bei Hannelore H. Zurück bekam er aber einen anderen Vogel, dem der Ring von Simmi übergestreift worden war, sagt er. Dem Landratsamt Unterallgäu hält er vor, die Person zu wenig überprüft zu haben.

Landrat Hans-Joachim Weirather hat auf die Kritik schriftlich geantwortet. Er habe den Eindruck, dass Hannelore H. ihre Auffangstation in guter Absicht betrieben habe. Weirather räumt in dem Brief aber ein, dass die Mitarbeiter im Veterinäramt bei speziellen Fragestellungen zur Vogelhaltung fachlich überfordert seien. Dies sei nicht Gegenstand eines Tiermedizinstudiums.

Suchdienst im Internet eingerichtet

Gaßner hält freilich entgegen, dass dann die Erlaubnis zum Betreiben der Auffangstation nicht vom Landratsamt hätte erteilt werden dürfen.

Wie viele Papageien tatsächlich vermisst werden, ist offenbar noch nicht abschließend geklärt. Zu weit verzweigt war der Kundenkreis. Liane Theuerkauf aus Fürstenfeldbruck und Bianca Durek aus Emendingen (Baden) setzen dabei aufs Internet. Wer seinen Papagei im Unterallgäu abgegeben und nicht mehr zurückerhalten hat, soll sich unter der Mailadresse papageiensuchdienst@t-online.de melden.

Bei uns im Internet

Ein Video von der Demonstration vom Samstag finden Sie auf unserer Homepage unter www.mindelheimer-zeitung.de/video

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