Dienstag, 16. Januar 2018

12. Januar 2018 12:57 Uhr

Ambulante Kneippkur

Eine Doktorarbeit mit Überraschung

Patienten und Ärzte sind sich in der Beurteilung des Kurerfolges einig. Junger Kurarzt hat Anregungen zur Verbesserung der Fragebögen

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Die ambulante Kneippkur bringt Erfolge. Und diese Erfolge kann man sogar messen. Mit Fragebögen tut man das, die der jeweilige Patient ausfüllt. Der junge Allgemeinmediziner und Kurarzt Dr. Matthias Leuchtgens hat in einer Doktorarbeit zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München den Sinn solcher Fragebögen hinterfragt und sie mit der Beurteilung durch den Arzt beim jeweiligen Patienten verglichen. Er machte dabei eine überraschende Entdeckung.

Matthias Leuchtgens ist seit drei Jahren Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Kurarzt in der Kurstadt. Er hat im April 2014 die Praxis von Dr. Albus übernommen - nicht mehr selbstverständlich heutzutage, dass sich ein junger Mediziner für eine solche Praxisübernahme entscheidet - und sich darüberhinaus noch den fünf Säulen Kneipps verschreibt.

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Doch für den 35-Jährigen selbst war dieser Weg eigentlich schon seit seiner Kindheit vorgezeichnet: geboren wurde er zwar in München, groß geworden ist er aber in Bad Wörishofen, wo sein Vater ebenfalls als Arzt und Kurarzt tätig ist. Wassertretbecken, Kneipp-Anwendungen, Kursprechstunden - all das bekam er schon in jungen Jahren mit.

Nach dem Gymnasium in Türkheim folgte das Medizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und zwischen 2006 und 2008 ein USA-Aufenthalt mit dem US-Staatsexamen sowie danach ein Fernstudium „Gesundheitsökonomie für Mediziner“ an der FH Riedlingen, Abschluss Betriebswirt.

Das praktische Jahr war ausgefüllt mit Herz-Thorax-Chirurgie an der Universitätsklinikum Jena sowie in Innerer Medizin in der Zentralen Notaufnahme dieser Klinik. Wahlfach war Gynäkologie und Geburtshilfe. Es folgten Fort- und Weiterbildungen unter anderem in Amerika. Seine Doktorarbeit steht unter dem Thema: „Zur Methodik von Kurerfolgsbeurteilungen am Beispiel ambulanter Kneippkuren in Bad Wörishofen“.

Hierzu war unter anderem Vater Dr. Heinz Leuchtgens Ideengeber. Denn der hatte zuvor an einer großen Studie mitgearbeitet, die unter anderem von Prof. Dr. Dr. Jürgen Kleinschmidt durchgeführt wurde, dem jetzigen Doktorvater von Matthias Leuchtgens. Das Projekt stand unter dem Titel „Patientenbezogene wissenschaftliche Ergebnisdokumentation für ambulante Kurpatienten in bayerischen Heilbädern“. Mithilfe von Fragebögen internationalen Standards sollten die Erfolge von Kurpatienten gemessen und dokumentiert werden. 897 Patienten mit unterschiedlichen Diagnosen nahmen daran teil, darunter 256 aus Bad Wörishofen. An der Aufarbeitung und Auswertung der Fragebögen war der junge Doktorand beteiligt gewesen. Schon damals hatte sich gezeigt, dass sich die Kurerfolge sehr wohl mit Hilfe von Fragebögen beweisen lassen.

Die Doktorarbeit von Matthias Leuchtgens geht einen Schritt weiter: Sie bezieht sich nicht nur auf die Auswertung der Fragebögen der Patienten sondern vergleicht die Patientenaussagen mit den Untersuchungsergebnissen des Arztes zum betreffenden Patienten. Und weil dies für die Gesamtheit zu umfassend wäre begrenzt Leuchtgens diese Auswertung auf die Erfolgsbewertung von Herz-/Kreislaufpatienten. 41 waren dies, alle aus der Praxis seines Vaters. Somit konnte er bestens die Patientenfragebögen mit der ärztlichen Dokumentation vergleichen.

Und siehe da: Für alle Patienten ergaben sich positive Veränderungen in allen Bewertungskategorien. Ein Beispiel: Verglichen zwischen Kurende und Kuranfang zeigte sich bei 58 Prozent der 41 Patienten eine Verbesserung für den „emotionalen Stress“, bei 68 Prozent für „Lebenszufriedenheit“ und bei 45 Prozent für „physische Aktivität“. Insgesamt ergaben sich bei 62 Prozent der Kurpatienten eine „Gesamtverbesserung“ im Vergleich zum Kurbeginn.

Und wie sah die kurärztliche Beurteilung aus? 76 Prozent hatten eine mindestens „gute Verbesserung“, 37 Prozent sogar ein „sehr gutes“ Resultat. In wesentlichen Punkten gab es eine Übereinstimmung mit den persönlichen Patientenurteilen.

Ausgewertet wurde auch ein so genannter Zufriedenheitsfragebogen. Und da gaben alle 41 Patienten eine positive Bewertung zu ihrer ambulanten Kur in Bad Wörishofen und der Erfüllung ihrer Erwartungen ab. Vor allem stimmten sie zu, den Kurort weiterempfehlen zu wollen und wieder zurückzukommen, wenn sie ähnliche Hilfe brauchen.

Sind nun Fragebögen geeignete Messinstrumente für eine ambulante Kur? Diese Kernfrage seiner Doktorarbeit beantwortet Matthias Leuchtgens mit einem Ja - aber. Grundsätzlich sei es zwar schwerer, eine Kur nach Kneipp zu bemessen, da sie ja schließlich ganzheitlich, sehr individuell und komplex ist. Die Wirkungsweise eines Medikaments ist da schon wesentlich einfacher nachzuweisen. Doch möglich sei dies.

Allerdings regt Leuchtgens an, dass speziell auf die Kneippkur zugeschnittene Fragebögen hilfreicher sein können.

Die gibt es bislang in der Form nicht, weder national noch international. Leuchtgens: „Aber man kann mit der bisherigen Methodik durchaus leben, da sie eine große Übereinstimmung zwischen dem individuellen subjektiven Patientenurteil und dem Urteil des erfahrenen Kurarztes ergeben hat.“

Leuchtgens rät, generell die Kneippkur noch mehr zu erforschen, noch mehr Daten zu sammeln mit Hilfe besserer und speziellerer Fragebögen um so die Wirksamkeit der Kneippkur mit harten Fakten untermauern zu können: „Das ist notwendig, vor allem nach den Kriterien, die vom Gesundheitswesen gefordert werden. Einfach ist das sicher nicht, da die Kneippkur sehr komplex ist. Doch es lohnt sich.“

Und Leuchtgens regt einen „nachkurliche“ Beurteilung an, in die der Hausarzt vor Ort eingebunden werden sollte: „Ein größerer Einblick in die Wirkungen von ambulanten Therapiekonzepten wie die Kneippkur ließe sich durch eine Ergänzung der Kurarztbefunde durch zusätzliche „harte Daten“ im Sinne von Hausarztbefunden (vor und nach der Kur) gewinnen. Denkbar wäre hier auch eine hausärztliche Bewertung des Kurerfolgs seiner Patienten zu einem definierten Zeitpunkt nach der Kur. Diese könnte in zukünftigen Projekten anschließend mit der Kurerfolgsbeurteilung durch den Kurarzt verglichen werden.“

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