Mindelheim/Bad Wörishofen Josef Killisperger steht mitten im Leben. Er ist 52 Jahre alt, glücklich verheiratet und Vater von drei Kindern. Sein Geld verdient er als Diplom-Betriebswirt bei einer Steuerberatungsgesellschaft in Bad Wörishofen. Die "sehr, sehr solide Grundlage" für ein erfolgreiches Leben hat er im Maristeninternat in Mindelheim bekommen.
Von 1969 bis 1974 war Killisperger Schüler des Maristeninternats in Mindelheim. Er hat diese Jahre im Unterschied zu einem Schüler aus den 80er Jahren als Segen empfunden. Von einem "System von Gewalt und Erniedrigung" hatte dagegen der Mann aus dem benachbarten Landkreis Günzburg in der MZ berichtet. Gewalt sei an der damaligen Einrichtung Methode gewesen.
Diese Darstellung ruft bei Killisperger Widerspruch hervor. Der Ruf von Maristenkolleg wie -internat sei in den 60er und 70er Jahren hervorragend gewesen. Deshalb hätten ihn seine Eltern auch ins Internat gegeben. "Ich bin ihnen heute noch dafür dankbar", sagt der 52-Jährige, der mit seiner Familie in Schöneschach lebt. Seine Eltern waren als Gastwirte zeitlich sehr beansprucht. Sie wollten aber, dass ihr Sohn eine gute Ausbildung erhält. Für Josef Killisperger sollte es eine gute Wahl gewesen sein.
Dass es am Maristeninternat in Mindelheim ein System aus Druck gegeben habe, "das kann ich nicht bestätigen". Die Fratres hat er als verständnisvolle Pädagogen in Erinnerung, die "väterlich und milde" gewesen seien. Den Tagesablauf habe er nicht als Drill empfunden, er habe sich vielmehr logisch erschlossen. Bei so vielen Kindern seien feste Mittagszeiten unerlässlich.
Peter Wachter aus Frankenhofen war von 1979 bis 1985 Internatsschüler in Mindelheim. Auch er hat diese Zeit in guter Erinnerung. "Von wegen ein System aus Gewalt und Erniedrigung", bricht er eine Lanze fürs Internat. Ihm sei nie Gewalt angetan worden, geschweige denn habe er gehungert. "Wir hatten einen Kühlschrank im Speisesaal". Dort konnten mitgebrachte Speisen deponiert werden. Weggenommen worden sei nie etwas.
Dass das Maristeninternat jetzt im Zuge der landauf landab bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in die Schlagzeilen geraten ist, bedauert Josef Killisperger. Er will nicht missverstanden werden. Die einzelnen Fälle von Missbrauch, die es offenbar gegeben hat, müssten aufgeklärt werden. Er warnt aber davor, das Internat in Bausch und Bogen zu verurteilen. Für viele Kinder sei ein Internat eine gute Möglichkeit, aufs Leben gut vorbereitet zu werden.
Natürlich sei auch er nicht von allem hellauf begeistert gewesen. Die zweimal wöchentlich vorgeschriebenen Kirchgänge hätten ihm nicht immer Spaß bereitet. Heute freilich ist er froh, dass ihm ein religiöses Weltbild vermittelt wurde. "Ich bin überzeugter Christ und versuche nach den religiösen Grundsätzen zu leben", sagt der Familienvater, der jeden Sonntag die Heilige Messe besucht und als Kommunionhelfer aktiv in St. Justina in Bad Wörishofen mitwirkt. (jsto)
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