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23. Mai 2009 05:18 Uhr

Einfach nur nachdenken ...

Mindelheim "Philosophieren - kann man das lernen?" Für Professor Hans Maier ist dies keine Frage. "Einfach nur nachdenken", rät er, "und schon klappt es". Anlass für den Besuch des ehemaligen bayerischen Kultusministers in der Frundsbergstadt war die feierliche Verleihung des ersten Mindelheimer Philosophiepreises an Dr. Stephen Law. Der britische Gelehrte hatte mit seinem flott und frech geschriebenen Buch "Warum die Kreter lügen, wenn sie die Wahrheit sagen" exakt den Nerv der Jury getroffen. Stadt und Kulturamt messen der mit 5000 Euro dotierten Auszeichnung eine wichtige Bedeutung zu. Soll er doch Jugendliche an die Philosophie heranführen und sie dafür begeistern. Von franz issing

Einfach nur nachdenken ...
Foto: ALFA

Junge Menschen wollen oft mehr als Party, Unterhaltung und Spaß. Sie wollen auch wissen, wo es mit ihnen und ihrer Welt langgeht. Dafür kann ihnen der Philosophiepreis wegweisend sein. Die Idee für das "jüngste und gemeinsame Kind" von Stadt und Maristenkolleg hatte Religionslehrer Hubertus Stelzer. Bis zur Geburt vor einem Jahr war es nur ein kleiner Schritt, zumal die Absolventen der Klassen 11 und 12 des Gymnasiums das "Baby" begeistert schaukelten und es hegten und pflegten.

Der Weg des Preisgerichts - sieben Schülerinnen und Schüler stellten sich dafür zur Verfügung - war mit etwa 150 Büchern gepflastert, "die wir über Monate sichten, lesen und bewerten mussten", berichteten Alexandra Dressler und Susanne Hehr zu Beginn des Festaktes im Silvestersaal. "Das Buch von Dr. Stephen Law hat uns alle angesprochen, es ist wie geschaffen für einen Philosophiepreis", meinten die beiden Jurorinnen.

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Heiterkeit und Musik

Und weil Philosophie auch etwas mit Heiterkeit und Musik zu tun hat, wurde den zahlreichen Ehrengästen - man sah alle Leute die in Mindelheim und Umgebung Rang und Namen haben - zum Entree eine musikalische Soiree spendiert, die sich als Konzertereignis entpuppte, wie es Mindelheimer Klassikfans nur selten zu hören bekommen. Der armenische Cellist und Rostropowitsch-Schüler David Grigorian und die ukrainische Pianistin Ludmilla Lissovaja bestachen mit Werken von Schubert, Mozart und Tschaikowski. Sie spielten die "Spanische Serenade" von A. Glasunow , ließen die "Hummeln" von R. Rimski-Korsakow fliegen und spielten technisch perfekt das "Adagio mit Variationen" von O. Respighi. Echte musikalische Leckerbissen auch das "Adagio" von Prokofjew und die "Vocalise" von S. Rachmaninow.

Begeistert äußerte sich auch Weihbischof Anton Losinger. Für den Augsburger Oberhirten ist die "Initiative Philosophiepreis" ein "bedeutender Schritt, der junge Menschen aus der Orientierungslosigkeit führen kann". Losinger zitierte Friedrich Nietzsche, den ein Leben lang und noch im Sterben die Weisheit bewegt habe. "Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie". "Nie mit dem Denken und Fragen aufhören", mahnte der Bischof. "Wer aufhört zu fragen, bekommt keine Antworten mehr und wird zum Looser". Nach den geistigen, die leiblichen Genüsse. Sie warteten im Pfarrgarten von St. Stephan auf Preisträger und Gäste.

Trompeten kündeten im Sommerrefektorium des Heilig-Kreuz-Klosters den Höhepunkt des Programms an: Preisverleihung und Laudatio. Diese geriet zu einer Vorlesung, zu einem Programm der Kontraste. Da formulierte Professor Hans Maier: "Beim Philosophieren muss man nur unverdrossen in alle Richtungen fragen und auch Selbstverständliches in Frage stellen". Mit diesen Eigenschaften ausgerüstet könne sich jeder auf den Weg der Philosophie machen. Philosophieren, so der Laudator sei keine Kunst und bedürfe keiner Schulung. Das sei leicht mit ein wenig Mut, mit Intelligenz und Beharrlichkeit zu schaffen. "Nichts auf sich beruhen lassen, auf Klärung beharren und wenn nötig widersprechen", lautete seine Botschaft.

Überall daheim

Mit solchen Thesen lieferte der ehemalige Kultusminister Bürgermeister Dr. Stephan Winter eine Steilvorlage. Der nahm den Ball geschickt auf und rühmte Preisträger Stephen Law "einen Philosophen, der sich im abgeschirmten Raum des Hörsaales wie auf dem breiten Feld der menschlichen Kommunikation, auf dem literarischen und virtuellen Marktplatz gleichermaßen geschickt zu bewegen weiß".

Preisträger Law bescheinigte in seiner Dankesrede auf die feine, englische Art der Stadt Mindelheim und dem Maristenkolleg, ein für junge Menschen zukunftsweisendes Projekt geschaffen zu haben und sprach von einem "weltweit einmaligen Ereignis". Begeistert rief der britische Gelehrte aus: "Ich bin ein Mindelheimer".

Der Festakt mit Preisübergabe mündete in eine furiose Show aus Licht und Feuer auf dem Mindel-heimer Kirchplatz. Musikalisch begleitet wurde das "zündende Spektakel" von der Big Band des Maristenkollegs.

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