Landkreis Simmi brachte die Geschichte ins Rollen, die die Polizei und die Veterinärbehörden nun schon seit Monaten in Atem hält. Simmi, ein 17 Jahre altes Graupapageienmädchen, war von seinem Frauchen über Monate in eine Auffangstation für Papageien in die Nähe von Mindelheim gegeben worden. Dort sollte Simmi ihren Märchenprinzen finden. Von Johann Stoll

Die Betreiberin der Anlage, eine 35-jährige Mutter von vier Kindern, hatte seit 2007/08 in einschlägigen Medien ihre Papageienauffangstation und die Vermittlung von passenden Partnervögeln beworben. Dieser Service wurde laut Polizeipräsidium Süd/West in Kempten von etlichen Vogelhaltern aus dem Großraum Augsburg, Günzburg, Nürnberg, Baden-Württemberg und sogar bis aus Berlin genutzt.
Bei Simmi freilich kam es zu einem tragischen Zwischenfall. Der Papagei verstarb in der Station. Woran, ist unklar. Die 35-jährige Betreiberin der Station vermutet Altersschwäche. Statt aber die Familie zu verständigen, legte die Betreiberin den Kadaver in den Gefrierschrank. Gegenüber der MZ sagte sie, sie habe dies deshalb getan, weil die Todesursache nicht eindeutig geklärt werden konnte. Der Kadaver habe also der Beweissicherung gedient. Sie habe es auch nicht übers Herz gebracht, der Besitzerfamilie von Simmi die traurige Wahrheit zu sagen. Zurück gab sie Monate später einen sehr ähnlich aussehenden Papagei mit der Ringkennung von Simmi.
Als die Polizei von diesem Fall im September 2008 Kenntnis erlangt hatte, begann sie mit ihren Ermittlungen. Dabei stellte sich heraus, dass die Unterallgäuerin rund 40 Tiere weitergegeben hatte. Derzeit sind der Polizei 25 Geschädigte bekannt. Ein Großteil der Tiere, die einen Wert von jeweils 400 bis 2000 Euro haben, ging zum Teil ins Ausland. Nähere Informationen wollte die Polizei mit Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht geben. Die 35-Jährige sieht sich als Opfer einer üblen Kampagne, die im Internet gegen sie losgetreten worden sei. Nonstop sei sie angezeigt worden, sie würde die Tiere falsch halten. Die Behörden hätten aber nie gravierende Verstöße festgestellt.
Das bestätigt Dr. Christine Schramme vom Mindelheimer Veterinäramt. "Wir waren mehrfach dort, einmal sogar mit einer Spezialeinheit des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit". Der eine oder andere Mangel sei zwar festgestellt worden. Nie jedoch seien diese so gravierend gewesen, dass die Station hätte geschlossen werden müssen. In Internetforen wurden in der Folge dann auch die Behörden für ihr angebliches Nichttätigwerden kritisiert. Die Papageienhalterin sagt, der psychische Druck habe bei ihr dazu geführt, dass sie für zwei Monate in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden musste. Ihre vier Kinder im Alter bis 14 Jahre leben seither in einem Heim.
Aufgrund der polizeilichen Ermittlungen konnten bereits fünf der unterschlagenen Tiere ausfindig gemacht werden und an ihre Besitzer zurückgegeben werden. Die 35-Jährige unterstützt zwischenzeitlich die Arbeit der Polizei bei der Rückführung der Tiere. Sie habe die Tiere dort zur Pflege abgegeben, die dann aber weiterverkauft worden seien. Abgesehen von dem ideellen Verlust wird derzeit von einem Wert der weitergegebenen Tiere von zirka 20 000 Euro ausgegangen. Der Fall füllt allein bei der Polizei in Mindelheim inzwischen drei Aktenordner.
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