Mindelheim/Ettringen Der Erörterungstermin zum Bau eines Heizkraftwerkes der Papierfabrik Lang (Ettringen) geht weiter. Noch am Dienstagabend erhielt der Anwalt der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal", Wolfgang Baumann, die von ihm geforderten Unterlagen zum Lärmschutzgutachten. Es handelt sich um ein 1300-seitiges Lärmkataster, in dem die Lärmquellen aufgezeigt sind.
Damit war die Luft raus, die Drohung Baumanns, dass diese Frage zum "Herzinfarkt des Verfahrens" werden könnte, vom Tisch.
Beim Lärmschutz kam man sich dennoch nicht viel näher. Der BI-Vertreter forderte weitere Messpunkte; ein Anwohner kritisierte, dass Lärmschutz bei der Papierfabrik "seit 30 Jahren stattfindet und bis heute nicht abgeschlossen ist," sprich: dass wenig in dieser Sache geschehe. Dazu Anwalt Baumann: "Ich appelliere, dass die Firma den Schallschutz ernster nimmt als bisher und die Werte herabsenkt. Sie nimmt sich hier Rechte heraus zulasten der Bevölkerung."
Gegenüber der MZ stellte Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf allerdings klar, dass die Firma Lang seit einigen Jahren jährlich einige hunderttausend Euro in den Lärmschutz investiere und damit Erfolg habe. Hierfür sei auch das Lärmkataster erstellt worden, auf dem das Lärmgutachten fußt.
Verkehrslärm: Zum neuen Heizkraftwerk sollen täglich 44 Lkw anfahren - also 88 Fahrten. Davon sind 15 Lkw mit Ersatzbrennstoffen, 13 Lkw mit Klärschlamm, 16 Lkw mit Reststoffen. Die An- und Abfahrt soll über die Augsburger Straße Richtung Westen erfolgen. Im Bestand sind bisher etwa 287 Lkw pro Tag.
Vom Verkehr stark beeinträchtigt fühlt sich Hiltenfingen an der Staatsstraße 2015. Erster Bürgermeister Cornelius Griebl bedauerte, dass die Papierfabrik nicht auf den Einsatz von Klärschlamm und Ersatzbrennstoffe verzichte und somit den Lkw-Verkehr nicht reduziere: "Lang stellt das eigene Gewinnstreben voran und verzichtet auf die Nachhaltigkeit des Umweltschutzes. Ich kann keinen guten Willen erkennen, eine Entlastung zu erreichen." Er forderte das Landratsamt als Genehmigungsbehörde auf, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Lkw-Verkehr einzudämmen. Werkleiter Krauthauf konterte, dass man immer mehr auf die Bahn verlagern wolle. Dies wiederum gefällt einer Anwohnerin der Bahnstrecke Ettringen-Türkheim überhaupt nicht, die ihrerseits über eine zunehmende Belastung des Bahnverkehrs klagt: "Ich fordere, dass keine Zunahme des Schienenverkehrs erfolgt!"
Baulärm: Kritik wurde geübt, dass teilweise erhebliche Überschreitungen der nächtlichen Lärmgrenzwerte durch Bauarbeiten vorgesehen seien. Dies solle man nicht zulassen. Eine Bautätigkeit zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends reiche aus. Das Landratsamt will vor Baubeginn eine Auflistung anfordern, welche Bautätigkeiten, wann geplant sind. Die Forderung: Wenn nachts gebaut werden müsse, dürften die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschritten werden.
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