Freitag, 20. Oktober 2017

09. April 2008 18:55 Uhr

"Ey schwul, oder was?"

Die Vorstellung verträgt sich einfach nicht: Männer küssen keine Männer. Männer machen geile "Chicks" locker. Männer "dissen" sich. Männer sind hart - bei den Nazis waren sie noch hart wie Krupp-Stahl. Ein veraltetes Männerbild erlebt seine Wiedergeburt in den Texten deutscher Gangster-Rapper. Ein Männerbild in dem Homosexualität keinen Platz hat und bekämpft wird. Von Johannes Möhring

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So richtig publik wurde die Debatte über homophobe - also anti-homosexuelle - Entgleisungen deutscher Rapper im vergangenen Jahr, als der Song "Keine Toleranz" im Internet auftauchte. Der Rapper G-Hot ruft darin zu Gewalt gegen "Schwuchteln" auf und wehrt sich - mit Blick auf Berlins schwulen Oberbürgermeister Klaus Wowereit - dagegen, dass diese "Tucken" ihn regieren. Angeblich sollte das Lied niemals veröffentlicht werden und als Verbände, Parteien und Prominenz auf die Barrikaden gingen, schaltete der Rapper eine Gegendarstellung auf der Internetplattform Youtube. Darin behauptet er, "übelst tolerant" zu sein, aber die Schwulen "könnten ihn mal".

Den Hip Hop an sich pauschal zur Anti-Homo-Musik abzustempeln, wäre falsch. Doch Deutschlands kommerziell erfolgreichste Rap-Szene will mit "Schwuchteln" nichts zu tun haben.

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Schließlich hat der überwältigende Siegeszug des Wörtchens "schwul" als Schimpfwort zwischen Jugendlichen seinen Ursprung im deutschsprachigen Hip-Hop. Übrigens hat es "schwul" schon so weit geschafft, dass im Online-Wörterbuch von Wikipedia als Zweitbedeutung "blöd, scheiße, uncool" angeben ist. Daneben ergab eine Umfrage, die der Autor im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema durchgeführt hat, dass von 100 befragten Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren 72 das Wort "schwul" in erster Linie als Schimpfwort verstehen.

Zum ersten Mal tauchen massiv schwulenfeindliche Textpassagen im jamaikanischen Reggae auf. Der Rest ist Musikgeschichte: Vom Reggae beeinflusste Gangster-Rapper in den USA nehmen die homophoben Strömungen aus Jamaika auf und diese werden dann von ihren deutschsprachigen Kollegen kopiert. Warum kommt das so gut an? Sind wir nicht seit den 70ern tolerant und blümchenwerfend gegenüber allen Menschen? Wohl nicht. Denn glaubt man der Shell-Jugend-Studie sind die Ängste der jungen Menschen vor allem Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg. Hinter der verhärteten Fassade ist es vor allem eine Angst vor "Entmännlichung". Eine Angst von der Gesellschaft überholt - wenn nicht überrollt - zu werden. Und wenn sich Angst und Perspektivlosigkeit in Aggression kanalisieren, tut es offenbar gut zu wissen, dass es noch "echte Männer" dort draußen gibt. Jungs mit einer schweren Kindheit, die es trotzdem zu Ruhm und Wohlstand gebracht haben. Diesen Idolen wollen die "Kids" nacheifern - und nehmen dafür auch gerne deren Feindbilder gleich mit bei sich auf.

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