Wenn Mindelheim zur besten Fernsehzeit ins rechte Licht gerückt wird, ist die Freude in der Stadt stets groß. Am besten ist es, wenn wunderbar werbewirksame Bilder von einer sympathischen schwäbischen Kreisstadt mit großer Geschichte gezeigt werden, deren Menschen lebensfroh ein großartiges Stadtfest zu Ehren des Lands-knechtsführers Georg von Frundsberg auf die Beine stellen.
Am Mittwoch war Mindelheim wieder einmal im Fernsehen zu sehen. Diesmal ging es nicht um heile Welt. Die Fernsehleute haben sich eines traurigen Themas angenommen: Des Missbrauchs von Minderjährigen durch Mitglieder der Katholischen Kirche.
"Das Schweigen hat ein Ende" war der 45-Minuten-Beitrag des Bayerischen Fernsehens überschrieben. Berichtet wurde, wie verschiedene Bistümer und Ordensgemeinschaften mit den Missbrauchsfällen umgehen. Der Titel des Films passte auf Würzburg, auf München, auf Fulda. Während Bischof Marx in München-Freising offensiv die Dinge angeht, schickte die Diözese Augsburg den Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit Dr. Dirk Hermann Voß vor. Bischof Mixa, sonst nicht als kamerascheu bekannt, war nicht zu sprechen.
Überhaupt war von offenem Umgang durch das Bistum Augsburg, die Maristenbrüder und auch die Staatsanwaltschaft in Memmingen wenig zu spüren. Einzige Ausnahme: Internatsleiter Albert Schuster. Er müsse schließlich wissen, "auf welchem Boden" er in Mindelheim arbeitet.
Selbst der Provinzial der Maristen, Bruder Brendan Geary, der bislang den Eindruck vermittelte, ihm sei an Transparenz und Aufklärung gelegen, drückte sich seltsam nebulös aus. Was Frater G. konkret vorgehalten wird, mochte weder er noch der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Johann Kreuzpointner sagen. Gibt es hier etwas zu verbergen? Waren die Verfehlungen am Ende von geringerer Schwere? Das anhaltende Schweigen wurde mit Datenschutz und Resozialisierung begründet. Der Sprecher der Diözese Voß wollte gar von weiteren Hinweisen auf Verfehlungen, obwohl sie bei der Staatsanwaltschaft eingegangen waren, nichts gewusst haben. Die Haltung dahinter: Das Maristeninternat ist nicht Baustelle des Bistums, darum soll sich allein der Orden kümmern. So sieht das auch die Schulleitung des Maristenkollegs, obwohl Frater G. dort ein- und ausging.
Die Bilder waren entlarvend. Das war großer Fernsehjournalismus eben weil so viel deutlich wurde.
Nachdem sich mehr und mehr Anzeichen dafür verdichten, dass am Maristeninternat seit Anfang der 80er Jahre mehr als eine einzelne Verfehlung vorgefallen ist, wäre es an der Zeit, dem Vorbild Ettals zu folgen. Dort war ein Sonderermittler von außen eingesetzt worden. Das würde auch den vielen Erziehern und Fratres helfen, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen. Johann Stoll
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