Mindelheim (emf) - Aus dem Fernsehen ist er bekannt, jetzt kommt er nach Mindelheim: Der ewig nörgelnde Kabarettist Christian Springer alias Fonsi präsentiert am Donnerstag, 4. Dezember, um 20 Uhr im Forum sein neues Programm "Das merkt doch keiner". Im Vorfeld führte die MZ mit ihm ein Interview.
MZ: Herr Springer, wo finden Sie eigentlich die Anregungen für Ihr Kabarett? Was inspiriert Sie?
Springer: Wir alle kennen die berühmte Bananenschale, also komische Situationen im Alltag. Hauptsache, wir sind Zuschauer und nicht Betroffene. Eigentlich passiert ja ständig was Kabarettistisches auf der Straße, man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Und wenn's nicht an der Bushaltestelle passiert, dann in den Vorstandsbüros der Bayerischen Landesbank. Absurde Vorgänge, niemand versteht es mehr, und zum Lachen findet man's nur zum Teil, aber da genau legt der Fonsi die Finger in die Wunde und macht a Gaudi draus.
MZ: Wollen Sie "nur" unterhalten - oder hoffen Sie, etwas zu bewegen?
Springer: "Bewegen"? Also das Einzige, was der Fonsi bei seinen Auftritten bewegt, ist das Auto beim Einparken und seine Finger auf der Zither. Wenn man den Weltgeschehnissen nicht mehr mit Witzen beikommt, packt der Fonsi seine Zither aus macht schrecklich-herrliche Gesänge dazu.
MZ: Wie kam es, dass Sie die Rolle als Grantler für sich entdeckt haben? Warum ist Ihnen die besonders nah?
Springer: Für alle Nichtbayern erstmal: Ein bayerischer Grantler ist kein bösartiger Nörgler! Sondern einer, dem so manches nicht passt, und der das auch noch laut sagt. Und irgendwie hat man ihn sogar gern. Der Fonsi ist auch so einer, er ist halt durch und durch Volkes Stimme. Der Christian Springer hat nur Angst, dass sich der Fonsi eines Tages so verselbstständigt, dass er sagt: Du, jetzt mach ichs ohne dich!
MZ: Sie haben Philologie des Christlichen Orients studiert. Wie fließt das in Ihr Kabarettprogramm ein?
Springer: Der Orient hat's mir schon lange angetan: Karl May, Lawrence von Arabien, Tod auf dem Nil, Kamelkarawanen und geheimnisvolle Schriften, endlose Gastfreundschaft und sogar im Winter schwitzt man in der Sonne. Und vor allem: die pure Lust am Fabulieren, Geschichten erzählen, Märchen erfinden, das hat eine große Verwandtschaft zum Bayerischen Kabarett: Einer red't und die andern hören gespannt zu, in einer Sprache, die nur Eingeweihte verstehen.
MZ: Sie arbeiten auch als Autor, Schauspieler, VHS-Dozent, Rundfunksprecher ... Was macht Ihnen am meisten Spaß? Und was ist der Unterschied zu einem Fernsehauftritt und einem Auftritt, wie er in Mindelheim bevorsteht?
Springer: In Mindelheim wartet eine Bühne auf mich. Und auf der Bühne hab ich angefangen, nicht im Fernsehen, sondern als Neunjähriger im Kinderchor von der Oper. Da haben wir daheim noch gar keinen Fernseher gehabt. Deshalb packt und fesselt mich die Bühne immer wieder aufs Neue. Das Fernsehen ist interessant und ein ganz anderes Arbeiten. Aber ganz tief drin schlägt das Fonsi-Herz für die Bühne. Und ich bin näher an die Leut' und die Leut' sind näher an mir dran. Da gibts immer a Gaudi! Auch in Mindelheim. I gfrei mi!
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: