Kirchdorf Fest verankert in der Historie und im Gemeinwesen von Kirchdorf ist der Name der Familien Dreer. Dies muss auch nicht verwundern, denn dort ist er seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zu finden, als der am 9. Juli 1785 geborene Alexander Dreer von Erisried aus den Weg nach Kirchdorf fand, um hier im Jahre 1814 eine Josepha Brugger zur Frau zu nehmen. Aber auch im näheren und weiteren Umkreis ist der Name Dreer immer wieder zu finden. Warum dies so ist, dem ging Karl Dreer in einer umfangreichen Ahnenforschung nach. Das Projekt gipfelte in einem "Dreer-Treffen" in Kirchdorf, zu dem fast 60 interessierte Familienmitglieder gekommen sind. Die weitesten Anreisen hatten Hermann Dreer aus Berlin und Maria Dreer aus Hall in Österreich auf sich genommen. Auf die Dreers aus Hall stieß der Hobbyforscher erst durch seine Recherchen.

Durch Archive gewühlt
Bemerkenswert wäre zunächst, dass Karl Dreer, der Initiator, mit Ahnenforschung (Genealogie) eigentlich nichts am Hut hatte. Bekannt geworden ist er in Bad Wörishofen, wo er selbst seit vielen Jahren lebt, eher durch seine Tätigkeit als Schreinermeister bei der Stadt oder durch sein musikalisches Wirken in verschiedenen Kapellen. Die Stadt verdankt ihm vor allem die schönen Modelle von wichtigen Gebäuden wie dem Kloster oder dem Kurhaus, die im Rathaus ausgestellt sind. Derzeit unterstützt er auch den Aufbau des Fliegermuseums, wo ja das Gelände des ehemaligen Flugplatzes nachgebaut wird. Was ihn dabei schon immer auszeichnete, waren seine Akribie in der Gestaltung und die Geduld in der Ausführung. Und genau diese Tugenden waren es wohl auch, die ihn bei seiner Ahnenforschung antrieben. "Angefangen habe ich eigentlich schon vor 20 Jahren mit dem Festhalten der Geschichte der Dreer-Familie und dies habe ich dann weiter ausgebaut und zuletzt immer mehr intensiviert." Dazu gehörten natürlich das aufwendige Nachforschen in Kirchenbüchern und Staatsarchiven, etwa in Augsburg und München. "Es war meine Absicht, die Erinnerung an meine Ahnen und Familien wach zu halten", sagt Dreer.
Herausgekommen ist dabei die komplette Geschichte der Dreers, zurückverfolgt bis zum nachgewiesenen Stammvater Johann Dreer, geboren am 1.Mai 1596 und gestorben am 2. Januar 1648, dem Jahr, in dem der 30-jährige Krieg endete. Dieser Dreer und sein Sohn Heinrich waren in Reichling, zwischen Landsberg und Schongau gelegen, zu Hause. Von dessen neun Kindern verschlug es einen Ägidius Dreer um 1690 nach Dirlewang auf den Leutenhof, der ja in jüngerer Zeit durch die Familie Kölbl Bekanntheitsgrad erwarb, und damit erstmals in das Unterallgäu. Über Stetten und Erisried gelangten die Dreers, wie erwähnt, schließlich auch nach Kirchdorf. Bei der Vielzahl der Kinder, die sich eigentlich fast immer jeweils um die 10 herum bewegte, ist es kein Wunder, dass die Dreers auch in Orten wie Obergünzburg, Unterauerbach, Siebnach oder in St. Anna zu finden sind oder waren. Selbst die bekannte Gaststätte Römerkessel an der B 17 und der frühere Lerchenhof, wo heute der Skyline-Park sein Zuhause hat, waren einst in den Händen eines Sprosses der Familie Dreer.
In Kirchdorf fanden die Dreers zunächst 1868 auf dem Sulbitzhof und später mit dem 1827 geborenen Josef Dreer als Bauer 1872 auf dem Bergangerhof, nördlich der "Alten Schule" gelegen, ihre Heimstatt. Diesen bewirtschaftete auch noch Karl Dreers Großvater Franz Xaver, der ebenfalls noch nicht weniger als elf Kinder zu seiner Familie zählen konnte. Heute sind es namentlich noch drei Dreer-Familien, die in Kirchdorf zu Hause sind. Da wäre einmal der Ursprung des großen Holzverarbeitungsbetriebes von Franz Dreer, der inzwischen zwar nach Bad Wörishofen umgesiedelt ist, zum anderen der Dreer-Hof des Johann Dreer (nicht identisch mit dem Bergangerhof, jetzt Familie Huber) und die Familie von Max Dreer. Dies alles schlüsselte Karl Dreer beim großen Familientreffen anschaulich auf. Nachbar Walter Kostenbader war ihm bei der technischen Umsetzung hilfreich zur Seite gestanden.
"Mei, der kleine Bub war ich"
Klar, dass seine Vorführung bei den vielen Verwandten auf großes Echo stieß. "Mei, der kleine Bub dort bin ich gewesen" oder "Schau mal, der mit der Knickerbocker!" oder "Das sind unsere Großeltern", waren nur einige der Zwischenrufe.
Dank und Anerkennung gab es für die geleistete Arbeit. Franz Dreer, der jetzige Seniorchef des Holzbetriebes, gab zu: Viele Familienmitglieder, die heute hier waren, habe ich gar nicht mehr gekannt." Und Uschi Dreer sagte hinterher, dass sie wohl einige der Anwesenden "vom Sehen" gekannt habe. "Aber ich habe nicht gewusst, dass sie zu uns auch verwandt sind."
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