Bad Wörishofen Während Gaskunden andernorts ab September mit Mehrkosten rechnen müssen, bleiben die Gaspreise für Kunden der Stadtwerke Bad Wörishofen stabil. Bis zum Jahresende werde sich nichts ändern, sagte der kaufmännische Leiter Robert Böck unserer Zeitung. Und wenn sich auf der "Einkaufsseite nichts ändert", könne man davon ausgehen, dass die Preise auch im Januar halten. Von markus heinrich
Die Verbraucherportale Verivox und Toptarif hatten übereinstimmend gemeldet, dass mit Beginn der Heizsaison für Millionen Gaskunden die Preise wieder steigen werden. Zum September und Oktober erhöhen laut Verivox bundesweit 81 Versorger ihre Preise um durchschnittlich neun Prozent. Das Vergleichsportal Toptarif spricht von 74 Versorgern, die Preiserhöhungen von durchschnittlich 8,9 Prozent angekündigt hätten. Viele Unternehmen senken aber im gleichen Zeitraum auch ihre Preise.
Die unterschiedliche Preispolitik der Gasversorger in der gegenwärtigen Lage sei "bemerkenswert", erklärt Verivox. Die Gründe dafür lägen in deren jeweiliger Beschaffungspolitik und in dem Ausgangsniveau der Preise vor den neuerlichen Anpassungen. Der Experte des Verbraucherportals Toptarif, Thorsten Bohg, betont, in den vergangenen Jahren seien die Preisanpassungen der Branche noch sehr einheitlich gewesen. Das lag an der relativ starren Bindung an den Ölpreis. In diesem Jahr dagegen ließen sich große Unterschiede ausmachen. Versorger, die die Preise senken, verwiesen darauf, dass sie in der Lage gewesen seien, Gas günstiger zu beschaffen.
Auch Roland Böck von den Stadtwerken nennt die Einkaufspolitik als Grund für die aktuell stabilen Preise: "Da machen wir offenbar etwas besser als andere." Die Preise, die Wettbewerber auf dem Gasmarkt bezahlen müssen, "laufen momentan sehr auseinander", hat Böck beobachtet. Die Stadtwerke arbeiten beim Gaseinkauf derzeit mit Erdgas Schwaben zusammen. "Der Großteil des gelieferten Gases kommt aus Russland", sagt Böck.
Der größte russische Gaslieferant Gazprom teilte mit, man rechne bis 2012 mit einem deutlichen Anstieg der Erdgaspreise. Auch Toptarif-Experte Bohg geht von Mehrkosten ab 2011 aus. Grund seien das anhaltend hohe Preisniveau bei Roh- und Heizöl sowie die Erholung der Weltwirtschaft.
Pro Jahr kaufen die Stadtwerke etwa 110 Millionen Kilowattstunden Gas ein. Diese Menge reicht theoretisch aus, um etwa 3700 Einfamilienhäuser mit einem durchschnittlichem Verbrauch zu versorgen. (mit dpa, afp)
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