Der 16-jährige Jintao He lebt zurzeit in Siebnach. Mit dem deutschen Essen hat er noch ein paar Probleme. Von Manuela Antosch

Von Deutschland ist Jintao He begeistert. „Hier gibt es gute Maschinen und gute Technik“, findet der 16-jährige Chinese und zählt auf: VW, Mercedes, Bosch. Nur das Essen... „Ihr esst immer Brot“, sagt er verwundert. Und außerdem: „Glühwein schmeckt wie Medizin, Käse schmeckt nach gar nichts.“ Aber die Wurst ist sehr gut, ergänzt Jintao nach einer kurzen Pause. Viel besser als in China.
Der 16-Jährige verbringt zurzeit ein Auslandsjahr in Deutschland. Er wohnt bei den Hansers in Siebnach. Ein wahrer Kulturschock: Jintao kommt aus Changzhou, einer Stadt mit 4,5 Millionen Einwohnern und vielen Hochhäusern, erzählt er. Jetzt also Siebnach. Eine ganz neue Erfahrung: „Hier kann man spazierengehen“, meint er. „Und der Himmel ist schön klar.“
Jintao ist durch die gemeinnützige Organisation AFS nach Deutschland gekommen. „Ich will das Land kennen lernen und wissen, wie andere Menschen leben“, sagt der junge Chinese. Nach einem halben Jahr weiß er: „Hier geht es fair zu, alle können zur Schule gehen und es gibt gute Jobs.“
Bei den Hansers ist Jintao in einer richtigen Profi-Gastfamilie gelandet. Seit 2004 haben die Siebnacher regelmäßig Besuch von Schülern aus der ganzen Welt, mal ein ganzes Jahr lang, mal nur für eine Woche. Die Jugendlichen kamen schon aus Japan, Hongkong, Malaysia, Australien und den USA.
Mittlerweile engagiert sich Margot Hanser ehrenamtlich bei AFS und sucht Gastfamilien für Jugendliche aus aller Welt. Das wird immer schwieriger, sagt sie: Seit es das achtjährige Gymnasium gibt, gingen weniger deutsche Jugendliche ins Ausland – meist waren es deren Familien, die in dieser Zeit einen fremden Schüler aufgenommen haben.
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