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27. Mai 2009 18:10 Uhr

Gutachter sieht keine Gefahr für die Gesundheit

Ettringen/Mindelheim Dritter Tag der Erörterung ums Heizkraftwerk der Firma Lang in Ettringen. Diesmal drehte sich alles um die zentrale Frage, die die Menschen in und um Ettringen umtreibt: Wie gefährlich ist die Anlage, was kommt da an womöglich krebserregenden Stoffen aus dem Schlot?

Wenig überraschend: Die Meinungen gingen weit auseinander: Während für die Vertreter der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal" das Heizkraftwerk unkalkulierbare Risiken für die Gesundheit der Menschen birgt, sieht das der vom Landratsamt Unterallgäu betraute Gutachter, ein Mediziner, völlig undramatisch. Prof. Dr. Thomas Eikmann von der Gesellschaft für Umwelttoxikologie und Krankenhaushygiene in Gießen hat keinen "Hinweis, dass es zu gesundheitlichen Schäden" kommen werde.

Eikmann sagte, die Luftschadstoffbelastung ändere sich durch die Anlage "praktisch nicht". Selbst bei Sondermüllverbrennungsanlagen hätte sich keine Schadstoffmehrung ergeben, sagte der Gutachter. Es gebe auch keine Anlage in Deutschland, wo irgendwo ein gehäuftes Auftreten von Erkrankungen festgestellt worden wäre. Auch Böden würden nicht durch die an die Luft abgegebenen wenigen Schadstoffe angereichert.

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Diese Darstellung erzeugte bei den Einwändern deutlichen Widerspruch, wobei im Unterschied zu den noch eher aufgeregten ersten zwei Tagen nicht mehr die Leitung der Anhörung, Oberregierungsrätin Doris Back, massiv in der Kritik stand. Sprecher Dr. Joachim Herbold erinnerte an erhöhte Krebsfälle rund um Kernkraftwerke. Dort habe es auch über viele Jahre geheißen: alles unbedenklich.

Vor den rund hundert Anwesenden sagte Hartmut Scheller von der Bürgerinitiative "Schadstofffreies Umland": "Ich habe Ängste". Fünf Tonnen zyanidhaltiges Wasser werde in die Wertach abgegeben. Er habe Sorge ums Trinkwasser. Würde die Firma Lang ihr Heizkraftwerk allein mit Erdgas betreiben, hätte niemand etwas dagegen, betonte Scheller.

Eine Frau sagte, die Zahl der Krebsfälle in Deutschland nehme zu. Das bestätigte Eikmann zwar, führte dies aber überwiegend auf die höhere Lebenserwartung der Menschen zurück. Je älter, desto wahrscheinlicher sei es, an Krebs zu erkranken.

Der Anwalt der Bürgerinitiative, Wolfgang Baumann, sagte, jede Zusatzbelastung, insbesondere an Schwermetallen, werde zu Todesfällen und Lebensverkürzung führen. Dem widersprach Eikmann, weil es keine spürbare Zusatzbelastung gebe. "In keiner Art und Weise ist die Todesrate höher oder die Lebenserwartung niedriger".

Hans Wohlfeil aus Gennach sagte, er glaube, dass von der Anlage keine Gefahr ausgehe, wenn sie im Regelbetrieb laufe. Er macht sich aber Sorgen, wenn es zu einem Störfall kommt. Er habe das Vertrauen zur Firma Lang verloren, weil es in der Vergangenheit wiederholt zu Überschreitungen der genehmigten Werte gekommen sei.

Dazu sagte der Umweltingenieur des Landratsamtes, Rudolf Fischer, es sei beim Schwerölheizkraftwerk an einzelnen Tagen zu erhöhten Schadstoffmengen gekommen. Dies sei vom Landratsamt nicht zu akzeptieren, stellte Fischer klar. Wirklich geglaubt wurde ihm nicht. Bei vielen der Einwender hat sich der Eindruck festgesetzt, das Landratsamt drücke bei der Firma Lang beide Augen zu. Das sagte etwa der Sprecher der Bürgerinitiative, Dr. Joachim Herbold, sinngemäß.

Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf versicherte, das Unternehmen sei sich der Verantwortung für Bevölkerung und Arbeiter bewusst. Einzelne Abweichungen der vergangenen Jahre seien immer sofort den Behörden gemeldet und abgestellt worden. Anwalt Wolf-Friedrich Spieth erinnerte an die Selbstverpflichtung der Firma Lang, den Stickoxidausstoß auf 100 Milligramm je Kubikmeter zu halbieren. Nach Darstellung von Gutachter Eikmann sind die Feinstäube und die Stickoxide generell besonders problematisch. Er begrüßte als Arzt daher die Zusage der Firma, die Stickoxide deutlich zu reduzieren.

Norbert Surtisch vom Planungsbüro Müller-BBM sagte, die Anlage sei genehmigungsfähig, "nichts anderes". Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzwerte würden zum Teil deutlich unterschritten.

Das überzeugte keineswegs alle. Eine Mutter schilderte eindringlich ihre Angst vor einer Krebserkrankung. Ihre Familie sei vorbelastet. Sie könne verstehen, wenn die Arbeiter bei Lang Angst um ihre Arbeitsplätze hätten. Es gebe aber keine Zusage für die Jobs. Sie stieß sich besonders daran, dass die Firma Lang nicht bereit ist, die künftige Betreiberfirma der Anlage zu nennen.

Am heutigen Donnerstag wird weiter von 9.30 bis 19 Uhr erörtert.

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