Mindelheim Während SPD und Grüne im bayerischen Landtag die Hauptschulreform am liebsten sofort stoppen würden, nimmt sie im Unterallgäu bereits Fahrt auf: Die Rektoren der Schulverbände Mindelheim, Pfaffenhausen und Kirchheim, Ute Wolfram, Helmut Pletzer und Anton Sonntag, haben sich in einem ersten Arbeitstreffen für einen gemeinsamen Schulverbund "Mindeltal" ausgesprochen.

"Ziel ist, dass wir ab dem 1. August ein Schulverbund sind", erklärt die Mindelheimer Rektorin Ute Wolfram. Zuvor jedoch müssen auch die jeweiligen Gemeinderäte sowie das Schulforum den Plänen zustimmen. Ohne die Entscheidungen vorweg nehmen zu wollen, scheint deren Zustimmung jedoch sicher. So kündigte Kirchheims Bürgermeister Hermann Lochbronner bei der jüngsten Bürgerversammlung bereits an, nun "in die Verhandlungen" treten zu wollen. Die Mustervereinbarungen über die Zusammenarbeit unter den einzelnen Schulverbänden lägen nun endlich vor. "Wie das Ganze ablaufen soll, steht noch nicht fest", sagte er.
Zumindest im nächsten Schuljahr dürfte sich für die derzeit 880 Schüler an den drei Hauptschulen aber noch kaum etwas ändern: Alle drei sind bislang noch groß genug, um das für die Bezeichnung "Mittelschule" erforderliche Angebot selbstständig zu stemmen. "Weil wir eine sehr große Schule sind, wird für uns nicht direkt etwas anders", sagt Wolfram. "Für nächstes Jahr kann im Großen und Ganzen alles so bleiben."
Ähnlich sieht es in Pfaffenhausen und Kirchheim aus. Die beiden Schulen arbeiten ohnehin seit zehn Jahren zusammen, weil ein Verband allein damals keine M-Klassen hätte anbieten können. Schüler, die sich nach der sechsten Klasse für den M-Zweig entscheiden, besuchen seither die siebte und achte Klasse in Kirchheim und die neunte und zehnte in Pfaffenhausen.
Unter dem neuen Etikett wird sich nicht viel ändern
Daran soll sich auch unter dem Etikett "Mittelschule" nichts ändern. "Statt M-Klasse schreiben wir künftig ,Mittelschulklasse' auf die Schilder." Der bisherige "Kommunikations-technische Bereich" (KtB) wird so zum Zweig "Wirtschaft", der "Hauswirtschaftlich-soziale Bereich" (HsB) zum Zweig "Soziales" und der "Gewerblich-technische Bereich" (GtB) firmiert künftig unter der Bezeichnung "Technik".
"Wir versuchen, das Ganze zu intensivieren und auf die beruflichen Anforderungen abzustimmen", sagt Sonntag. Eine Zusammenarbeit mit den Firmen vor Ort gibt es seit vielen Jahren und praxisnah werden die Schüler auch jetzt schon auf das Berufsleben vorbereitet. Sonntag betont, voller Elan mit dem Mittelschulkonzept umzugehen. "Wir wollen, dass die Mittelschule für die verbleibenden Schüler ein Erfolg wird. Das alles ist eigentlich eine gute Sache." Eigentlich. Denn: "Die Sache ist, dass uns deshalb vermutlich nicht mehr Schüler bleiben. Wenn sich an dem Schulsystem nichts ändert, wechselt jeder Schüler, der irgend kann, ans Gymnasium oder die Realschule."
Soweit in die Zukunft mag derzeit aber ohnehin niemand recht blicken. "Wir denken nur noch in Jahren, weil wir nicht wissen, was uns künftig organisatorisch und von den Schülerzahlen her erwartet", so Sonntag. (baus)
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