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15. Februar 2008 18:50 Uhr

Heizkraftwerk: Umweltschützer befürchten Probleme für die Kur

Bad Wörishofen Dass sich in der Kneippstadt kein Widerstand gegen das geplante Heizkraftwerk der Papierfabrik Lang in Ettringen formiert, kann Stadtrat Anton Fenkl nicht verstehen. Bei einer Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Gennach im Pfarrjugendheim erinnerte er an die Müllverbrennungsanlage, die vor 20 Jahren in Ettringen gebaut werden sollte. "Damals ging ganz Bad Wörishofen auf die Straße", berichtete er. Die aktuellen Entwicklungen stoßen dagegen auf weit weniger Interesse. Auch zu der Infoveranstaltung kamen nur gut 40 Zuhörer. Dabei ist der Grünen-Politiker überzeugt, dass auch das geplante Heizkraftwerk "negative Einflüsse auf das Kurwesen nehmen wird".

Heizkraftwerk: Umweltschützer befürchten Probleme für die Kur
Foto: ALFA

Diese Einschätzung teilt Hannes Weber von der "Bürgerinitiative Umwelt - Bad Wörishofen-Kirchdorf". Bad Wörishofen lebe in hohem Maße von der Kur und damit von einer gesunden Umgebung. Die Marke "Kneippland Unterallgäu" werde derzeit verstärkt angepriesen. Er sieht darin einen Widerspruch zu den Plänen in Ettringen. Auch Stefan Ibel (SPD) befürchtet "Probleme" durch das Heizwerk.

Dr. Hermann Fischer gab sich redlich Mühe, den Anwesenden die Problematik aus Sicht der Bürgerinitiative Gennach vor Augen zu führen. Er machte deutlich: "Die Blitzaktion der Firma Lang, von der jeder etwas überrascht war" ändere nichts an den Zielen der Initiative: keine Verbrennung von Müll und Klärschlamm. Lang hatte unter anderem angekündigt, freiwillig auf viele tausend Tonnen so genannter Ersatzbrennstoffe verzichten zu wollen (MZ berichtete). Hinter der Umschreibung verbirgt sich sortierter Abfall. "Was bleibt, ist immer noch eine gigantisch große Menge", sagte Fischer. "Immer noch entsteht damit Bayerns zweitgrößte Müllverbrennungsanlage nach München." Der maximal mögliche Anteil von rund 90 000 Tonnen an Ersatzbrennstoffen entspreche einem Drittel des Hausmüllaufkommens im Bundesland Rheinland-Pfalz, hat Fischer ausgerechnet. Auch nach der freiwilligen Selbstverpflichtung ("die muss unbedingt im Genehmigungsbescheid festgehalten werden") Langs zu Transparenz und weiteren Maßnahmen zur Schadstoffreduktion werde das Werk jährlich 320 Tonnen oder 15 Lastwagenladungen Schadstoffe in die Luft blasen, so Fischer. Die Angaben blieben unwidersprochen, da kein Vertreter des Werks bei der Veranstaltung Stellung nehmen konnte. Diese Schadstoffe könnten auch in höhere Luftschichten getragen werden, glaubt Fischer. "Und dort ändern sich oft auch die Strömungsverhältnisse". Damit könnten Schadstoffe auch in den Luftkurort Bad Wörishofen getragen werden, wie Fischer ausdrücklich betonte. "Das Werk wird Sie betreffen, darüber sollten sie nachdenken", riet Fischer den Anwesenden. "Da können Sie noch so schöne Bäder haben, wenn die Luft nicht mehr stimmt, bleiben die Gäste weg."

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Josef Fischer, der stellvertretende Bürgermeister, berichtete dagegen, die regelmäßig durchgeführen Luftmessungen hätten bislang keine Probleme aufgezeigt. "Dabei haben wir wohl auch hin und wieder etwas von Ettringen geschluckt", vermutete er. Und das geplante Werke solle ja umweltfreundlicher werden als das bestehende Schwerölfkraftwerk.

Bad Wörishofen wird offiziell nicht zum geplanten Heizkraftwerk gehört. Der Gesetzgeber schreibt dies nur für Gemeinden vor, die sich in einem Umkreis von 4,5 Kilometern um das Kraftwerk befinden. Anton Fenkl forderte allerdings eine "Solidaritätsbekundung" und erhielt dafür Applaus. "Das ist ebenfalls interkommunale Zusammenarbeit, von der immer geredet wird." Auf Fenkls Antrag hin wird sich am Montag, 18. Februar, der Stadtrat mit dem Thema befassen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus.

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