Das geplante Heizkraftwerk der Firma Lang Papier, das auf dem Firmengelände in Ettringen bis 2011 entstehen und die Fabrik mit Dampf und Strom versorgen soll, lässt auch in Gennach (Kreis Augsburg) die Wellen hochschlagen: Das Thema löste bei einer Informationsveranstaltung, bei der das Projekt vorgestellt wurde, eine heftige und sehr emotionale Diskussion aus.


Bis zu 440 000 Tonnen Brennstoff sollen in dem Werk jährlich verbrannt werden (wir berichteten). Und das stößt auf heftigen Widerstand. Die Bürger befürchten eine verdeckte Müllverbrennung, Umweltschädigungen, Mülltourismus und gesundheitliche Schäden für die Bevölkerung der Region.
Vertreter der Firma Lang Papier Dr. Thomas Krauthauf, Wolfgang Schäufler, Martin Heinrich Thomas Doiwa sowie der zuständige Gutachter Walter Grotz von Müller-BBM haben sich zwar sichtlich bemüht, Rede und Antwort zu stehen und die Befürchtungen zu entkräften, nach mehr als drei Stunden blieben aber trotzdem einige Fragen offen. Beispielsweise woher der benötigte Ersatzbrennstoff kommen soll und was alles letztlich in den Brennkessel gelangen kann. Im Genehmigungsverfahren will sich nämlich die Papierfabrik eine große Palette an Brennstoffen und anderen Eventualitäten genehmigen lassen. "Sie verschleiern die Tatsachen", warfen die erschienenen Bürger der Firmenleitung vor.
"Sie wollen in Ettringen die zweitgrößte Müllverbrennung Bayerns errichten und mit diesem neuen Geschäftsbereich richtig Kohle verdienen", warf man den Firmenvertretern vor. Trotz moderner Filteranlagen würde jede Menge an Schadstoffen wie Dioxine, Chlorverbindungen, Schwefel- und Stickstoffoxide, Quecksilber oder Kohlenmonoxid in die Luft und auf den Boden gelangen - "und das im weiten Umkreis von Ettringen". Von sinkendem Wert der Grundstücke und schlechterer Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte bis zu verpester Luft war die Rede. "Die Energieversorgung des Betriebes lässt sich sicherlich anders sichern", waren sich die Besucher einig.
"Wie können wir dieses Projekt verhindern?"
Dr. Thomas Krauthauf konterte, dass das geplante Heizkraftwerk nicht mit einer normalen Müllverbrennungsanlage vergleichbar sei. Die Anlage solle das 50 Jahre alte Schwerölkraftwerk ersetzen. Ein in Auftrag gegebenes Gutachten sehe zudem "keine nachteilige Beeinträchtigung" durch die neue Anlage. Das geplante Projekt sei eine moderne und effiziente Lösung, die den Standort Ettringen sichere. "Durch den Wegfall des veralteten Kraftwerkes wird es unterm Strich gar eine Plus-Bilanz geben."
In der Informationsveranstaltung in Gennach wollten die Bürger zum Schluss nur noch eins wissen, und zwar: "Wie können wir dieses Projekt verhindern?" Davon abbringen lassen, so Werkleiter Dr. Krauthauf, wolle sich Lang Papier nicht. "Unser Werk würde in ein großes Bedrängnis kommen, wenn die Anlage nicht gebaut werden sollte", betonte er. "Wir sind aber jederzeit für offene Gespräche bereit."
Auch die Politik im Nachbarlandkreis beschäftigt sich mit dem Thema. Im Gegensatz zu seinem Unterallgäuer Kollegen Hans-Joachim Weirather (siehe Nachgefragt) macht den Augsburger Landrat Dr. Karl Vogele das Ausmaß des geplanten Heizkraftwerks der Papierfabrik Lang in Ettringen stutzig: "Die Größenordnungen sind völlig überzogen. Das sind Dimensionen, die wir nicht hinnehmen können", sagte der CSU-Politiker gegenüber unserer Zeitung.
Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden im Müllheizkraftwerk der Abfallverwertungsanlage Augsburg (AVA) insgesamt 200 365 Tonnen Restmüll und Abfälle verbrannt, also weniger als die Hälfte. Damit waren alle drei Öfen ganzjährig voll ausgelastet, teilte die AVA auf Anfrage unserer Zeitung mit.
Die AVA verwertet für die Stadt Augsburg und die beiden Landkreise Augsburg sowie Aichach-Friedberg Hausmüll. »Siehe auch Bayern
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