Samstag, 25. März 2017

06. Januar 2008 17:20 Uhr

"Ich empfehle, dass wir uns anstrengen"

Der im September vom Verwaltungsrat verordnete Sparkurs für die beiden Krankenhäuser in Mindelheim und Ottobeuren hat die ersten acht Stellen gekostet. Das gab Vorstand Alfons Hawner im Gespräch mit dieser Zeitung bekannt. Bis Ende des kommenden Jahres 2008 dürfte sich der Personalabbau auf insgesamt rund 25 Stellen erhöhen. Derzeit beschäftigen die beiden Krankenhäuser rund 550 Mitarbeiter. Allerdings wird niemand wegen des Kostendrucks entlassen, versicherte Hawner.

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Der strikte Sparkurs fordere von allen Abteilungen große Anstrengungen, betonte Hawner. Gleichwohl beschrieb er die Stimmung als nicht schlecht. Daran habe der Personalrat großen Anteil, betonte Hawner. "Er trägt das mit, wenn es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt und wenn es alle Abteilungen gleichermaßen trifft". Personalratsvorsitzender Siegfried Trexler bestätigte das ausdrücklich. Wichtig sei den Beschäftigten, dass von der Sparwelle nicht nur Pflegekräfte betroffen sind. Auch die Ärzte müssten ihren Beitrag leisten.

Landrat Hans-Joachim Weirather (Freie) sagte, die Krankenhäuser befänden sich in einem Veränderungsprozess, "der weh tut". Es gebe da keine Sieger oder Verlierer. Die allermeisten würden das Konzept mittragen. "Wir haben uns eine Ergebnisverbesserung von 1,5 Millionen Euro vorgenommen", sagte Weirather weiter. 2007 liege das Defizit bei 2,9 Millionen Euro bei einem Umsatz von 30 Millionen.

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Einschnitte müssen auch die Chefärzte für ihre Abteilungen hinnehmen. Hier hat sich nach MZ-Informationen insbesondere ein Mediziner besonders schwer getan damit, auf Ärztestellen verzichten zu müssen. Ein Vier-Augen-Gespräch hat unmittelbar vor Weihnachten nach Darstellung von Landrat Weirather dazu geführt, dass nun alle Chefärzte den Spar- und Veränderungskurs gleichermaßen mittragen. Weirather erleichtert: "Ich brauche alle im Boot, und das ist jetzt gewährleistet".

Denn die Kliniken wollen keineswegs nur Personal abbauen. Ziel ist, die Qualität und damit die Einnahmeseite zu verbessern. Die Gynäkologie und Geburtshilfe etwa verlagert im Verlauf des Januar eine Station. Vorteil: auf zwei Betten kann verzichtet werden und der Komfort für die Patienten wird besser, weil aus Drei- nun Zweibettzimmer werden.

Die Tagesklinik kommt vom vierten Stock in die Ebene der Geburtshilfe (erste Etage). "Dann haben wir alles auf einer Ebene", freut sich Hawner. Die Wege werden kürzer, Aufwand und Kosten sinken.

Patienten der Inneren und der Gynäkologie werden teilweise zusammengelegt. Für das Personal bedeute dies neue Herausforderungen, so Hawner. Deshalb werde derzeit an den Krankenhäusern auch intensiv geschult. Dass diese Veränderungen nicht allen gleichermaßen leicht fallen, räumt Hawner ein.

Neu ist auch, dass das Krankenhaus in Mindelheim mit einem Dillinger Augenarzt zusammenarbeitet, der regelmäßig zum Operieren anreist. Hawner sieht darin einen großen Vorteil für die Patienten aus dem Unterallgäu, weil sie wohnortnah versorgt werden können. Der Mediziner bringt übrigens seine Mannschaft mit. Das Krankenhaus stelle lediglich die Räumlichkeiten gegen Mietzins zur Verfügung.

Eine völlig neue Perspektive tut sich derzeit auch beim Chefarzt Dr. Oliver Schnackenburg und seiner chirurgischen Abteilung auf. Über ein Büro in Schweden ist es laut Hawner gelungen, seit Oktober 2007 schwedische Patienten zu Knieoperationen nach Mindelheim zu holen (siehe eigenen Bericht).

Die Beispiele zeigen laut Hawner, dass es nicht ums Kaputtsparen gehe, sondern um das Nutzen von Chancen. Ideen sind also gefragt. Schließlich soll das Defizit von heuer rund 2,9 Millionen Euro um 1,5 Millionen im neuen Jahr sinken. Freilich drohen bereits weitere Ausgaben: Die steigenden Energiekosten treffen ein Krankenhaus ganz besonders. Und bei den Tarifverhandlungen rechnet Hawner mit höheren Abschlüssen. 700 000 Euro Mehrkosten kämen auf die beiden Häuser zu, wenn ein Abschluss von 3,5 Prozent herauskommt. Dass es vor diesem Hintergrund nicht leicht ist, Mitarbeitern, denen seit Jahren Sparrunden auferlegt werden, zum motivierten Weitermachen zu bewegen, räumt Hawner ein. Landrat Weirather sieht die Schwierigkeit durchaus. Aber: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren". Seriöse Prognosen gehen davon aus, dass in zehn, 15 Jahren zwischen 20 und 25 Prozent aller Kliniken geschlossen werden müssen. "Wir können es uns nun raussuchen. Ich empfehle, dass wir uns anstrengen".

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Ein Artikel von
Johann Stoll

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter, Stadt Mindelheim


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