Freitag, 24. Mai 2013

03. August 2012 12:06 Uhr

Glücksspiel

Internet-Lotto und seine Folgen

Jeder kann jetzt wieder online tippen. Die Annahmestellen in der Region befürchten Umsatzverluste und sehen Gefahren für Jugendliche

Unterallgäu „Ich wollte nur meine Millionen abholen“, scherzt ein junger Mann in der Lotto-Annahmestelle in Türkheim. Schwer einzuschätzen, ob er schon 18 Jahre alt ist – also heißt es: Ausweis raus. Diese Kontrollen, die Jugendliche vor Glücksspiel schützen sollen, könnten künftig womöglich schwerer durchzusetzen sein.

2006 wurde der Onlinetipp untersagt

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Seit vergangener Woche können Lottospieler aus Bayern auch wieder im Internet auf ihre Glückszahlen tippen. Möglich macht das der neue Glücksspielstaatsvertrag der Länder, der seit dem 1. Juli gilt. Die Übereinkunft der Bundesländer erlaubt Lotto, im Web aktiv zu sein. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende war es möglich, Lottotipps im Internet abzugeben. Das Bundesverfassungsgericht hatte das aber 2006 untersagt, weil seiner Ansicht nach der Jugendschutz und der Schutz gegen Spielsucht zu schwach waren.

Regina Tschischke ist in der Buchhandlung Sahl in Mindelheim angestellt, wo es auch eine Annahmestelle gibt. Das neue Online-Lotto sei eher keine Gefahr für Jugendliche, meint sie. Alle Lotto-Spieler müssen sich vorher ausweisen, bevor sie online freigeschaltet werden. Das Verfahren läuft so ab: Der Kunde registriert sich online bei Lotto Bayern und erhält dort ein Formular, mit dem er zur Annahmestelle geht. Dort muss er seinen Ausweis vorzeigen. Erst dann kann er unbeschränkt im Netz tippen.

Wer seinen Schein immer persönlich abgegeben hat, musste auch früher schon mit strengen Kontrollen rechnen. „Wir müssen strikt sein, schon aus Eigeninteresse“, sagt Franz Haugg, der Leiter der Türkheimer Annahmestelle: „Lotto kontrolliert sehr stark und ahndet Verstöße ziemlich heftig: Beim ersten Mal zahlt man 1000 Euro Strafe, beim zweiten Mal ist die Lizenz weg.“ Das sei aber auch richtig so, um die Jugend zu schützen. Das Internet-Lotto hält Haugg für eine Gefahr, weil es anonymer und nicht so leicht zu kontrollieren sei als wenn man direkten Kontakt zu den Kunden habe. „Online nutzen Jugendliche vielleicht schneller die Registrierung des älteren Bruders“, sagt Haugg. In seinem Laden wiederum kenne er die meisten Leute, die Lotto spielen. Das bedeutet zudem eine größere soziale Kontrolle als online, wo es niemand sieht, wenn man tippt.

Auch Regina Tschischke aus Mindelheim sieht die Neuerung kritisch: Sie erwartet künftig weniger Umsatz, weil es für viele Kunden einfach bequemer sei, einen Tipp online abzugeben. „Vor allem die jüngere Generation wird in Zukunft im Internet spielen.“ Bei den älteren Lottospielern und auf dem Land werde die Entwicklung dagegen nicht so dramatisch sein. Das meint zumindest Margit Nattenmiller vom gleichnamigen Laden und Getränkemarkt in Tussenhausen. „Viele unserer Kunden haben gar kein Internet“, sagt sie. Prompt bestätigt der nächste Kunde ihre Feststellung. Er brauche kein Internet und den Lottoschein hole er lieber persönlich. Wegen des Generationenwechsels rechnet Franz Haugg jedoch mit Umsatzeinbußen von 20 Prozent in den nächsten Jahren. Erwin Horak von der bayerischen Lotterieverwaltung dagegen sieht keine Gefahr für die klassischen Annahmestellen durch das Onlinelotto. „Internetkunden sind keine Annahmestellenkunden, sondern neue Kunden“, sagt er.

Mit dem neuen Internetauftritt erhält die Lotterieverwaltung die Chance, besser mit den Privatanbietern zu konkurrieren. Glücksspiel solle auf jeden Fall in staatlicher Hand bleiben, auch wenn damit die Umsätze in den Läden schrumpfen könnten, meint Haugg. Es sei immer noch besser, die Umsätze kommen dem Staat zugute, als wenn private Anbieter abkassieren. Die Einnahmen aus Lotto Bayern fließen zu 40 Prozent wieder in die Staatskasse, in den Denkmalschutz, die Schlösserverwaltung und die Sportförderung. Weltweit tätige Konzerne bieten seit Jahren unterschiedliche Glücksspiele an, von Poker über Roulette bis hin zu Sportwetten wie zum Beispiel „bwin“. Die Angebote sind zwar meist illegal, doch die Unternehmen steuern ihre Internetseiten aus dem Ausland und entziehen sich der staatlichen Kontrolle. Franz Haugg meint, langfristig könne sich Lotto vor dem Internet nicht verschließen, weil das der Markt der Zukunft sei.

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