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11. März 2010 18:25 Uhr

Kirchheim ist seit sieben Monaten schuldenfrei

Kirchheim Den 17. August 2009 hat der frühere Banker und heutige Bürgermeister Hermann Lochbronner vermutlich ganz dick im Kalender anstreichen lassen. Seine Marktgemeinde hat etwas geschafft, von dem andere oft Lichtjahre entfernt sind: Kirchheim ist schuldenfrei. Das gilt bis heute. Von Johann Stoll

Dabei hat die Fuggergemeinde in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand nehmen müssen, um Kanalisation, Schulsanierung und neues Baugebiet zu finanzieren. Wichtige Baustellen seien abgearbeitet worden, betonte Lochbronner sinngemäß auf der Bürgerversammlung für den Hauptort Kirchheim im Adlersaal. Gut 80 Interessierte waren gekommen. Dabei durften die Besucher in dem extrem kühlen Veranstaltungssaal nebenbei lernen, dass sparsame Haushaltsführung nicht nur ein Kennzeichen von Marktgemeinderat und Bürgermeister sind.

Der Bürgermeister bot in seinem rund einstündigen Vortrag einen umfassenden Bericht über Geleistetes und Höhepunkte des Gemeindelebens. 2009 sei ein sehr "bewegtes, arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr" gewesen.

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Die Kanalarbeiten in der Hauptstraße konnten komplett abgeschlossen werden. Das Erscheinungsbild hat nach Ansicht des Bürgermeisters stark gewonnen. Begonnen wurde mit den Kanalarbeiten für das Baugebiet Lug ins Land. Erstellt wurde die Tribünenüberdachung mit Photovoltaikanlage. Die Planung für den Geh- und Radweg zur Firma Wanzl liegt vor, der Auftrag ist bereits vergeben. Weitere wichtige Meilensteine waren: Die Einweihung des Sozialzentrums der Caritas mit 60 Plätzen für betagte Menschen, das Kirchheim mit einer halben Million Euro finanziell unterstützt. Oder der Anschluss des Kindergartens Derndorf an die Fernwärme.

Trotz dieser finanziellen Anstrengungen steht Kirchheim nach wie vor schuldenfrei da. Dabei trat der Bürgermeister dem Gerücht entgegen, Kirchheim werde deshalb bei Zuschüssen weniger gut gestellt. "Die Steuerkraft der Gemeinde hängt nicht vom Schuldenstand ab", betonte Lochbronner. Im Haushalt war noch eine Kreditaufnahme über 1,2 Millionen Euro vorgesehen, rechnete der Rathauschef vor.

Weil einige Vorhaben noch nicht abgerechnet sind oder verschoben wurden und weil eine Firma bei der Gewerbesteuer unerwartet viel überwiesen hat, steht Kirchheim bei den Finanzen nach wie vor glänzend da. Statt 600 000 Euro Gewerbesteuern wie geplant waren 1,152 Millionen Euro eingegangen.

Wasserwirtschaftsamt brauchte mehr als sieben Monate

Die Summe reichte gerade so, um die Kreisumlage in Höhe von 1,038 Millionen Euro abzudecken. Diese Abgabe wird heuer und nächstes Jahr sogar noch ansteigen, weil die Umlagekraft Kirchheims steigt. Für heuer rechnet die Gemeinde nur noch mit 400 000 bis 500 000 Euro an Gewerbesteuern.

Als Ärgernis entpuppte sich das geplante Hochwasserprojekt im Osten Kirchheims. Dieses sollte bereits 2009 verwirklicht werden. Ende Mai waren die Pläne eingereicht worden, doch erst Mitte Januar 2010 waren sie vom Landratsamt zurück gekommen, kritisierte Lochbronner. Das Wasserwirtschaftsamt Kempten habe sich für ihre fachliche Stellungnahme über sieben Monate Zeit gelassen. Jetzt rechnet der Bürgermeister mit einer raschen Genehmigung.

Sorgen um die Zukunft der Volksschule

Sorgen bereitet die Zukunft der Volksschule, die heuer im Juli ihr 40-jähriges Bestehen feiert. 330 Schüler besuchen die Schule derzeit. 2002 waren es noch 448. Aus Kirchheim selbst stammen 158 Schüler. In der künftigen Mittelschule sieht Lochbronner nichts anders als den Versuch, der Hauptschule einen neuen Namen zu geben. Die einzelnen Zweige würden schon jetzt angeboten.

Trotz der unsicheren Zukunft für die Schule ist zuletzt kräftig investiert worden. 2,1 Millionen Euro flossen in die Generalsanierung des Sportgebäudes. 1,42 Millionen hat die Sanierung des Schwimmbades verschlungen. Frühestens im Jahr 2011 soll die energetische Sanierung des Schulgebäudes folgen.

Lochbronner weiß, was auf dem Spiel steht. Die Infrastruktur müsse erhalten werden, damit die Einwohnerzahl nicht zurückgehe.

In der Aussprache ging es vor allem um die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer an der Schule. Wirkungsvoller wäre ein Halteverbot für die autofahrenden Eltern.

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