Donnerstag, 29. Juni 2017

09. März 2017 09:41 Uhr

Fastenzeit

Klicken und beten

Simon Lochbrunner aus Derndorf entwickelt eine deutsche Gebets-App des Papstes. Dahinter steckt ein weltweites Netzwerk.

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Würde Martin Luther heute noch leben, würde er sich sicher gut mit Simon Lochbrunner verstehen. Zwar könnten der Reformator von damals und der katholische Priester von heute sicherlich über einige Glaubensfragen streiten, in einem wären sie sich jedoch einig: Es ist wichtig, die Menschen zu erreichen.

Luther nutzte den „neumodernen“ Buchdruck, um seine Texte und Bilder auf Flugblättern und anderen Druck-Erzeugnissen zu verbreiten. Solche „Flyer“ haben sich über 500 Jahre gehalten – aber es sind noch viele weitere Möglichkeiten dazugekommen, mit denen man seine Mitmenschen erreichen kann. Simon Lochbrunner aus Derndorf, der im vergangenen Jahr seine Primiz in Kirchheim feierte, weiß diese Medien zu nutzen. Der Jesuitenpriester trägt den Titel „Nationaler Direktor des Weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes“ und ist demnächst für den ganzen deutschsprachigen Raum verantwortlich. Dieses Gebetsnetzwerk erreicht weltweit mehr als 35 Millionen Menschen, vor allem in Lateinamerika und dem asiatischen Raum – unter anderem über Youtube („Das Video vom Papst“), Facebook oder die App „Click to pray“, die offizielle App von Papst Franziskus, die ihren Nutzern täglich Gebetsimpulse aufs Handy liefert.

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Auf Deutsch gibt es die App noch nicht – Simon Lochbrunner ist gemeinsam mit Computerexperten dabei, sie zu entwickeln. Der 34-Jährige rechnet damit, dass die Arbeiten Mitte Mai beendet sind und man nach dem Download des Programms mit Tausenden anderer Christen gemeinsam auch auf Deutsch beten kann. Bislang verbreitet der Derndorfer die deutschsprachigen Inhalte des Gebetsnetzwerks über die sozialen Netzwerke Facebook, Instagram und Twitter sowie per E-Mail. Seine Texte und Bilder kommen gut an. „Im Moment ist es aber eher eine kleine Gruppe, die man erreicht“, sagt Simon Lochbrunner. „Da mache ich mir keine Illusionen.“ Für die App wünscht er sich 5000 bis 8000 Benutzer. Gerne mehr.

Immer mehr wurden „Apostel im Gebet“

Die Wurzeln dieser Arbeit liegen schon viele Jahre zurück. 173, um genau zu sein. Missionare aus Fernost, die nach Frankreich zurückgekehrt waren, berichteten dort von ihren Erlebnissen. Daraufhin wollten die Scholastiker – gewissermaßen die „Jesuiten-Azubis“ – die Missionare unterstützen, zumindest im Gebet, erklärt Simon Lochbrunner. Das zog immer mehr Menschen an, die „Apostel im Gebet“ wurden.

Am Ende des 19. Jahrhunderts ernannte Papst Leo XIII. das Gebetsapostolat zu einem offiziellen Instrument des Papstes, das schließlich 1917 an die Jesuiten übergeben wurde. Der Mitgliederzulauf bei dem Netzwerk war gerade in den ersten Jahrzehnten enorm.

In Deutschland ist die Tradition nur noch wenigen bekannt, weltweit beteiligen sich Millionen und widmen ihre Gebete dem Anliegen des Papstes. „In anderen Ländern finden es die Menschen toll, Teil davon zu sein“, schildert Lochbrunner. Das Apostolat greift die Nöte der Welt auf und ist explizit für Laien entwickelt worden – das hat es seiner Meinung nach so populär gemacht.

Gebet, Fasten und Almosen geben – das sind die drei klassischen Bußübungen in der Fastenzeit. Apps, Videos und Co. können dabei helfen, über den Tellerrand hinaus zu blicken, findet Lochbrunner. „Mich öffnen und dem Gebet erlauben, mich zu verändern.“

Doch das Bittgebet ist nichts, das derzeit stark in Mode ist, hat Simon Lochbrunner festgestellt. Während Lobpreisgebete mit passenden Liedern und Lichteffekten voll auf die Gefühlsebene und sogar Ekstase der Betenden abzielen, gehe beim Bittgebet der Fokus weg von einem selbst. „In einer Zeit, in der wir eh schon mit den Problemen anderer überflutet werden, ist das schwierig“, sagt Simon Lochbrunner. Zumal es eben leider nicht so sei, dass ein Krieg nur deshalb ende, weil 35 Millionen Menschen dafür beten. Doch sich abzuschotten, weil man mit den Problemen dieser Welt überfordert ist, birgt seiner Meinung nach eine große Gefahr.

Beten wirkt nicht wie ein Zauberspruch

Ein Gebet helfe vielen Menschen im Leben, aber es sei dennoch kein Zauberspruch, nach dem Gott alle Wünsche erfüllt. Ein Gebet, so erklärt der Priester, sollte man nie als „magisch verstehen“, es sei vielmehr Beziehungspflege zu Gott. Man spricht nicht umsonst von „Dein Wille geschehe“ – oder wie Simon Lochbrunner erläutert: „Es heißt ja auch: Oh Gott, von dem wir alles haben. Alles, also auch das Schwere, das Bittere.“

Selbst Jesus habe das Gebet nicht davor bewahrt, das Kreuz auf sich zu nehmen, es habe ihm aber ermöglicht, diesen Weg zu gehen, erklärt der 34-Jährige. „Das Gebet ist eine Hilfe, den aufrechten, echten Weg anzugehen.“ Oder wie Luther sagte: „Bete und du wirst entdecken, dass Beten Sinn hat – und anders als durch Beten wirst du es nie entdecken.“

Das von Simon Lochbrunner betreute deutsche Gebetsnetzwerk ist erreichbar über Facebook (https://www.facebook.com/gebetsnetzwerk), Instagram (https://www.instagram.com/gebetsnetzwerk) und Twitter (https://twitter.com/gebetsnetzwerk1). Wer den wöchentlichen Fotoimpuls per E-Mail haben möchte, schreibt an gebetsnetzwerk@jesuiten.org. Die App gibt es voraussichtlich ab Mitte Mai auf Deutsch, mehr dazu unter https://clicktopray.org.

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Melanie Lippl

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