Die von dem in Ettringen geplanten Heizkraftwerk der Firma Lang betroffenen Landwirte hatten Landrat Weirather um einen Gesprächstermin gebeten, der ihnen auch kurzfristig ermöglicht wurde.

Gekommen waren unter anderem auch BBV-Kreisobmann Gerhard Miller und Maschinenring-Geschäftsführer Reinhold Bäßler. Als Sprecher hatten die Landwirte Franz Donderer aus Aichen dazugebeten.
Weirather betonte seine Rolle als Chef einer staatlichen Behörde, die ein Genehmigungsverfahren sachlich, unabhängig und vor dem Hintergrund der geltenden Gesetze zu beurteilen habe. Als Landkreispolitiker erlaube er sich dennoch auch eine Stellungnahme.
Auf fachliche Detailfragen, die sich unter anderem mit Emissionswerten oder den Schadstoffgehalten einzelner Brennstoff-Fraktionen befassten, konnte und wollte Weirather nicht eingehen, da er dafür der falsche Ansprechpartner sei.
Er selbst müsse dafür sorgen, dass alle Einwände im Verfahren behandelt würden und dieses ordnungsgemäß ablaufe. Er bot als Gesprächspartner dafür jedoch die mit dem Verfahren betrauten Mitarbeiter von der Abteilung Umweltschutz im Landratsamt, Rudolf Fischer und Anton Grotz, an.
Im Wesentlichen ging es den Landwirten wohl auch eher darum, dem ersten Mann im Landkreis ihre Existenzängste mitzuteilen und die Hoffnung auszudrücken, dass er ihre Interessen vertreten möge. Weirather bekundete zwar durchaus Verständnis für sie, konnte ihnen konkrete Unterstützung allerdings nicht zusagen.
Er versuchte ihnen dennoch Mut zu machen. Die Firmenleitung scheine durchaus kompromissbereit. Allerdings: "Sie dürfen von einem Unternehmen nie mehr erwarten, als der Gesetzgeber vorgibt."
Weirather könne sich aber keinesfalls vorstellen, dass sich der Konzern - wie von manchen der Anwesenden befürchtet - irgendwann aus der Papierherstellung zurückziehen und dann nur noch eine Müllverbrennungsanlage betreiben werde, dafür sei das Projekt gar nicht geeignet. Es gehe der Firma darum, ihren gigantischen Energiebedarf von 315 Megawatt zu decken.
An Hauptbedenken wurden folgende Punkte geäußert:
l Man wisse bisher nicht konkret, was im Einzelnen die beantragten Ersatzbrennstoffe seien, wie sich der Brennstoffmix zusammensetze und welche Schadstoffe er enthalte.
l Es sei absurd, eine Anlage zu genehmigen, bei der die Antragsteller noch nicht einmal wüssten, wo die riesigen Mengen an benötigten Brennstoffen herkommen sollen. Sogar für die in der Region vorhandenen Müllverbrennungsanlagen müssten die Rohstoffe importiert werden, da nicht einmal die ausgelastet seien. Jeder Landwirt müsse nachweisen, dass seine Rohstoffversorgung gesichert sei, ansonsten werde sein Betrieb nicht genehmigt.
l Einen breiten Raum nahm das Thema Klärschlamm ein. Die Landwirte waren sich mit Weirather einig, dass Klärschlamm seinen schlechten Ruf zu Unrecht habe. Jahrzehntelang habe man sich bemüht, schadstoffarme Qualitäten zu erreichen, und dann werde aus nicht einsehbaren Gründen doch wieder vom Gesetzgeber die thermische Verwertung favorisiert.
Woher der Klärschlamm für das Heizkraftwerk kommen werde, sei nicht nachvollziehbar, meinte Hermann Fischer, und äußerte die Befürchtung, dies seien dann möglicherweise hoch kontaminierte Schlämme.
Franz Donderer wies auf die verschärften Anforderungen hin, die an die Bauern als Lebensmittelproduzenten gestellt würden, und bezeichnete eine Müllverbrennung wie die geplante als existenzbedrohend.
"Unser Arbeitsplatz ist genauso viel wert wie die Arbeitsplätze bei der Papierfabrik", sagte er. Und fragte: "Müssen wir uns diese Bürde auferlegen lassen?". Er forderte ganzheitlicheres Denken und Müllvermeidung statt -verbrennung. Eine solche Anlage animiere geradezu dazu, Müll zu produzieren.
Landrat Weirather betonte am Ende: "Ich habe kein Problem damit, dass Sie Ihre Interessen deutlich machen. Bringen Sie sie schriftlich ins Verfahren ein! Alle werden behandelt. Wenn die Bedenken nicht ausgeräumt werden können, muss umgeplant werden."
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