In der Form sehr nüchtern vorgetragen, war die Botschaft von Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf in der Sache jedoch geradezu ein Paukenschlag.


Ettringen. In der Form sehr nüchtern vorgetragen, war die Botschaft von Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf in der Sache jedoch geradezu ein Paukenschlag: Bei der Info-Veranstaltung der Firma in Ettringen verkündete er vor knapp 300 Besuchern, das Unternehmen Lang Papier habe sich entschlossen, den Forderungen der Kritiker "mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung so weit wie möglich entgegenzukommen" und den Genehmigungsantrag für das geplante Heizkraftwerk nachbessern zu lassen.
Im Einzelnen bedeutet das:
l Das Unternehmen verzichtet darauf, die im Genehmigungsantrag genannte Rostfeuerung zu realisieren und plant stattdessen nur noch die Wirbelschicht-Feuerung.
l Lang Papier reduziert die Maximalmengen der externen Brennstoffe: den Anteil der Ersatzbrennstoffe von 150 000 Tonnen pro Jahr um 40 Prozent auf 90 000 Tonnen; den Klärschlamm um 20 Prozent beziehungsweise 10 000 Tonnen.
l Für die Ersatzbrennstoffe und den Klärschlamm werden die Qualitätsanforderungen verschärft, das heißt, die Schadstoffkonzentration muss noch geringer sein als bisher beantragt. Der kommunale Klärschlamm soll strengeren Grenzwerten unterliegen als in der Klärschlamm-Verordnung für das Ausbringen auf die Felder gefordert.
l Zusätzlich zu den geplanten Messungen wird eine kontinuierliche Quecksilber-Messung in die Anlage integriert, die die hohe Effizienz der Rauchgasreinigung demonstrieren und Voraussetzung für eine weitere Minimierung der Quecksilber-Werte sein soll.
l Zusätzliche kontinuierliche Messungen soll es auch für Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid geben.
l Lang Papier bietet an, die Ergebnisse der Messungen ständig online an die Gemeinde Ettringen zu übermitteln beziehungsweise dort einen für jeden einsehbaren Rechner aufzustellen oder die Ergebnisse eventuell auch im Internet zu veröffentlichen, um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten.
Störstoffe sollen nur in geringem Ausmaß in den Kessel kommen
Grundsätzlich will die Firma den Schadstoffausstoß dadurch verringern, dass sie den Schadstoff-Input von vornherein niedrig hält, das heißt, dass Störstoffe erst gar nicht oder nur in geringem Ausmaß in den Kessel kommen.
Krauthauf wies auch anhand von Zahlen eindringlich darauf hin, welch ökologischen Fortschritt das neue Kraftwerk gegenüber dem alten, wesentlich umweltschädlicheren bedeuten werde.
Er betonte, die Zugeständnisse von Lang Papier hätten deutlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Anlage und seien für die Firma an der Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren. Die Firma betrachte die Selbstverpflichtung gegenüber dem Gemeinderat als rechtlich verbindlich. Sie werde in einem Vertrag noch schriftlich festgehalten. Dem vorausgegangen waren zahlreiche Gespräche mit dem Gemeinderat und der Bürgerinitiative Ettringen, für deren Sachlichkeit sich Krauthauf ausdrücklich bedankte.
Weitgehend sachlich blieb auch die anschließende Aussprache in der Versammlung. Sie wurde von Roland Doll moderiert, der die wenigen aggressiven Beiträge im Keim erstickte. Die Fragen und Ängste, die die Anwesenden äußerten, waren dieselben, die seit Wochen in Leserbriefen, bei Kundgebungen und im Internet formuliert werden.
Sie betrafen unter anderem die emittierten Schadstoffmengen, die Zweifel an der Zuverlässigkeit des externen Kraftwerkbetreibers und die Frage, wo der benötigte Müll herkommen solle. Krauthauf und sein Team, darunter Gutachter Norbert Suritsch von der Firma Müller BBM, versuchten auf die Fragen einzugehen. Krauthauf betonte die lückenlose Überwachung der Anlage. Das Kraftwerk sei abhängig von der Papierproduktion und weder technisch noch von den Gesetzesauflagen als Müllverbrennungsanlage nutzbar.
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